Maria

Do 08.12.2022

Lk 1:26-38. Der Erzengel Gabriel besucht Maria.

Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria.

Auf meinem Weg in die katholische Kirche, zu der Gott mich geführt hat, gab es innere Widerstände. Einer davon war, dass ich, als evangelisch und evangelikal geprägter Mensch, mit Maria nichts zu tun hatte. Und ich blickte eher skeptisch auf den Umgang mit ihr in der katholischen Kirche.

Und obwohl mir in den etwa elf Jahren seitdem viel über Maria offenbart wurde, ist ihre Bedeutung und ihr Bezug zu mir immer noch kein Selbstgänger.

Die offenbarte Wirklichkeit Gottes in aller Konkretheit weicht bei Maria am meisten von einem philosophischen Gottesbild ab.

Dabei sehe ich, dass die Schönheit, die Fülle und die Konkretheit nirgends besser als an Maria beschrieben ist. Ohne Maria ist der Glaube kleiner und blasser.

Ohne Offenbarung würde ich niemals auf die Idee kommen, dass Gott in einer konkreten Frau erst der Gott der Menschen wird. Und ich spüre, wie sehr ich um eine Formulierung kämpfen muss, denn es ist so ungeheuerlich.

Was geschieht da eigentlich? Menschlich denkerisch kann ich es nicht erfassen. So viel kommt mir da entgegen. Ein Geschöpf wird Mutter des Schöpfers. Ein unendlicher Gott verbindet sich substanziell mit endlichen Menschen.

In der schriftlichen Version verlinke ich einen wunderbaren Text des heiligen Johannes von Damaskus dazu.

Mein Glaube wird herausgefordert. Und ja, ich glaube.

Du, Gott, mein Vater, bist nicht das Ergebnis meiner religiösen Überlegungen und Wünsche. Du bist kein Konstrukt. Du bist souverän und offenbarst, was wir Menschen nicht denken können.

Den Jesus, der mich erlöst hat, gibt es nicht ohne Maria. Wer bin ich, an Maria vorbeizugehen, wenn der Erzengel Gabriel nicht an ihr vorbeigegangen ist? Der Bote Gottes nennt Maria holdselig, gesegnet. Er unterscheidet sie von anderen Frauen.

Gott ist Geist – das leuchtet unmittelbar ein. Aber Gott ist auch Fleisch und Blut und Sohn einer Frau. Das leuchtet spontan kein bisschen ein. Und Jesus ist nicht irgendwie eine Gottheit, Er ist Gott.

In und an Maria heiligt Gott die Leiblichkeit. Nicht die Fleischlichkeit, sondern die Leiblichkeit.

Mir als Mann sind Frauen immer ein wenig unheimlich. Ihre Macht, ihre Bedeutung ist so groß. In einer Frau, meiner Mutter, bin ich gereift, von ihr geboren, ganz ihr ausgeliefert, ganz auf ihre bergende Fürsorge und Liebe angewiesen.

So sehr hat auch Gott sich in Schoß und Hand einer Frau gegeben.

(Schwanger: συλλαμβάνω‭ syl-lambáno ‭festnehmen. Wörtlich: w. gänzlich mit (sich)-nehmen).

Gott hat es gewollt, aber eine Frau hat es ermöglicht.

Mir scheint, hier ist eine fundamentale Kränkung des Mannes. Der Selbststand des Mannes ist eine Illusion. Ich bin aus einer Frau. Nicht aus mir selbst.

Gott aber hebt meine Kränkung auf, indem Er so wird wie ich. Nämlich einer, der von einer Frau geboren ist. In dem Maße, indem ich die Illusion des Selbststandes aufgebe, in dem Maße werde ich dem „Menschensohn“ (Jesus) ähnlich.

Wenn eine Frau diesen Text liest, wird sie ihre eigene Stellung finden müssen. Vielleicht ist es in etwa: Das, was doch ganz in mir war und mein war, wird doch ganz es selbst werden. Und ich halte es nicht fest, aber ich bleibe bei ihm, auch wenn diese meine Frucht, ans Kreuz genagelt wird.

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