Di 17.01.2023
Mk 2:23-28 Ährenraufen am Sabbat
Wer entscheidet, was am Sabbat erlaubt ist? Der Mensch selbst, je nachdem, ob es ihm als „dem Menschen zum Nutzen“ erscheint?
Hebt Jesus hier den Sabbat als Gottes Gebot auf?
Heute wird diese Aussage Jesu oft dazu benutzt, dass der Nutzen des Menschen im Vordergrund steht. Durchaus auch der Nutzen der Erholung und der Pause. Ein Rhythmus der Wochen entsteht, der auch Zeiten vieler Menschen synchronisiert.
Eine Abmilderung einer strengen Regel, wie sie die Pharisäer durchsetzen wollten, ist heute kaum mehr nötig – vielleicht im Gegenteil. Vielleicht wäre etwas mehr Ordnung besser.
Aber geht es nur darum?
Eine Ordnung, wie der Sabbat, kann mir nur dienen, wenn ich in meiner Willkür diese nicht völlig meinen Wünschen unterwerfe. Wie soll der Sabbat mir dann anderes dienen, als dass er mich nur in meinem Selbst-sein bestätigt?
Zunächst geht es bei Markus um die Deutungshoheit. Die überlieferte Ordnung wird von den Pharisäern verwaltet. Sie erhöhen sich selbst als Wächter der höheren Ordnung.
Hier aber erscheint der eigentliche Herr selbst. Es ist Seine Ordnung.
Die Einhaltung der Ordnung ist richtig, solange nicht eine höhere Autorität erscheint. Und Jesus, als Wort Gottes, das die Menschen schuf, kennt den eigentlichen Sinn der Ordnung besser als jeder.
Der Sabbat ist eines der zentralen Merkmale, an denen die Juden selbst ihre Zugehörigkeit zu Gott, zum wahren Gott, festmachen sollen. Und die tiefe Bedeutung des Sabbats geht noch viel weiter – dazu ist hier nicht der Raum.
Viele Juden sagen: ich weiß nicht genau, wofür der Sabbat ist, aber er ist Teil unserer Identität. Denn die kommt vom Horeb, von dem Moment, da Gott uns Sein Gesetz gab.
Nun aber erscheint dieser Gesetzgeber erneut.
Und offenbart, dass hinter dem Gesetz der Gesetzgeber steht, der mit diesem Gesetz dem Menschen dienen will.
Aber viel mehr will Er dem Menschen persönlich nahe sein, sodass ein hinterlassenes Gesetz verblasst.
Es ist etwa so, als ob jemand einen Brief geschrieben hat und die Empfänger beachten diesen Brief peinlich genau. Nun kommt der Schreiber selbst und die Empfänger belehren ihn, wie er sein müßte. Sie halten ihm seinen eigenen Brief vor.
Es ist nicht so, dass meine von mir identifizierten Bedürfnisse Herr über die Ordnungen sind, wie z. B. den Sabbat (oder den Sonntag). Es ist vielmehr so, dass mein Schöpfer allein genau weiß, was gut für den Menschen und mich ist.
Je näher ich Ihm bin, desto genauer erfahre ich, was hier und jetzt gut ist.
Und das ist nicht das, was unmittelbar für mich nützlich ist, sondern das, was meinem eigentlichen Wesen entspricht. Dazu gehört zentral die Bezogenheit, die Liebe zu meinem Schöpfer und zu meinem Nächsten.
Die partielle Lösung von der Ordnung entlässt mich nicht in eine Beliebigkeit – im Gegenteil. Sie erlöst mich aus meiner eigenen Willkürlichkeit in den persönlichen Gehorsam der Freundschaft mit Gott.