Alles muss erfüllt werden.

Mi 15.03.2023

Mt 5:17-19 Das Gesetz und die Propheten müssen erfüllt werden.

Wie passt es zusammen, dass Jesus z. B. am Sabbat heilt?

Es gibt in der Thora 248 Gebote und 365 Verbote. Ich habe eine vollständige Liste gefunden: https://www.staybiblical.com/de/613-gebote-der-tora/

Es scheint kaum möglich, dies alles einzuhalten. Oder?

613 Paragrafen.

In Deutschland gibt es 600 verschiedene Verkehrsschilder und sie StVo hat 54 Paragrafen mit je mehreren Regeln. Wir können eine Sprache mit 10 tausenden Begriffen lernen. Wenn wir etwas wirklich wollen, können wir auch 613 Regeln einhalten. Das ist kein richtiger Grund.

Aber Jesus spricht auch über Prophetien, und dass diese alle erfüllt werden. Er selbst erfüllt sehr viele Prophetien. Ist das nicht alles ein großes Maß an Unfreiheit?

Charles Finney (1792–1875), ein legendärer Erweckungsprediger aus den USA, stellt seinem Buch „Erweckung“ eine lange Liste voran. Ein Beicht- und Bußkatalog. Auch wir Katholiken haben solche Listen, ich habe eine sehr Gute von der Petrus Bruderschaft (Ein Beichtspiegel).

Der moderne Mensch hält so etwas für überholt und hält es lieber mit Augustinus: „Liebe nur und dann tue, was du willst“.

Mir scheint, der erste Schreck ob Jesu Worte offenbart eine Herzenshaltung. Will ich denn überhaupt in Gott so tief eintauchen? Will ich mir von Gott sagen lassen, was Liebe ist? Will ich nicht Lieben auf meine Weise? Also etwa: „Tue, was du willst und füge Liebe hinzu, dann ist alles erlaubt.“

Wenn ich von A nach B fahre, werde ich die Verkehrsregeln einhalten, wenn ich es will. Ich habe sie gelernt, sie leuchten mir ein, ich verstehe den Sinn und es kommen immer nur gerade in paar zur Geltung für die je aktuelle Situation.

Es ist nicht schwer.

Und ist die Liebe und Würde, die Gott uns schenkt, es nicht wert, nach Seinen Regeln zu fragen? Seine Regeln sind auf Seinen Lippen. Aber die Sprache muss mir schon bekannt sein, sonst kann ich Ihn nicht verstehen. Ein nicht erzogenes Gewissen hört Gott nicht, obwohl Er allezeit da ist und gern zu uns sprechen möchte.

Ich möchte mehr und mehr die Ordnungen Gottes auch ganz formal einhalten. Nicht weil das Einhalten mich rettet, sondern weil ich Den liebe, der sie gegeben hat und immer neu gibt.

Wenn ich denke, ich liebe, und halte die Regeln nicht, liebe ich vielleicht nur meine Liebe – aber nicht meinen Vater.

Auch dieses Thema ist zu groß für eine Andacht. Aber vor jeder befreienden Antwort möchte ich den zunächst trockenen Sinn nicht übergehen.

Auch wenn der Geist über der Erde, der Welt ist, so ergießt er sich zuerst in die Ordnung der Welt – denn er selbst ist ihr Schöpfer.

Der Leib ist die Bedingung des Lebens – wenn auch nicht das Ziel des Seins. Anhand der Ordnung entfaltet sich die Liebe, die dann auch über die Ordnung hinausgeht. Aber nicht vor der Ordnung vorweg geht.

Ich plane für heute noch einen Text zum Thema Schuld. Aus aktueller Erfahrung als Täter.

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