Sa 25.03.2023 Hochfest der Verkündigung des Herrn
Lk 1,26-38 Gabriel verkündet Maria die Empfängnis
Es sind noch neun Monate bis Weihnachten. Darum feiert die kath. Kirche heute die Empfängnis Marias.
Ich beginne aber mit einem anderen Blick:
Das Nachdenken über sterben und auferstehen, über das, was nach dem Tod kommt, ist zwar selten – kommt aber doch vor. Menschen fragen mich dazu. Es scheint manchem erstaunlich, dort etwas zu erwarten.
Es war mir selbst eine Hilfe für diese Gedanken, den anderen Pol zu betrachten. Den Anfang. Ist es nicht mindestens ebenso erstaunlich, dass ich bin? Dass es mich gibt? Genau mich? In all den Optionen des Universums.
Nur weil ich es gewohnt bin, ist es doch ganz und gar verblüffend und extrem unwahrscheinlich als selbst zu sein.
Dass meine Mutter den Krieg überlebt hat, dass mein Vater nicht verhungert ist – all das und so viel mehr mußte geschehen, damit ich sei.
Nach dem Sterben aufzuerstehen ist nicht verwunderlicher als das sein an sich (aus dem Nichts ins Dasein zu kommen). Im Gegenteil. Denn etwas zu erhalten, was da ist, liegt auch uns näher als es überhaupt ins Leben zu rufen. Wer z. B. ein Kind erst einmal hat, wird es unbedingt behalten wollen, auch wenn es vielleicht garnicht geplant war und er zuvor ganz unsicher war.
Nun konkret zu einem Vers aus dem Text, Vers 28a: „Der Engel kam zu ihr hinein“. Hineinkommen, εἰσέρχομαι eis-érchomai hineinkommen. Aus εἰς eis (hin)ein und ἔρχομαι érchomai kommen.
Maria konnte in keiner Weise machen, dass sie die Mutter des Messias wird, des Sohnes Gottes. Sie konnte auch nicht machen, dass der Engel sie besucht.
Sehr gerne möchten wir Geschichte spielen und Dinge machen. Die Selbstwirksamkeit ist ein zentrales Element der menschlichen Existenz. „Ich bin, weil durch mich etwas wird, was nicht war“. Eine Selbstbestätigung im Außen.
Gestiftet zu sein, reicht nicht zur Vergewisserung des Seins, es braucht ein da-sein, dass sich aus mir im außen zeigt.
Aber der Anfang von allem ist doch die Stiftung, das ins Sein rufen.
Im Erwachen der Selbstwirksamkeit scheint es eine Einschränkung zu sein, wenn jemand „eintritt“. In mich eindringt. Einfach hereinkommt – ungefragt.
Um damit umzugehen, brauche ich die Annahme, dass das, was da kommt, gut ist.
Und dass es gut ist, dass es kommt.
Das ist möglich in dem Glauben, dass Gott gut ist und dass Er es ist, der mir begegnet. Aber woher weiß ich, dass Er es ist?
Beispiel:
Gestern hatte ich einen Plan für den Vormittag. Aber als Erstes wurde in diesen Plan mit der einer Anfrage meiner Frau eingegriffen. Ok, machen wir. Danach konnte ich meinen Plan anfangen – für eine kurze Weile, denn dann kam eine Frage meiner Schwiegertochter. Klar doch, mach ich.
Als das getan war (es war nicht mehr viel Zeit übrig) kam eine Anmerkung meiner Frau zu einer liegengebliebenen Arbeit auf der Terrasse. Es klang ein kleiner Vorwurf durch. Hm, ich murrte und verweigerte für den Augenblick. Gott sei Dank habe ich dann Gott gefragt – und habe dies gemacht, als es passte (gleich nach dem Essen).
Woher wußte ich, dass es „Gabriel“ war, der mich gestört hatte?
Zum einen, weil ich grundsätzlich darum gebeten habe, Gehorsam zu lernen.
Und dann, weil ich wußte, dass es gut war. Maria hat auch gefragt, ob es mit „guten“ Mitteln möglich ist!
Und ja, mein eigener Plan war ein Plan für mich.
Gott achtet immer unseren freien Willen. Und Er tut nichts mit bösen Mitteln. Zudem erlaubt Er eine Rückfrage.
Ich glaube, Gott achtet auf die, die vor Ihm „rein“ sein wollen (wie Maria) und behütet ihre Reinheit. Rein sein bedeutet dabei sich ganz für Gott aufsparen. Das meine zu haben, als hätte ich es nicht, sondern als habe ich es nur für Ihn, für den Bräutigam.
Hört sich merkwürdig an – ich versuche in den Bildern der Geschichte zu bleiben – und es beschreibt das Prinzip richtig, so scheint mir.
Dies ist keine vollständige Beschreibung dieses Themas – wie immer.
