Jesu Fleisch II

Fr 28.04.2023

Joh 6:52-59 „… wer mein Fleisch nicht ißt, hat das Leben nicht in sich …“

Meine Andachten beziehen sich immer auf das Evangelium des Tages, wie es in der katholischen Leseordnung dauerhaft festgelegt ist.

Sonst würde ich diesen Text beiseitelegen – denn er hat für mich immer wieder etwas Dunkles und Provokantes. Ich verstehe gut, warum dies geeignet war, fast alle, die Ihm folgten, von Ihm zu treiben.

Das Kapitel sechs bei Johannes hat 70 Verse und ist ein dramaturgischer Bogen, der unbedingt zusammen gesehen werden muss.

Er beginnt mit der Speisung der 5.000, den Reden über Seinen Leib („Ich bin das Brot des Lebens“), der scharfen Worte, die zum Verlust der meisten Jünger führt und endet mit dem Messias Bekenntnis des Petrus und Jesu Zeugnis des Verrates des Judas.

Ich habe mit Mühe gelernt, dass hier das wesentliche Zeugnis für das Verständnis der Eucharistie der katholischen und orthodoxen Kirchen begründet ist. Dahinter werde ich nicht mehr zurückgehen.

Dennoch bleiben mehr Geheimnisse als Antworten.

Und mir scheint, es kann eine Gefahr sein, dieses Kapitel mit der Eucharistie sozusagen abzuhaken. Denn auch die Eucharistie ist ein Geheimnis, das mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet.

Es schient mir, es ist eine Handhabung dieses Textes – aber keine Antwort.

Ist es so, dass ich nur korrekt kommunizieren muss, und mir keine weiteren Herzschmerzen um dieses „… wer mein Fleisch nicht ist …“ machen muss?

Ich vermute, das wäre nur eine Form der Ignoranz auf einer höheren Ebene.

Berührungen:

Fleisch ist konkret, es hat mit Tat zu tun, mit Begegnung.

Im alten Bund ist Gott als Wort anwesend. Leiblich betroffen von der Beziehung zu Gott sind die Menschen. Die Opfer werden von Menschen gebracht, aber auch der Vollzug der Gebote ist Sache der Menschen.

Nun tritt Gott selbst in den Leib ein. Und der Leib ist Geist-Seele-Körper. Unser griechisch geprägtes Denken bleibt hinter dem hebräischen, viel umfassenderen Denken, zurück.

Mir scheint in intensiver Weise die unbedingte Verbundenheit Gottes mit dem Menschen offenbar zu werden. Es erinnert mich an Rut:

Wo du hin gehst‭‭, da will ich auch hin gehen‭‭; wo du bleibst‭‭, da bleibe‭‭ ich auch. Dein Volk‭ ist mein Volk‭, und dein Gott‭ ist mein Gott‭.‭

‭Wo du stirbst‭‭, da sterbe‭‭ ich auch, da will ich auch begraben‭‭ werden. Der HERR‭ tue‭‭ mir dies‭‭ und das‭‭, der Tod‭ muß mich und dich scheiden‭‭.‭

(Rut 1:16+17).

So, so scheint mir, handelt Gott selbst. Er geht dorthin, wo ich bin, Er nimmt alles auf sich, was mich betrifft.

Rut ist Stammmutter Jesu geworden. Rut ehrt und beschämt den Christen – denn sie zeigt, was recht ist, obwohl sie eine Fremde ist. Und dass es recht ist, ganz zu Gott zu gehören.

Mir scheint, wenn klar ist, dass Sünde im eigentlichen nicht die Überschreitung von Ordnungen meint, sondern das Lossagen vom Vater, dann bin ich schuldig.

Dann – und nur dann – ist das Leiden und Sterben Jesu auch für mich berechtigt und nötig.

Ich glaube nicht, dass Jesus gestorben ist, weil ich als Jugendlicher Bleistifte bei Karstadt geklaut habe (oder weiterer übler Taten).

Schuld ist hier im Verhältnis zur Berufung zu verstehen.

Meine Berufung ist Sohnschaft Gottes – nicht weniger.

Der habe ich nicht entsprochen. Darum verantworte ich tatsächlich Jesu Leid.

Ich „kaue“ sein Fleisch.

Und darum kann Christ-sein nicht heißen: Mir sind meine Sünden vergeben und Punkt. Sondern es geht um den Eintritt in die eigentliche Berufung.

Darum heißt Christ-sein auch nicht einfach Unterwerfung – sondern Annahme der Vaterschaft -also Annahme meines Sohn-seins.

Damit vergesse ich mein Selbst-sein und gebe Jesus recht: Es war auch für mich nötig, dass Du so ins Fleisch gekommen bis und Leid, Demütigung und Sterben verkostet hast.

Puh – jeder frage sich selbst, wie es um ihn steht.

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