Di 30.05.2023 🌾67 Jahre
Mk 10:28-31 Petrus spricht davon, dass die Jünger alles für Jesus verlassen haben.
Im ersten Moment scheint es eine verbotene Frage zu sein. Ist das Jünger Jesu sein nicht in sich alles Verlassen der Welt wert? Will Petrus, will ich denn etwas erstattet haben, was nicht sowieso schon in der Gemeinschaft mit Jesus über-erstattet ist?
Habe ich selbst auch diese Frage?
Erstaunlicher Weise beantwortet Jesus die Frage. Und zwar, ohne die Frage zu kritisieren.
Persönlich
Das Thema passt zu dem Tag heute, an dem ich 67 Jahre alt geworden bin, und eine Bilanz sich mir aufdrängt.
Aber was habe ich denn verlassen? Und habe ich nicht schon so viel „erstattet“ bekommen, z. B. meine herrliche, große Familie?
Aber ich darf die Frage stellen, so lese ich.
Meine geistige Fruchtbarkeit empfinde ich als gering, geradezu erbärmlich. Welch Erwartungen hatte ich nicht in den jungen Jahren meines Christ-seins? Im charismatischen Aufbruch, etwa im Jahr 1986?
Und ich habe doch etwas geopfert.
Im Gehorsam zu Dir habe ich Freiheit geopfert. (Wenn ich auch nur dachte, es wäre Freiheit gewesen.)
Im Gehorsam zu Dir habe ich Erfolg geopfert und bin „drunter“ geblieben.
Kein kirchlicher Boden hat mich als Samenkorn haben wollen, an allen Orten bin ich fremd.
Wieder zu Petrus.
Ging es ihm bei Jesus nicht gut genug? Warum hatte er diese Frage?
Die Jünger hatten in der Zeit, als sie bei Jesus waren, praktisch keinen eigenen Erfolg. Sie begleiteten Jesus beim säen des Wortes.
Nach meiner Grundüberzeugung vom Wesen des Menschen gehört aber auch die Fruchtbarkeit der Person dazu.
Was habe ich denn von „Häusern, Kindern, Äckern“?
Es sind auch Symbole meiner Wirksamkeit, meines Vorkommens in der Welt. Zu Sein ist sehr theoretisch, solange ich keine Spur hinterlasse, die man sehen kann, die auch ich sehen kann.
Wozu denn, bin ich?
Auf diese Frage ist das Sein an sich, keine Antwort.
In der berechtigten Sehnsucht nach Wirksamkeit entsteht die Gefahr, unmittelbar wirksam werden zu wollen. Die Geduld des Wartens auf den „Befruchtenden“ zu verlieren. Zu nehmen, statt zu warten, bis es etwas zum an-nehmen gibt (siehe 27.05.23).
Die Sehnsucht, die sich selbst befriedigt, bringt keine ewige Frucht (oder nur eine sehr kleine).
Es geht nicht darum, von der Sehnsucht frei zu werden, sondern sie „auf den Bräutigam“ zu richten.
Darf mein Herr (der Bräutigam) lange ausbleiben (Mt 25:5, Gleichnis der zehn Jungfrauen)?
Letzte werden Erste sein
Früher hörte ich, dass es um Menschen geht, die spät Christ wurden.
Vielleicht ist auch gemeint:
Die Saat, die lange in der Erden bleibt, lange im Verborgenen ist.
Oder, wie der Walnussbaum, auf dessen ersten Früchte man etwa 10–15 Jahre warten muss (bei denen, aus Sämlingen).
Ich will meine Sehnsucht also nicht begraben, sondern die Kraft der Sehnsucht in der Beziehung zu Jesu weiter nähren. Denn Sehnsucht ist nicht Gier, wenn sie sich nach dem richtigen sehnt. Sie ist auch nicht undankbar, wie mir die überraschend wohlwollende Antwort Jesu im heutigen Evangelium zeigt.
Denn ich sehne mich nicht nach etwas für mich – sondern von mir. Dass die Liebe Gottes an mir, an denen Frucht trägt, die Gott mir gibt.
