11.06.2023
Mt 9:9-13, die Berufung des Matthäus.
Ist Jesus gerecht?
Es scheint, dass Er die Zöllner und Sünder bevorzugt.
Mir fällt im NT keine Kritik an Zöllnern und Sündern auf – aber einige an Schriftgelehrten, Hohenpriestern und Pharisäern.
Genau andersherum als es jene Elite des Glaubens taten.
Und ich sorge mich einigermaßen, wenn ich auch heute erlebe, dass „Rechtgläubige“ die Sünder kritisieren.
Jesus übertritt so manche Ordnung der Väter und Gelehrten. Zählt denn die Ordnung, das Gesetz (das Kirchenrecht) nichts?
Matthäus, der Sünder, hört Jesus und gehorcht sofort. Er gehorcht dem König selbst.
Es ist besser, einem König zu dienen, als einem Gesetz. (Diese Aussage würde wohl kein Demokrat unterschreiben.)
Ich aber will meinem König dienen, Christus, Kyrios, König.
Die Ordnung soll uns dienen wie eine recht genutzte Ikone. Als Wegweiser zu Ihm, als Abglanz der Heimat dort (nicht hier).
Die Versuchung des Gesetzes
Das Gesetz kann man dem Selbst zuschlagen.
Damit meine ich, meine Treue zum Gesetz ist Teil von mir.
Ein Gesetz ist in etwa wie ein Königspalast ohne König. Oder wie eine Reliquie, die ich als Gegenstand in Ehren halte. Das Anbeten einer Ikone als Ikone.
Gott ist aber ein lebendiger Gott. Er trägt Seine Kleider (Ordnungen) an Seinem Leibe. Ich berühre sie, ich folge ihnen, weil es SEINE Kleider sind (so wie die blutflüssige Frau Jesu Gewand als Gewand Jesu berührte).
Wenn ich dem Gesetz vollkommen folgen könnte, wäre es vielleicht wie im Paradies.
Aber ich suche nicht das Paradies – ich suche Dich.
Wenn das Paradies nicht mehr Ort der Sehnsucht nach Gott ist, dann wird es Ort der Versuchung, Ort des Falles.
Geschichte
Ein Mann war auf Reisen. Er schickte seiner Frau Briefe, viele Briefe, lange Briefe. Und er blieb lange Jahre weg.
Als er nun eines Tages nach Hause kommt, erkennt seine Frau ihn nicht gleich. Er sagt: „Ich bin es, der dir die Briefe schrieb“.
Die Frau sagt: „Ich habe die Briefe, ich liebe die Briefe – dich aber brauche ich nicht“.
Es ist nicht so abwegig, wie es klingen mag. Ich höre in der Eheberatung ähnliches, z. B.: „Das ist nicht mehr der, den ich geheiratet habe. Den will ich nicht“.
Ich bin nicht erkennbar als der, den sich Gott gedacht hatte, als Er mich schuf. Aber in Jesus schaut Er durch meine dreckigen Kleider hindurch und will den, den ich vielleicht selbst nicht kenne. Den, der ich dadurch werde, dass ich von Ihm geliebt bin. Und auf die Person Jesu antworte. Des Königs Kleider (Gesetze) will ich ehren um Seinetwillen. Damit ich in Seiner Nähe zu Hause bin.
Und die „Kleider des Königs“ sind zunächst und vor allem die Menschen um mich herum. Weniger das Gesetz als Ordnung als vielmehr das Gesetz der heiligen Nächstenliebe, wie besonders der Heilige Franziskus es bezeugt: Ich bin gekommen, Sünder zu rufen.
(1) Eine Ikone als „Zeiger“ auf Jesus ist nützlich und gut. Im Dschungel der Welt brauchen wir Dinge, die auf das Ziel weisen.