Mi 28.06.2023
Mt 7:15-20 Warnung vor falschen Propheten und deren Frucht
Was ist die gute Frucht, an der ich den rechten Propheten erkenne?
Zunächst:
Wer ist Prophet?
Jeder, der etwas sagt, hat eine Wirkung auf sich und andere. Es gibt kein neutrales Reden. Was ich höre, beeinflusst mich, was ich rede, offenbart mich. Gott wird für jedes Wort von mir Rechenschaft fordern (Mt 12:36).
Meine Worte offenbaren meine Frucht und offenbaren mich als geistiges Wesen.
Jede schnelle „Meinungsäußerung“ ist eine Schnur an meiner Seele, eine Bindung, die ich mir selbst auferlege. Ein Schaden. Ja, es ist immer ein Schaden, wenn es um eine Meinung geht – das habe ich schon erläutert.
Hierarchie
Ein schlichter Mensch richtet wenig Schaden an. Ein Mensch mit Verantwortung kann mehr Schaden anrichten. Das Gericht ist umso strenger – besonders für Theologen, Priestern und christliche Publizisten (Schriftgelehrte, Priester und Älteste).
Was ist schlechte Frucht
Vermutlich ist es alles, was nur aus mir kommt. Nicht das, was aus mir kommt, sondern das, was nur aus mir kommt. Denn Frucht ist nicht Absonderung, sondern Ergebnis von Befruchtung.
Gute Frucht
Es ist wesentlich Hörfähigkeit.
Denn die Frucht der Lüge ist zuerst ein Fortschreiten der eigenen Taubheit. Habe ich oft genug übertrieben, geschönt, gerechtfertigt u.s.w. wird meine Hörfähigkeit immer geringer.
So auch anderes herum. Gehorchendes Hören hat als Erstes eine Verbesserung der Hörfähigkeit zur Folge.
Das zeigt sich sehr an der zunehmenden Erkenntnis der eigenen Verantwortung – dass z. B. nicht alles Gnade ist. Es zeigt sich an dem Schrecken über die eigene Lieblosigkeit und die überall lauernde Selbstsucht in meinem Herzen. An der Scham über den Undank gegenüber Gott und Menschen in meinem Alltag.
Nicht in einer kranken Weise, die die Selbsterniedrigung als Aufforderung zur Erhöhung will. Das Licht Gottes kommt zwar mit Schmerz daher – aber immer mündet es in tiefem Frieden.
Wandlung
Was gut ist, erkenne ich an Jesus. Nicht an den Definitionen der Welt.
Zwar ist die Ausgangslage bei mir anders, weil ich aus der Welt komme, aus der Selbstsorge. Aber das Ziel ist dasselbe.
Als Jesus mit zwölf Jahren erkannte, wer Sein Vater ist (im Tempel) ist Er danach seinen Eltern gefolgt und war ihnen gehorsam.
Menschen!
Gehorsam gegen Gott drückt sich in geheimnisvoller Weise im Gehorsam gegenüber Menschen aus. Die Gefahren einer falschen Hörigkeit oder blindem Gehorsam sind abschreckend. Aber alle guten Dinge sind umhüllt von der Gefahr des Missbrauches. Für dieses Thema ist geistige Begleitung bedeutungsvoll.
Auch später hat Jesus sich an Menschen gebunden. Er hat keine Bibel geschrieben, sondern das schwachen Menschen überlassen. Er hat die größte Botschaft der Welt in die Hände von Sündern gelegt.
Gewandelt werden in Jesus bedeutet, andere Menschen in ihre Verantwortung zu bringen. Nicht blindes Helfen ist der Weg, sondern zur Berufung verhelfen. Das Risiko des Scheiterns des Anderen annehmen.
Die Ehre des Anderen ist mein Ziel, denn die Demut allein ist immer in Gefahr auf sich selbst zu schauen. Die Würde des Anderen ist das Positive, dass immer sein soll und in dem es kein Maß gibt.
Darum ist nicht das eigene Sterben das Ziel, sondern das Leben des anderen – koste es, was es wolle (und wenn es am Ende das eigene Leben ist).
Im Kleinen und im Großen.
Kleines Beispiel
Gestern hatte ich eine längere Fahrt. Mitten auf dem Weg verschwand mein Portmonee, in dem auch die Ladekarte für das Auto war. Es sah so aus, als wenn ich nicht mehr nach Hause komme.
Nicht viel später bekam ich eine Mail von jemandem, der sie gefunden hatte. Gott fügte es so (so etwas wundert mich kaum) dass wir uns für einen Rastplatz verabreden konnten und er mir seinen Fund zurückgab.
Es war auch Bargeld in dem Portmonee.
Ich spürte, dass es nicht um Finderlohn geht – wenn ich ihm auch alles gegeben hätte.
Ich habe zwar ganz leise gefragt – war aber nicht überrascht, als er lächelnd ablehnte.
Seine Würde ist mehr wert als irgendein Geldbetrag. Seine Würde des bedingungslos Gut seins.
Herrlich.