Verwerfung, Angst und Tod

Do 03.08.2023

Mt 13:47-52 Gleichnis von dem Aussortieren der Fische und der Ungerechten.

25 Jahre war ich evangelikal. Dort ist das Gericht mit der Bekehrung verknüpft und zudem ein reines Entweder – Oder.

Wie eine Zauberformel „gibt man sein Leben Jesus“ und hat dann eine „persönliche Beziehung“ zu Ihm. Dann ist man „saved“ (gerettet) und fertig.

So ähnlich habe ich es gemacht (aber ohne „fertig“).

Und Texte wie heute unterstützen diese Formel.

Ich habe in den vergangenen Tagen mehrfach zu dem Themenkomplex geschrieben (23.07., 01.08.). Ich wäre zufrieden, wenn es damit gut ist – aber Gott legt mir dieses Thema erneut vor.

Gibt es denn am Ende diese schreckliche endgültige Verwerfung? Trotz aller Liebe, trotz aller Tränen (der Liebenden), trotz allem, was ich genannt habe?

Was ist, wenn jemand von niemandem geliebt wird? Wenn er in seiner Selbstsucht trotz aller Liebe aktiv verharrt?

Am Ende wird alle Selbstsucht verbrannt. Was ist, wenn dann nichts mehr bleibt? Wenn der Wesenskern des Menschen Selbstsucht ist?

Du sprichst vom „zweiten Tod“ für die, die nicht im Buch des Lebens stehen (Offenbarung. Kap 20).

Was auch immer es letztlich bedeutet, Du lässt es in Deine heiligen Schriften schreiben, die Kirche bezeugt es.

Gott ist Liebe

Und das hat auch erschreckende Konsequenzen!

Weil Er uns zu Seinem Bilde geschaffen hat, können wir nur sein, wenn wir (letztlich) auch Liebe sind, nichts als Liebe.

Und zur Liebe gehört die Freiheit des Liebenden.

Wenn es also keine Möglichkeit gibt am Ende nicht zu Lieben, dann ist es keine Liebe. Wenn also Gott am Ende in dem Fall retten würde, unabhängig von meiner Entscheidung, dann könnte ich nicht frei Lieben.

Die unermessliche Größe der Liebe beinhaltet sozusagen den Kehrwert: Die Nichtung. Wie ich oft gesagt habe: Es gibt keinen neutralen Ort. Wer nicht zu seinem Wesen gelangt, kann nicht bestehen.

Es ist nötig, hierüber verweilend nachzusinnen.

Furcht ist nicht in der Liebe

Mit diesem Argument, besonders aus den Johannesbriefen, hat insbesondere die evangelische Kirche die Hölle für obsolet erklärt.

Und ist es nicht so? Wenn jemand Gott liebt, weil er Furcht vor der Hölle hat, so ist dies keine freie Liebe – und damit eben keine Liebe.

Aber die fehlende Furcht hat auch nicht zur Liebe geführt. In meinen Kursen und auch sonst frage ich die Menschen oft, ob sie den Tod fürchten. Das gibt es zwar – aber selten. Viele fürchten das Sterben – kaum jemand den Tod.

Gott aber leidet darunter, wie gering wir das Leben achten, gerade auch das ewige Leben.

So hat uns die Lehre von der kalten Hölle auch nichts gebracht.

Furcht führt nicht zur Liebe,

aber sie weckt mich auf. Sie führt mir die Ernsthaftigkeit meiner Verantwortung vor Augen.

Es gibt in den Sterbephasen des Menschen unter anderem die Phase, die man „verhandeln“ nennt. Der Sterbende bietet jetzt alles Mögliche an, wenn ihm nur der Tod erspart bleibt. „Ich werde auch nie wieder rauchen“ kann so etwas sein.

Das tut er in der Angst. Die Angst hat ihn geweckt.

Furcht um den Anderen

Die Furcht um den Anderen ist Ausdruck von Liebe. Das war schon Thema in meinen anderen Andachten zu diesem Thema.

Gottesfurcht

Ein häufiger Begriff der Bibel. Ich wage nicht, ihn so oder so zu deuten. Aber ich umkreise ihn ein wenig:

Zumeist wird er im Zusammenhang mit: „ist der Anfang von“ gebraucht. Dazu gehört dann dieses „geistige Aufwachen“.

Gott, in Seiner gewaltigen Konsequenz zwischen den Fugen des Alltages zu erblicken, kann nur erschrecken.

Die Gnade des verbergenden Alltages gibt uns Zeit, uns Gott zu nähern. Wenn Er sich unvermittelt offenbaren würde – niemand könnte das ertragen.

Erkenne ich einen Schimmer von Ihm als Gott – reißt es die Illusion der vermeintlichen Selbstkontrolle weg. Aus dem Nichts von Ihm ins Sein gerufen bin ich nichts von mir aus. Die unfassbare Gnade des Selbst, das Gott mir gab, zittert vor meinem Schöpfer.

Nichts bleibt im Schatten, jede Falte meines Herzens ist offenbar vor Ihm. Niemand kann Leben, wenn ihm das widerfährt.

Aber zugleich kann niemand leben, der nicht von Gott erkannt ist. Ganz von Ihm erkannt ist. Denn ich bin ja nichts anderes als auf Ihn hin geschaffen. Alles nicht auf Ihn bezogene verbrennt.

So hat Jesus, der Christus, mir einen Raum verschaffen, in dem Seine Sühne für alles Dunkle in den Falten meines Herzens suspendiert ist – ja gereinigt werden kann. Nur in Seinem Licht kann mein Herz rein und heil werden. Denn um mich ganz Gott zuzuwenden, muss ich zuerst von Ihm erkannt werden (genau das, was den Tod bringt). Ohne dieses Erkannt-sein weiß ich nicht, was Liebe ist, schon garnicht, was Gottesliebe ist.

Jesus, als Jesus (Menschensohn) erträgt meinen Schmutz.

Und Christus, als Gottessohn, offenbart mir dennoch die Liebe Gottes.

Nur in diesem Zugleich kann ich es wagen, die Furcht UND die Gleichgültigkeit (das Verbergen) zu verlassen und mich Ihm in die Arme zu werfen.

Nicht das pädagogische Wegdiskutieren der Hölle (als Synonym für die schreckliche Nichtung) oder das Drohen mit ihr als Grund an sich löst das Problem. Sondern der schmale Weg ist mittendurch.

Der Ort der Gotteserkenntis mit ihrer Gottesfurcht weckt mich auf. Ich fange an, zu ahnen, worum es geht. Und im Blick der Liebe Jesu auf dem Weg zum Kreuz finde ich den Ort der Liebe, die nicht wegläuft, sondern hinläuft.

In Gott ist kein Raum für Furcht – nur außerhalb. Da hilft es nicht, die Augen zu schließen oder woanders hinzuschauen.

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