Das Konkrete und die Angst

Mo 04.09.2023

Lk 4:16-30 Jesus in der Synagoge Seiner Heimatstadt

Vieles lasse ich beiseite, einiges habe ich in anderen Andachten schon bedacht.

Das Konkrete

Ich erinnere mich sehr an eine Zeit, da ich in einem besonderen Bereich lebte „wie jedermann“. Aber es war nicht im Willen Gottes, und es war etwas, was mein ganzes Leben umfasste.

Nach langem Fragen und Suchen, in dem es viel Konsens gab, sagte jemand zu mir: “Wenn es verstanden ist, dann muss man es auch tun“.

Ich wusste, dass er meinte: DU, JETZT.

Es war ein Abend, und ich hatte noch eine Nacht Zeit. Und die Konkretheit der Angelegenheit machte mir Angst, ja in gewisser Weise Sterbensangst.

Wenn Jesus der ist, von dem Jesaja sprach und von dem seit 800 Jahren nur erzählt wird, dann stellt mich das vor eine alles umwälzende Entscheidung.

Wenn Jesus Gott ist und vor mir steht, dann versetzt mich das in Todesangst. Denn es gibt den Tag, an dem Er alles von mir will – alles.

Angst

Sicher ging es in Nazareth auch um Stolz.

Aber ich sehe auch Angst. Angst vor dem Verlust einer grundlegenden Sicherheit. Die Sicherheit einer jahrhundertelangen Erfahrung. Ich gehöre zum Volk Gottes, und die Thora-Geschichten sind Geschichten.

Wenn dieser Jesus, der Sohn des Josef, der Messias ist, dann muss ich mein Bild von Ihm, dass ich 30 Jahre lang hatte, komplett auf den Kopf stellen.

Die Erschütterung all meiner Erfahrungen und meines Weltbildes ist mit großer Angst verbunden. Angst beschützt mich – und Angst „beengt“ mich.

Angst und Enge sind sprachlich verwandt. Es hängt mit dem Zusammenschnüren der Kehle zusammen – dem Ort des Lebens. Gott beatmete den Menschen, als Er ihn schuf (1 Mo 2:7).

Angst will etwas bewahren, Angst schützt einen Wert.

Wenn ich etwas grundlegend Neues ergreifen will, muss ich etwas Bisheriges loslassen. Das, was ich loslasse, kenne ich, das Neue kenne ich bis jetzt nicht.

Manche Menschen betrachten Glauben ähnlich wie ein Spekulieren. Es könnte wahr sein. Es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass es stimmt.

Lohnt es sich, dafür meine Sicherheit loszulassen?

Wenn es sehr wahrscheinlich ist, oder / und wenn es sehr kostbar ist, sollte ich es wagen.

Wenn das, was ich loslasse, aber auch kostbar ist, wird die Rechnung kompliziert.

Darum halte ich wenig von dieser Rechnung.

Ich sage:

Wenn ich nicht etwas in mir finde, was mir bestätigt, dass dieses Neue mein eigentliches Sein ausmacht, wenn dieses Neue eigentlich nicht neu ist, sondern nur noch keine Erfahrung ist, dann sollte ich es wagen.

Ich will mir selbst treu sein – auch in dem, was ich bisher nicht als Erfahrung kenne.

Wenn mir morgen jemand beweisen würde, dass es keinen Gott gibt, würde ich dann die Dinge bereuen, die ich um Seinetwillen getan habe?

Nein. Denn ein Leben ohne Gott ist es nicht eigentlich wert, überhaupt gelebt zu werden.

Indem ich mich Jesus Christus anvertraue, werde ich mehr ich selbst, als ich es je war. Ich tausche nicht etwas Gutes gegen etwas Besseres, sondern etwas Mangelhaftes, etwas Unvollständiges gegen etwas Vollständiges.

Ich will tun, was Gott sagt, weil es mir entspricht, weil ich es auch in mir vorfinde, weil es wahrer ist als alles andere.

Als Christ zu leben, ist mehr Leben als alles andere Leben.

Darum ist Glaube keine Spekulation.

Ich bin vom Wesen her Sohn.

Als Sohn in der Fremde zu leben, ist eine Minderung meines Seins – keine Entfaltung.

Und als Sohn erwarte ich, dass mein Vater auch eine Person ist. Konkret und berührbar.

Die konkrete Berührung mit meinem Vater ist das Ende meiner Traumbilder – und kann Angst machen. So also bist Du.

Gott aber ist gut.

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