Do 19.10.2023
Lk 11:47-54 Jesu Weh-Rufe über Schriftgelehrte und Pharisäer
Ach, welch ein schmerzhafter Text.
Es ist wichtig, die Ereignisse, die 40 Jahre nach diesen Wehrufen über Jerusalem kamen, genau zu lesen.
Ein Heer von 60.000 Römern führte Krieg gegen eine Stadt, die sich zuvor in Machtkämpfen selbst zerfleischt hatte. Direkt im Tempelbezirk hatte es blutige Kämpfe und Morde gegeben.
Am Tag des Passach-Festes war die Stadt mit ca. 3. Millionen Menschen übervoll.
Im Lauf der Belagerung gab es eine Hungersnot in der Stadt.
„Da stürzten sich die einen freiwillig in die Schwerter der Römer, die andern erschlugen sich gegenseitig, andere brachten sich selbst um, wieder andere sprangen in die Flammen. Und es schien für alle nicht so sehr Verderben, sondern eher Sieg und Heil und Gnade zu bedeuten, mit dem Tempel zusammen unterzugehen.“
(Cassius Dio: Römische Geschichte 65, 6, 3)
1,1 Millionen Menschen starben. Schon damals etwa ein Viertel aller Juden des Römischen Reiches. Die Gesamtzahl der Menschen im Römischen Reich war zu der Zeit etwa 60-70 Mio.
Jesus sieht es
Und Jesus begründet es mit Schuld.
Schuld der geistlichen Eliten.
“Auf daß gefordert werde von diesem Geschlecht aller Propheten Blut, das vergossen ist, seit der Welt Grund gelegt ist.”
(Lukas 11:50, Lut)
Und ich sage: Wenn das am grünen Holz geschieht, was bedeutet es dann für den aufgepfropften Zweig?
Die Bedeutung des Menschen ist so viel größer, als es zunächst scheint.
Ein bisschen Heuchelei hier, ein bisschen Eitelkeit da – ist das denn Grund genug für solch ein Leid?
Am Leid sehe ich die Liebe
Gott trägt und erträgt solches Leid – weil Er die Freiheit des Menschen beschützt.
Denn nur aus der Freiheit kommt eine Liebe, die Gottes würdig ist. Eine gottesbildliche Liebe.
Eine Andacht reicht nicht, das zu bedenken.
Verantwortung
Das Volk erleidet, was die Pharisäer und Schriftgelehrten zu verantworten haben. Das Salz, das nicht salzt, lässt das Fleisch verderben, so dass es unbrauchbar ist.
Ich selbst bin Salz, so sagt es Christus. Ich, als Christ, werde von Gott gefragt, wo meine Brüder sind. Was hast du ihnen angetan, die mich doch nicht kannten? Was haben sie an dir von mir gesehen?
Welche Ehre hast du mir (Gott) gemacht?
Keine Leistung
Es geht nicht um fromme Leistung, es geht um Vertrauen zum Vater.
Der Sohn leistet nicht – er vollzieht, was ihm gegeben ist.
Als Sohn – im Namen des Vaters.
Solange ich mich um mich selbst kümmere, bin ich nicht Sohn. Oft habe ich das bedacht.
Aber dabei geht es viel mehr um die, für die ich Salz bin.
Gottes Gerechtigkeit braucht einen Tropfen Liebe –
und ein Meer wird gesund.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er uns in Bild und Verantwortung Seines Sohnes verwandelt hat.
Israel – wieder für uns
An Israel wird die Lage der Welt erkannt. So ähnlich hat es Pfarrer M. W. gesagt.
Ja.
Und damit sehe ich an dem Brand, an dem Feuer, Leid und Tod meinen „Gesundheitszustand“.
Ich kann (noch) wegschauen, oder mich in Urteilen oder Beschuldigungen ergehen.
Aber es fragt mich an.
Du fragst mich – auch im und am Leid der Menschen in der Region Israel.
In allem geht es um die Herrlichkeit Gottes – und die besteht darin, dass Er mich anschaut und fragt: Vertraust du mir?