Di 05.12.2023
Lk 10:21-24 Jesus preist den Vater für – ja, wofür eigentlich?
Eine Betrachtung zum Handwerk des Jüngers.
“21 Zu der Stunde freute sich Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater und HERR Himmels und der Erde, daß du solches verborgen hast den Weisen und Klugen, und hast es offenbart den Unmündigen. Ja, Vater, also war es wohlgefällig vor dir.”
Die Fischer vom See
Vier der Jünger waren einfache Fischer. Einer war Zöllner. Ob man „Zelot“ als Beruf bezeichnen kann, ist unklar.
Die Berufe der anderen waren offenbar so unwichtig, dass sie nicht genannt werden.
Jesus hat weder Schriftgelehrter noch Pharisäer berufen.
Wie sieht es heute bei uns aus?
In Deutschland ist die allgemeine Schulpflicht bis zum 18. Lebensjahr.
Unausgesprochen fängt für viele Akademiker das richtige Mensch-sein erst mit dem Studium an. Wie oft werde ich gefragt, was meine Kinder studiert haben.
Ich freue mich, dass z. B. der Beruf meiner ältesten Tochter kein akademischer ist – dafür aber zu den Tätigkeiten gehört, die ich für unermesslich bedeutsam halte – sie arbeitet im Hospiz.
Ähnlich wichtig wie Hebamme, gleich danach kommt Bauer, Zimmermann und Ähnliches.
Nassim Talib behauptet, dass der Nutzen der schulischen und akademischen Bildung bei Weitem überschätzt wird.
Ich sehe ein Paradigma, das zu dem gehört, was Jesus beschreibt.
Warum bevorzugt Jesus einfache Leute?
Man sieht nur mit dem Herzen gut, ist ein bekannter Satz (aus dem Buch „Der kleine Prinz“).
Damit ist nicht das allgemeine Gefühl gemeint.
Es ist das Wahrnehmen des eigentlich Wichtigen: des Anderen.
Gestern schrieb ich über das Gewordene (anhand der Ordnung). Das Gewordene kann man wohl als Wirklichkeit bezeichnen.
Das Gewordene ist sehr nahe am Wahren.
Und das Wahre erweist sich daran, dass es wirklich wird.
Die Fischer fischen nicht, weil sie das in einem Studium gelernt haben. Sie orientieren sich an der Wirklichkeit.
Wirklichkeit zeigt sich zumeist am Phänomen und an dem Erfahrenen. Dem Erfahrenen auch der Väter.
Ich sage nicht, dass die Erfahrung das Wichtigste ist – aber sie ist wichtig. Orientierung am Vorhandenen.
Ein Fischer ist ein Handwerker, der nicht produziert, sondern immer nur erntet. Das, was gegeben ist, was vorhanden ist.
Ideales Vor-Verständnis für „Menschenfischer“, so sagt es Jesus.
Das Wort „vorhanden“ zeigt schön die Nähe zur Hand.
Auch Jesus legt den Menschen die Hand auf – sie sind Ihm „vor-handen“.
Vor Seiner Hand.
Die Welt ist nicht etwas Schlechtes oder etwas, das es zu überwinden gilt. Die Welt gilt es „in die Hand“ zu nehmen, oder vor die Hand.
Allerdings in der Weise, dass es Gott ehrt. Den Schöpfer der Welt.
Bebauen und bewahren ist Fürsorge. Von der Verantwortung her.
Ich sprach gestern mit einer Freundin über den Himmel.
Wir sind uns einig, dass wir dort gerne arbeiten wollen. Ja, arbeiten.
Natürlich, denn so sind wir und das ist es, was wir im jetzigen Leben lernen sollen.
Leer sein
Der Unmündige ist auf dem Weg. Es ist nicht der Tor, der nicht verstehen will. Es ist der, der weiß, dass er nicht fertig ist mit wissen.
Der hungert und dürstet nach Gott.
Der den Raum freihält und je erweitert (siehe gestern).
Natürlich bedeuten Jesu Worte mehr, als ich hier notiere, viel mehr. Ich betrachte eine Ecke des Raumes.
Die Welt ist finster, aber nicht für einen Handwerker.
Nicht für einen, dem alles dienen muss, weil er an dem orientiert ist, was er vorfindet.
Was mir heute vor die Hände kommt, will ich tun, als wenn es eine Handwerkerprüfung für den Himmel wäre – denn das ist es.