Sa 09.12.2023
Mt 8:35-10:8 Erbarmen Jesu und Aussendung der 12 Jünger.
Ein vermutlich kontroverser Text zu Stellung der Juden in der Welt.
Jesus sieht die Erschöpften, die Schafe, die ohne Hirten sind. Das Volk jammert Ihn.
Er heilt und predigt – und dann sendet er die 12 Jünger aus.
Gibt es zwei Reiche des Himmels?
Das denken viele, wenn auch nicht so konkret.
Das eine Reich ist für das arme Volk. Die Kranken und Hungernden. Die Besessenen und allen, denen Jesus sich erbarmt.
Ein Reich des Erbarmens.
Dann gibt es das Reich der Apostel, Märthyrer und sonstigen Hervorgehobenen im Reich Gottes. Denen legt Jesus schwere Lasten auf und prüft sich durch Feuer, dass es einen grauen mag.
Die allermeisten Christen leben, so scheint mir, völlig selbstverständlich auf das erste Reich zu. Das Reich des vollkommenen Erbarmens, wie sie meinen.
Wozu mag es das zweite Reich geben?
Haben jene vielleicht die vollkommene Gnade nicht richtig verstanden?
Achtung: Jetzt nicht weiterlesen.
Vorlaufende Gnade
Die Gnade ist etwas Vorlaufendes. Zuerst kommt die Gnade – das habe ich oft gesagt. Am Anfang steht die Gnade und nichts als die Gnade.
So wie die Geburt nichts als Gnade ist.
Ich selbst habe zu meiner Geburt nichts beigetragen.
Aber schon hier heißt es, dass das Evangelium verkündet wird. Das Evangelium ist das der Gottesherrschaft Jesu.
Es ist die Botschaft, dass der Mensch für Gott ist – nicht für sich selbst.
Gott sucht sein Volk heim.
Das Wort Heimsuchung hat im Deutschen eher einen negativen Klang.
Von Plagen heimgesucht, z. B.
Wenn Gott heimsucht, möchte man nicht daheim sein – so sagt es in etwa Jörg Splett.
Einer der besten Freunde Jesu auf Erden war Lazarus.
Jesus hat ihn sterben lassen.
Und Er sagt: Dies geschieht zur Verherrlichung Gottes.
Der Mensch stirbt – mit Leid – sich selbst.
Denn die Welle der „vorlaufenden Gnade“ nennt Jesus: Eine Nähe zum Himmelreich. Es ist nicht das Himmelreich selbst.
Kristallisation
Ein Kristall wächst am Kristall.
Gibt es nichts, an dem es kristallisieren kann, entsteht eine merkwürdige Spannung.
Zuerst ist Jesus Christus.
Dann sind die Jünger – die 12 Apostel.
Dann Israel.
Das „erste“ Reich ist Israel
(„erste“ ist hier neu definiert)
Jesus sagt ausdrücklich: Geht nicht zu den Heiden, nicht einmal zu dem Mischvolk der Samariter.
Geht nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
In Deutschland ist das benutzen des Wortes „Volk“ fast schon ein Straftatbestand.
Völkisch = Nazionalsozialistisch.
Alles Gute beinhaltet die Potenz zu Bösem.
Hitler wollte das Volk Israel durch das Volk der Deutschen ersetzen. Die Herrenrasse, wie er meinte.
Gott aber spricht von einem Heiligen Volk (nicht von einem Herrenvolk).
Einem Gott ergebenem Volk, Eigentum des Höchsten.
Zum „ersten“ Reich zu gehören, ist nicht bequem.
Es gefällt uns nicht, dass all die Prüfungen des Volkes Israels nicht wegen seiner besonderen Sündhaftigkeit, sondern wegen seiner besonderen, heiligen Stellung geschehen sind – und geschehen.
Der Erste ist auch Vorbild in der Glut der Läuterung Gottes.
Meine Worte werden nicht gefallen, ich ahne es.
Jesus sagt ohne Umschweife:
„Das Heil kommt aus den Juden“.
Er sagt an der Stelle nicht: Das Heil kommt von mir.
Wie kann das passen?
Weil der Unterschied kleiner ist, als man denkt.
Jesus ist Jude und Er und Sein Volk sind Quelle des Heils.
Er auf dem Thron Davids, des Königs der Juden.
So sage ich nicht mehr:
Ich stehe mit Israel. (Stand with Israel).
Denn ich stehe unter Israel.
Mein Heil hängt am Heil Israels.
Das wußte auch Hitler schon (und Stalin und die Hamas weiß es auch).
Die Liebe und der Wohlgeruch, den ich hier, jetzt gerade, in der Nähe der göttlichen Trinität erlebe, ist so viel mehr als alles.
Ich brauche nicht die Ehre, so wichtig zu sein wie die Juden.
Bin ich nicht.
Was ich aber bin, ist so köstlich, herrlich und gut – es mangelt mir an nichts, ich habe Überschuss über die Maßen.