Mi 24.04.2024
Joh 12:44-50; Jesu Worte sind Worte des Vaters.
Zumeist sind Worte zwischen Menschen eine Erweiterung der Perspektive.
Ich beschreibe einen Eindruck, eine Sicht, eine Erfahrung auf etwas Gesehenes, Erlebtes.
Oder ich benenne ein Bedürfnis, erinnere an etwas und füge etwas hinzu, oder übertrage es von A nach B. Es geht um das Erkennen von Erkennbarem und Zugehörigem.
Jedenfalls geht es um etwas Vorhandenes, auch wenn es eine neue Variation sein mag.
Anders die Worte Jesu.
Sie stiften etwas, was es zuvor nicht gegeben hat.
Etwas, was kein Auge je gesehen und kein Ohr je gehört hat.
Auch wenn dies zum Teil anhand von Vorhandenem geschieht, ist das Wesen das hören auf den Vater, der Schöpfergott ist.
Durch Jesus kommt vorher nicht Vorhandenes in die Welt.
Aus Jesus kommt eine neue Quelle in die Welt, etwas ohne Jesus nicht nur undenkbares – sondern sogar falsches.
Und auf etwas aufzubauen, was nicht vorhanden ist, wäre falsch.
Um auf das Neue zu bauen, was durch Jesus kommt, muss ich also deutlich genug erkennen, was es ist. Dann muss ich etwas in mir finden, was dazu passt, was angelegt war, aber vor dem nicht gültig war.
Das Wort von Kreuz
Vor diesem Abschnitt hat Jesus zu den Ältesten von Kreuz gesprochen.
Wenn Jesus es nicht in die Welt gebracht hätte, wäre es falsch, sich einen Gott vorzustellen, der sich von einer Frau gebären lässt und von Menschen auspeitschen und töten lässt.
Niemals wäre es zulässig, solches von einem Gott zu denken.
Denn Gott ist souverän und niemand gibt Ihm seine Gedanken, das Er sie annähme und vollziehe.
Wenn ich von mir ausgehe, kann ich diesen Gott nicht finden. Sondern immer nur eine Projektion von mir.
Mache dir kein Bild, damit ich Mein Bild – Jesus Christus – in dich hinein stiften kann.
Es heißt nicht: Schaue nicht auf Christus als Bild Gottes.
Sondern: Mache dir kein eigenes Bild, wer Gott sei.
Gott offenbart sich selbst über alle möglichen Vorstellungen hinaus.
Die Torheit vom Kreuz
Das Kreuz ist eine Torheit – solange Gott es nicht stiftet.
Suizidal zu sein, ist gegen das Leben. Gegen Gott.
Sich selbst aufzugeben, wie es im Buddhismus vorkommt, ist kein Weg in den Himmel.
Wenn es nicht wahr wäre, was Jesus in die Welt gebracht hätte, wäre es wahrhaft töricht, Christ zu sein.
Von dieser Art des Christ-seins ist die Rede.
Was von meinem Glauben ist nicht auch ohne die Worte Jesu ganz gut für mich?
Zweige ich etwas ab von der Weisheit des Christentums für mein doch je eigenes Leben?
Man kann an Gott in einer Weise glauben, die eine eigene Glaubenskraft ist.
Die als Autosuggestion wirksam und gültig ist.
Z. B. dass Gott mich liebt.
Und ich kann für meine Autosuggestion auch Opfer bringen.
Warum nicht – ich habe ja auch etwas davon.
Vertraue ich auf meinen „Glauben“?
Oder vertraue ich auf Gott?
Das ist ganz und gar nicht dasselbe!
Von woanders her
Worte, die ungewusst sind – oder doch resonieren.
Ungedachte Worte.
Zugleich fremd, kalt – und doch Wärme stiftend, Vertrauen.
Beunruhigend und ungeheuerlich.
Und doch ein inneres, ungekanntes Wissen ansprechend.
Worte, die alles beanspruchen, ja mehr als alles Vorhandene.
Die ein Aufwachen aus einem Traum sind.
Lebendiger und wacher als ich es je kannte.
Die es wert sind, alles zu lassen, was nicht als Quelle diese Neue hat.
Dieses „von woanders her“.
Nicht von dieser Welt – aber ganz für diese Welt.