Was ist mein Auftrag?

Do 25.04.2024 Hl. Markus

Mk 16:15-20 Missionsbefehl

Jesus erteilt den elf den Missionsbefehl.

Elf. Elf erscheint mir als Symbol. Es ist die „verletzte“ Zwölf.

Als ich junger Christ war, ging es zumeist um dieses Thema. Mission, Evangelisation. Der Befehl an jeden Christen.

In diesem Zusammenhang gab es dann die ersten Reibungen zwischen der Gemeindeleitung und mir, die am Ende zum Gemeindeausschluss führten.

Ein wichtiger Unterschied war, dass ich weiter hören wollte, ob es auch anderes gibt.

Wirksamkeit

Damit eine junge, freie Gemeinde besteht, braucht sie Evangelisation. Es ist der akzeptable Grund ihrer Existenz.

Ansonsten entstehen Gemeinden aufgrund von Abspaltungen und „Schafe stehlen“, also einem Wettbewerb um schon getaufte Christen.

Ich selbst habe mein Erlebnis der Bekehrung in so einer Evangelisation erlebt (in einer Zeltmission).

Evangelisation ist ein Erleben von Wirksamkeit. Für den Einzelnen und für eine Gemeinde. Ein berauschendes Erleben. Nicht nur wegen der äußeren Folgen, auch weil sie den eigenen Glauben bestätigt und ein Bewusstsein von einer Art höheren Niveau schenkt.

Werde Christ, so wie ich, und es steht besser, viel besser um dich.

Unterbewusst auch: Werde wie ich, denn ich bin gut, und bestätigt mein gut sein, mein richtig sein, indem du auch so wirst.

Elf Jünger

Dort steht nicht, dass der Missionsauftrag ein Befehl ist.

Man kann es auch als Erlaubnis hören.

Denn erst jetzt erlaubt Jesus den Jüngern das, was Er selbst bisher tat.

Ja, Er überläßt es ihnen.

Das trifft auf eine kleine, verwundete Herde.

Sehr klein.

Waren es nicht hunderte, ja tausende, die Jesu Wunder, Heilungen und Speisungen erlebt hatten?

Und waren sie selbst nicht eigentlich zwölf!

War Jesu Hinterlassenschaft nicht irgendwie kläglich?

Es ist, als wenn von einem großen Heer ein kleiner Haufen verwunderter Kämpfer übrig geblieben ist.

Ein Haufen, dem Jesus nach Seiner Auferstehung nur spärlich begegnet ist.

Und von denen Er sich mit ein paar dürren Worten verabschiedet und zum Vater verschwindet.

Und nun diese Zumutung.

Heute

Aus diesen verletzen Jüngern, aus deren Mitte Unglaube und Verrat kam, ist eine große Kirche entstanden.

Die nicht besser ist.

Voller Verletzung, voller Unglaube und Verrat.

Und ich, ganz am Rande selbst dieser schwachen Kirche, kaum wirksam und in vielen Punkten einsam.

Hätte ich doch solche einen klaren Auftrag – aber ich sehe ihn nicht.

Ich sehe, wie schnell das Bedürfnis nach Wirksamkeit ein Thema ergreift und mit diesem blind losläuft.

Sei es heute Modernität oder Tradition, sei es Kultus oder Moral.

Etwas zu wollen ist gut. Mit ganzer Kraft und jeder Faser des Herzens.

Aber eben nicht das Eigene. Sondern Dich und das Deine.

Was kann ich also wollen? Was soll ich wollen?

Ich will meinen Hunger nach Dir rein halten!

Nachtrag

Soeben zeigt mir meine Frau eine Pflanze auf dem Flur.

Die Blätter sind lang und brechen um, sodass offene „Wunden“ entstehen.

Wir überlegen, wie das zu verhindern ist.
Vielleicht kürzen?

Nein.

Diese Pflanze steht dafür, das der Saft aus diesen Bruchstellen ein Heilmittel für Verletzungen ist. Für kleine Wunden oder Schnittverletzungen der Haut.

Es ist, als wenn es so sein muss. Das Wesen dieser Pflanze entfaltet sich aus ihrem verletzt sein.

„In Deinen Wunden sind wir geheilt“.

Du ehrst die Jünger, indem Du sie in ihrem Verletzt sein, zum Heil der Völker machst.

Du gibst Ihnen Anteil an Deinem Wesen.

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