Gegen den Strom

So 28.04.2024

Joh 15:1-8 Jesus ist der Weinstock

Wenn Jesus der Weinstock ist, und du und ich eine Rebe, dann geht es um Beziehung – nicht um Regeln. Regeln sind praktisch – aber wie ist die Praxis, in Beziehung zu kommen?

Was soll ich nun tun?

Die Aussagen mancher, es ginge um Glauben und Liebe, sind für mich zu abstrakt. Wie soll ich es leben?

Der leibliche Jesus ist auch der praktische Jesus.

Es geht um jeden Tag neue Ansprache, um das, was jetzt Beziehung ausmacht.

Martin Buber unterschiedet die Ich-Es Beziehung von der Ich-Du Beziehung. Ein Merkmal der Ich-Du Beziehung ist die Unverfügbarkeit des Du.

Wenn mir immer der ganz andere Jesus begegnet – woran erkenne ich Ihn dann.

Gibt es Merkmale, dass Du es bist, der mit mir redet?

Keine Sprünge

Deine Leiblichkeit, also auch Deine leibliche Beziehung zu mir macht keine Sprünge.

Zwar gibt es Wendungen und Umkehr – sie findet aber immer an dem Ort statt, an dem ich stehe. Der Weg bis hierhin ist erkennbar. Und Dein Handeln an mir nimmt Bezug auf gewesenes – auf mich als geschichtliches Wesen.

Beziehung vor Werk

Was Du gesagt hast, bleibt gültig, auch wenn es manchmal in ganz anderem Licht erscheint.

Die Rebe hängt am Weinstock. Sie hat eine Beziehung. Ja, das bezogen sein ist ihr wesentliches Merkmal.

Selbstbezogenheit ist offenbar das Gegenteil.

Jedes Werk hat sein Wesen im Vollzug selbst, also in dem, wie es mit Dir verbunden ist.

Das Ergebnis ist nicht vorhersehbar. Aber dass es mehr Nähe ausdrückt, ist das wesentliche Kriterium.

Vor einem Werk kann ich prüfen, wem es dient.

Allein schon einem „Was“ zu dienen passt nicht.

Nicht: was will ich tun, sondern: in Bezug auf wen will ich es tun.

Das Blut Jesu fließt bergan

Alles, was mir dient, fließt bergab.

Vor allem die Lust oder Unlust.

Ein Merkmal Deiner Stimme ist, dass sie zu etwas ruft, dass ein Schritt mehr in Deine Richtung geht, ein Schritt mehr bergan.

Das Leben eines Juden dreht sich immer um die „עֲלִיָּה“ (Aliyah), den Aufstieg.

Hinauf nach Jerusalem.

Es begegnet mir

Ich beobachte, dass vielleicht alle wertvollen Dinge aus der Annahme kommen.

Du hältst mir etwas hin und schaust mich an.

So wie Du Adam die Tiere hingehalten hast um zu sehen, wie er sie nennen würde.

Zwar nehme ich mir etwas vor, habe einen Plan.

Dieser Plan als mein Plan kann aber keine Frucht bringen.

Es braucht den Anderen. Die Begegnung. Deine Begegnung.

Das Einlassen und Annehmen dessen was ich nicht geplant habe.

Es tut weh

Jede Frucht, die gut ist, wird vom Vater gereinigt.

Reinigen ist abschneiden des Ungeeigneten.

Ein sanftes, leichte Leben ist kein Merkmal eines Aufstieges.

Damit das Neue werden kann, wird das Alte abgeschnitten.

Es gibt eine Pause, eine Lücke, zwischen dem Wegnehmen des Alten und dem Empfangen des Neuen. Die Pause, in der der Vater auf meinen Glauben schaut – genauer: auf meine Liebe.

Hängt sie am Alten?

Wenn ja, wird sie auch am Neuen hängen.

Sie soll aber am Geber hängen – nicht an der Gabe.

Wie lange darf die Nacht dunkel sein?

Wachstum ist erst im Ergebnis erkennbar

Im Prozess der Verwandlung zum Sohn Gottes ist vor allem im Blick, wie weit ich davon noch entfernt bin. Die aktuelle Handlung offenbart zumeist den Mangel, die immer noch vorhandene Selbstsucht.

Es gilt, nicht zu verzweifeln.

Schaue ich auf eine Blüte und sehe ihr verwelken, kann ich die Frucht kaum erahnen. Und auch später reift sie so, dass ich das Reifen selbst nicht beobachten kann.

Ein anderer, der sie lange nicht gesehen hat, erkennt vielleicht die Entwicklung.

Der Vater reinigt, ich vertraue auf ihn.

(Für manch anderes ist jetzt kein Raum mehr)

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