Erbe und Wahl

Mo 29.04.2024 💐 47 Jahre; Hl. Katherina von Siena

Mt 11:25-30 Jesus spricht von Weisen und Klugen – und Unmündigen

Erbe und Wahl

Israel ist und bleibt das erwählte Volk Gottes – um der ersten Liebe willen.

Ich denke an Abraham und Isaak auf Moria – und Gottes Antwort.

Zu Jesu Zeit war die Epoche der Pharisäer, nach dem Ende des Tempels die der Rabbiner. Der klugen und gebildeten Gottesmänner.

Man könnte meinen, Jesus emanzipiert die Gottesbeziehung nun von solchen „Klugen und Weisen“.

Ist es so?

Jesus aber war Jude. Und nicht umsonst war Er ganz Jude. Auch Matthäus stellt den Stammbaum Jesu an den Anfang des Evangeliums.

Jüdisches Denken ist kein griechisches Denken.

Meine schnellen Gedanken sind meist griechisch. Es geht um leiblose Wahrheiten.

Also: Jesus verwirft die Schriftgelehrten.

Aber Jesus ist Jude und redet jüdisch.

In diesem Denken ist der Mensch auch historisch, zeitgebunden.

Die Verwerfung in einer Zeit ist nicht absolut, nicht geistig zu verstehen.

Jesus ist frei

Die Liebe Gottes zu den Menschen ist eine freie Liebe.

Gott wählt, wen Er will.

Jesus wählt, wen Er will.

Es steht hier genau so: „…wem sich der Sohn offenbaren will“.

Sich offenbare tut Er auch denen, die nicht gebildet sind.

Z. B. Katherina von Siena. Das 23. Kind eines Wollfärbers. Sie hatte keine Schulbildung – schon garnicht war sie Akademikerin.

Und dennoch hatte sie entscheidenden Einfluss auf die Gesellschaft – damals und auch heute. Sie ist nicht umsonst Mitpatronin Europas.

Aber auch Edith Stein, eine Jüdin, hat diese Stellung. Als hervorragende Wissenschaftlerin (Phänomenologin, Philosophin, Pädagogin). Und die dritte Patronin, Brigitta von Schweden, war aus adligem Haus.

Jesus ist frei zu wählen, wen Er will.

Meine Studien des Judentums sind geprägt vom Thema Erwählung Israels. Und die Spannung zu uns Heidenchristen ist mit Händen zu greifen.

Hier offenbart Jesus diese Verbindung der Erwählung von den Vätern her (nämlich in Seiner Person als Jude) und der freien Wahl derer aus den Heiden, die Er wählt.

Ist der Erwählte nur Objekt?

Schnell kommt ein eindimensionaler Gedanke auf. Wenn Jesus mich wählt – oder eben nicht wählt, was habe ich dann noch damit zu tun?

Ich suche Jesus – Er aber lässt sich finden.

Er sucht mich – ich aber nehme Ihn an.

In jedem Fall sind zwei beteiligt – ganz und gar verantwortlich.

Zwei Ausdrucksweisen der Liebe

Mir scheint folgendes Bild für diese beiden Wege (Israel und wir Heiden) hilfreich:


Ich liebe meine Kinder.

Ich habe sie nicht gewählt – aber meine Liebe wird niemals aufhören, egal, was sie tun und wie unabhängig ihr Leben von mir ist.

Und ich liebe meine Frau.

Ich habe sie gewählt und die Liebe fällt mir dennoch nicht zu, sondern sie ist eine „köstliche Mühe“. Oft auch zuerst Mühe – und dann köstlich.

Für ein Familienmitglied ist es oft so, dass die Verbundenheit zuerst da ist – ohne Zustimmung.

Dann aber, um sie ganz zu leben, gibt es doch auch die Freiheit der Zustimmung.

Etwas, was manch einer nicht im Blick hat.

Und in der Ehe ist etwas Ähnliches.

Die hormonelle Liebe ist ein Geschenk – auf Zeit.

Die eigentliche Liebe braucht die Zustimmung zu diesem Menschen als der, der insgesamt ist. Auch und gerade in dem fremden, vielleicht befremdlichem.

Sie ist nur! im Widerstand zu empfangen.

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