Fr 03.05.2024 Fest des Hl. Philippus und Jakobus.
Joh 14:6-14 Wer mich sieht, der sieht den Vater
Aber der das sagt, hat vielleicht Pickel. Oder sonstige körperliche Mängel.
Er hat eine bestimmte Augenfarbe und sein Dialekt ist galiläisch.
Wie kann ich Gott sehen, wenn ich Ihn anschaue?
So fragt auch Philippus.
Nicht umsonst stellen manche Jesus heute als Schwarzen dar – das ist doch das mindeste an Gerechtigkeit – oder?
Die Konkretheit der Person Jesus ist ein Skandal.
Und die Kirche hat sehr darum gerungen, wie das zusammengeht. Mensch und Gott. Mangel und Vollkommenheit.
Auch hier hilft mir ein Bild (eine Wirklichkeit), die ich bei Michael Wyschogrod lese:
Der Leib, der Körper ist uns im Wesentlichen verborgen, dunkel. Ich weiß nicht, was da alles passiert. Ich kenne die Kämpfe meines Körpers gegen Viren und Bakterien nicht und verstehe nicht, wie meine Verdauung funktioniert.
Aber mein Körper ist es, der mein Bewusstsein trägt.
Ich rede mit Gott und mein Herz pocht ob einer Ahnung von Größe.
Mein Herz – auch wirklich mein körperliches Herz.
Der Körper ist es selbst.
Er ist nicht Träger der Seele – er ist Leib.
Dieses schöne deutsche Wort meint genau das: Untrennbar und doch nicht vermischt, Körper und Seele.
Es ist Unsinn, dass die Seele im Tod den Körper verläßt und wunderbar bei Gott lebt. In einem Roman von Martin Mosebach wird es wunderbar beschrieben.
Was soll denn die Seele in einem Nicht-Raum (denn Raum ist Welt) und ohne Augen und Ohren, ohne Nase und Haut?
Es ist das verzweifelte griechische Denken, dass nichts besseres wusste.
(Ich füge einen Ausschnitt des Romanes an).
Dass Gott die Seele liebt, kann ich mir gerade noch vorstellen. Aber den Leib??
Aber ohne meinen Leib habe ich auch kein Bewusstsein und bin nicht existent.
Dass selbst Gott sich so unfassbar erniedrigt und zum Leib wird, ist ohnehin unvorstellbar.
Jesus ist Gott. Schon Jesus – nicht erst der Christus nach der Himmelfahrt neben dem Vater.
Gott hilft uns und provoziert.
Viele fragen, woher der Hass auf Israel kommt.
Es ist dieselbe Art von Zorn wie der Zorn derer, die geschrieen haben „Kreuzige Ihn, kreuzige Ihn“. Und: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“.
Die Leiblichkeit Gottes ist kaum erträglich.
Und ja, in Israel ist sie wieder ganz präsent.
Gott ist leiblich in Israel anwesend.
Wer Israel schlägt, schlägt Gott.
Und dass haben die Menschen auch bei Jesus getan.
Ich sage nicht, Israel ist Gott, so wie Jesus. Aber es ist sehr nahe verwandt.
Jesus ist ganz Gott und außer Jesus ist kein Gott.
Das denke ich von Israel nicht.
Aber das, was ich an Israel tue, das tue ich an Gott.
Was all das bedeutet, will ich mir noch genauer zeigen lassen.
Gott hilft uns nicht immer, indem Er es uns leicht macht, sondern indem Er es klar macht.
Das physische Israel ist mit Gott mehr verbunden als alles andere.
Gott ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – nichts anderes.
Und wir können keine Juden werden!
Ich werde niemals die Ehre und Würde eines Juden erlangen. Punkt.
Ich bin froh, dass ich diese Würde den Juden lassen kann – ich spüre keine Eifersucht.
Aber ich kann tun, was Sacharja gesagt hat:
Sacharja 8:23 (Elberfelder Bibel)
„So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen wird es geschehen, dass zehn Männer aus allen Sprachen der Nationen ergriffen werden; ja, sie werden den Zipfel eines jüdischen Mannes ergreifen und sprechen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.“
Ich hoffe sehr, dass meine Kirche ihre Eitelkeit ablegt und Buße tut.
Damit es kein Missverständnis gibt: Israel wird den erkennen, den es durchbohrt hat – Seinen und meinen Messias.
Dass dies noch (kaum) geschehen ist, ändert nichts an dem, was Sacharja sagt.
Die Welt wacht gerade auf und nimmt die Provokation Gottes in Israel wahr.
Gott ist geduldig – wenn auch nicht endlos.
—
Martin Mosebach im Roman
Taube und Wildente
»Seneca schildert Martia, die nach dem Tod ihres Sohnes untröstich ist, das herrliche Schicksal der Toten nach der Befreiung der Seele vom Körper. Der Körper sei für den Weisen nur ein Hindernis, sei in seiner Anfälligkeit für Schmerzen, Krankheiten und Alter und wegen seiner Neigung zu Gefräßigkeit und Wollust nur ein Ballast für den Geist. Nach dem Tod aber könne die Seele frei umherschweifen, ohne das an ihr hängende Gewicht aus Fett, Muskeln und Adern – ›in das ewige All, in freie und weite Räume sind sie gesandt, durch kein Wasser, keine Berge, keine Schluchten, keine Sümpfe gehindert, zwischen den Gestirnen dahinschweifend!‹ In meiner Ehrfurcht vor den antiken Autoren wollte ich immer glauben, sie seien unseren Einsichten überlegen, uns zumindest gleich, unüber-holbar in jedem Fall. Und das hat mir vor meiner Dante-Lektüre den Blick dafür versperrt, wie grauenhaft dieser Trost des großen Stoikers doch eigentlich ist. Die Seele ein Gespenst, das sich wirr im All bewegt wie die Mikroorganismen in einem Wassertropfen? ›Zwischen den Gestirnen‹ – wie erhaben das klingt, aber was das bedeutet, wissen wir leider inzwischen besser: Die Gestirne sind Wüsten. So weit wir auch zu ihnen reisen, überall finden wir dasselbe Elend aus erloschenen Kratern, staubigen Weiten, bröckeligem Gestein. Keine Sahara auf Erden ist von ähnlicher Trost losigkeit, denn dort gibt es überall noch Spuren von Leben, kleine Nagetiere, in unterirdischen Bauten, seltene Insekten, Schlangen mit schillernden Häuten und giftigen Zähnen, Gazellen von großer Schönheit, Wunder an Geschwindigkeit, jedes dieser Wesen ein Kunstwerk der Natur.« Dachte er an Illouz, den Gazellenjäger?
»Aber auf den erbärmlichen Gestirnen, auf denen sich Senecas Seelen tummeln sollen, nichts dergleichen, und das ist das Schicksal, welches er den besonders auserwählten
Seelen zugedacht hat. Es ist im Grunde eine Höllenvision -
die Unsterblichkeit der Seele, für ihn offenbar eine Selbstverständlichkeit, ist unter diesen von ihm beschriebenen Umständen von unüberbietbarer Grausamkeit. Was stellt er sich unter den Gestirnen vor? Malt er sich Traumpara-diese, Zauberländer von überirdischer Schönheit aus? Seine Gestirne sind bloße Behauptungen, als müßte man nicht weiter auf sie eingehen, im Grunde noch etwas blasser als unsere Sterne, bloßer Wortklang, um sich am Universum zu berauschen. Ich denke an Schlesingers Postkartengrüße mit seinem vervielfältigten Schwärmen von der ›unendlichen Weite des Meeres‹. Jedes Meer wird aber durch seine Küsten definiert, es ist ein indisches oder persisches Meer, ein unendliches Meer ist ein Nichts. Das Pascalsche Schaudern vor dem ewigen Schweigen der unendlichen Räume hat mit Senecas Rhetorik Schluß gemacht, diese Jenseits-vision war einfach nicht genügend durchdacht. Was davon brauchbar war, hat Dante in den vierten Canto gerettet, in den Castello nobile, wo die vornehmen Heiden, die niemals Gott schauen werden, sich in edler Melancholie, in schmerz- und freudloser Würde aufhalten dürfen – ob er
sich da wohl das Castel del Monte des staufischen Friedrich vorgestellt hat? Und Seelen ohne Körper, will ich das eigentlich? Kann ich mir meine Seele getrennt von meinem Körper überhaupt vorstellen: Ich habe ohnehin keine klare Vorstellung von ihr. Ich weiß nur, daß ich ein Mann bin.
Wäre ich in einem künftigen Zustand nicht mehr Mann, wäre ich nicht mehr ich, sondern jemand anderes, dessen Schicksal mich nicht zu interessieren braucht.«