Das Deine und das meine

Di 21.05.2024

Mk 9:30-37 Jesus spricht über das Seine, aber die Jünger denken an das ihre.

Jesu spricht, getrennt von den Menschen, über Seinen Weg in die Auslieferung, Leid und Tod. Und über die Auferstehung. Dinge, die noch mehr bedeuten als vorstellbar ist.

Die Jünger verstehen es nicht und denken an das ihre. Die eigene Rolle und die eigene Ehre.

Vielleicht ist dieses Denken an das Eigene der Grund, warum sie nicht verstehen. Ihr Ohr ist nicht „leer“.

Am Sonntag hielt Andreas Tim eine wichtige Predigt.

Bei meinen Gesprächen danach schien es mir bei niemandem ein Thema zu sein, was er gesagt hat. Jeder war mehr oder weniger mit seinen eigenen Themen erfüllt.

Wir hören Dich nicht, wir hören nur uns.

Auch ich erlebe oft, dass Menschen das nicht hören, was nichts mit ihren unmittelbaren Interessen zu tun hat.

Nach dem Motto: Keiner interessiert sich für das Meine, also benötige ich alle Zeit und Aufmerksamkeit, damit wenigstens einer es tut: ich.

Wie reagiert Jesus?

Was Er tun wird, wovon Er redet, ist für die Jünger. Es ist für sie zusammen und für die ganze Welt. Er hat allen Grund zu sagen: Wenn es euch nicht interessiert, dann bleibt doch in dem Euren.

Oder Er hätte ärgerlich sagen können: Hört mir endlich zu und nehmt ernst was ich euch sage.

Beides hat Er nicht getan.

Sondern:

Er hat das getan, was er predigt, Er hat ihnen zugehört, sich für sie interessiert.

„Was habt ihr auf dem Weg besprochen?“

Was geschieht?

Es kommt Licht in den Raum.

Schon direkt bei der Frage. Denn sie schweigen. Sie schweigen, weil das Licht Jesu sich zu ihrem eigenen Gewissen hinzugesellt. Sie wissen es schon im Inneren, sonst hätten sie nicht betroffen geschwiegen.

Jetzt, erst jetzt, ist ein Raum in ihrem Ohr.

Und nun illustriert Jesus auf menschlich verständliche Weise das, was dem natürlichen Menschen fremd ist.

Anhand eines Kindes.

Auch hier erinnert Jesus an das, was schon in den Jüngern ist.

Das Erbarmen eines Mannes für ein Kind.

Das unbedingte Wohlwollen und der Impuls, das Kind zu schützen. Ich spüre bei einem Kind in Not, das ich an diesem Kind die Welt beschütze. Ein Kind zu bergen ist, als wenn ich alles bergen würde.

Und nun: Ja, alles und mehr, Jesus selbst und damit den Vater, den Schöpfer von allem.

Verschwindet nicht alle Eitelkeit und aller Ehrgeiz in solch einem Akt?

Kenne ich nicht dies auch in mir: Was soll mir der Plunder der Ehre, wenn ich derweil ein Kind retten kann?

Licht für den Keimling

Der Keimling ist da. In alle Menschen eingesät. Immer schon wesenhaft in der Gottesschöpfung Mensch.

Nun aber: Das Licht Jesu leuchtet auf dieses kleine, vielleicht verkümmerte Pflänzchen. Und die Bürde des vermeintlichen Überlebenskampfes wird mir abgenommen.

Kain erschlug Abel ob seines besseren Platzes an der Tafel Gottes.

Nicht aus Bosheit allein – auch aus der Sehnsucht zu leben.

Leben im Sinne, wer zu sein vor Gott.

Unklug, aber doch aus dieser Sehnsucht heraus.

Das Blut Abels schreit zu Gott. Aber nicht wiederum nach Rache, sondern es schreit die Not des Menschen heraus.

Weil wir selbst sein wollen wie Gott, rauben wir die Frucht und erschlagen unseren Bruder.

Aber eigentlich doch, um vor Dir wer zu sein. So wie die Jünger.

Du aber sagst: Du bist dann vor mir wertvoll, wenn du bist wie ich. Wenn du die kleine Pflanze Liebe zum Bruder anschaust und dir selbst stirbst, wie Jesus es tat.

Ich, Gott, werde dich ehren – das kannst du nicht selbst tun.

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