Die Boten

Mo 03.06.2024

Mk 12:1-12 Von dem Weinberg und seinen Pächtern

Eine Geschichte, die nicht zu einem philosophischen Gottesbild passt, gar nicht.

Hat Gott den Weinberg den falschen Personen gegeben?

Warum redet Jesus hier noch mit den Oberen – sind sie nicht verworfen?

Warum erzählt Markus es uns Lesern? Oder genauer: Warum wird uns das für unserer Zeit berichtet?

Wer ist Weinberg, wer ist Pächter?

Und ist der Weinberg selbst, also das einfache Volk in Israel, so ganz unschuldig?

Klar ist: Markus schreibt mir und uns nicht, damit wir von oben auf die bösen Oberen Israels herabschauen.

Eine Methode einen Boten zu schlagen, ist es, seine Botschaft zu verachten – indem man sie auf jemand anderen bezieht.

Wer sagt: „Die Juden“, der ist solch einer, der den Boten schlägt.

Leiterschaft

Leiterschaft ist Verantwortung. Im Reich Gottes geht es ums Ganze. Das wissen die Pächter in dem Gleichnis. Darum schlagen sie den Erben tot.

Und so ist auch ihr Schicksal, dass der Herr sie töten wird.

Welcher Gemeindeleiter denkt, er würde dem Gericht des Herrn entgehen?

Die Schafe vielleicht – aber nicht die Leiter.

Wie gehe ich mit Leiterschaft um?

Wäre mein Herz zu einer Leitung fähig?

Leitung multipliziert die Unreinheit des eigenen Herzens. Es vergrößert die Versuchung. Könnte ich mit Macht umgehen? Mit Menschen, die ihre Schwächen zu den meinen hinzufügen?

Wenn also das Licht die Schatten meines Herzens sichtbar machen würde, dann sind diese Schatten auch jetzt da. Und jetzt, mit geringerer Verantwortung, ist es leichter, diese Schatten in Dein Licht zu bringen.

Noch ist das Licht milder als das gleißende Licht auf einem Leiter.

Die Jedermann-Leiterschaft

Und bin ich nicht auch in Verantwortung?

Zuerst und zumeist in der Ehe?!

Aber auch mit dem, über dem ich sonst Macht habe.

Z. B. mein Leib.

Nicht als Instrument der Eitelkeit – sondern der Verantwortung.

Meine Arbeit, meine Ordnung, meine Zeit, mein Besitz, meine Gaben.

In allen Bereichen bin ich ein schlechter Herr.

Meine Verwaltung des Meinen ist eine Verwaltung zum Lernen von Verantwortung.

Du schaust, wie ich mit diesem „Kleinen“ umgehe.

Der Himmel ist nicht zumeist der Ort von „Geretteten“, sondern von solchen, die Verantwortung gelernt haben. Denn ich bin ZU etwas gerettet.

Nicht zu irgendeinem Leben – sondern zum Leben als Verantwortlicher.

Die Boten

Wer will Bote sein?

Warum sollte jemand Bote sein wollen?

Der Bote hat nichts Eigenes, sondern bringt des Vaters Forderung. Ja, Forderung.

An Leiter werden Forderungen gestellt.

Ich kann als Bote nicht erwarten, dass der so „angeforderte“ mich freudig empfängt.

Mich erwartet im günstigsten Fall Ablehnung. In diesem Gleichnis sind es sogar immer Prügel.

Und in vielen Fällen auch der Tod. Das heißt bei uns wohl: der soziale Tod.

„Wer will unser Bote sein? Wen soll ich senden?“

Jesaja lässt sich rufen – und erlebt genau dies, was hier beschrieben wird.

Ein Bote ist kein Leiter.

Darum ist die Versuchung zur Selbstsucht für den Boten vielleicht geringer.

Dafür ist die äußere Last sehr groß.

Wer will denn solch ein Bote sein?

Doch nur der, der ganz zum Vater gehört. Dem der Schmerz des Vaters sein eigener Schmerz ist. Dem auch der Schmerz des Vaters an den zu erwartenden Konsequenzen für die Verwalter in Unruhe versetzt.

Ich will Bote sein wollen

Also: Ich will mich auf den Weg machen, den Vater so zu lieben, dass mir der Preis egal wird.

Dazu gehört sehr, die Furcht vor Ablehnung nicht auf mich allein zu beziehen. Je näher ich Dir bin, Vater, desto mehr kann ich Ablehnung im Joch Deines Sohnes tragen.

Sich bereiten zu lassen ist noch nicht gesandt zu sein.

Werden meine Schatten je einen Botendienst zulassen?

Mir scheint, dass ich dies im Dienst selbst lerne – (oder Vater?).

Und so will ich diese Texte mit Eifer in diesem Sinne notieren.

Der Engel des Herren reinige mein Herz und meine Lippen.

Hinterlasse einen Kommentar