Di 04.06.2024
Mk 12:13-17 Jesus und die Münze des Kaisers
Ich bin froh, dass ich die Bibeltexte nicht auswähle. Diesen Text hätte ich gern vermieden – nun aber steht er da.
Also betrachte ich ihn und halte mich sonst zurück.
Die übliche Auslegung ist, dass Jesus damit Religion und Staat trennt.
Auch bei der Tempelreinigung scheint dies dahinterzustehen. Hier ein reiner Gottesraum – dort die Geschäfte der Händler.
Israel
Im Volk Israel war und ist Volk und Gott in jeder Beziehung eine Einheit. Es ist ein Gottesvolk und ein Gottesstaat. Gott gewährt den Israeliten keine Religionsfreiheit. Der König in Israel ist König von Gott her. Seine Frömmigkeit ist wesentlicher Maßstab für das Wohlergehen des Volkes.
Ist er Gott treu und gehorsam, geht es Israel gut. Läuft er anderen Göttern nach, geht es Israel schlecht. Siehe König David oder König Ahab.
Hebt Jesus dies auf?
Zur Zeit Jesu waren der Kaiser von Rom und sein Statthalter Pilatus die Herrscher. Das Volk stand in gewisser Spannung zwischen der eigentlichen Ordnung von Gott her und der Realität der Machtverhältnisse.
Allerdings waren die Juden vom Kaiserkult befreit. Sie wurden zu Jesu Zeit nicht gezwungen, den Kaiser anzubeten.
Als die Christen später innerhalb des römischen Reiches in Erscheinung traten, war es anders. Sie waren kein „Volk“, dem gegenüber man tolerant sein konnte. Sie untergruben in gewisser Weise die Autorität des Kaisers.
Redet Jesus nun zu den Juden an diesem Ort – oder schon zu den Christen?
Der Mensch ist einer
Der Mensch ist einer und niemand kann zwei Herren dienen.
Wenn Jesus also die Steuerzahlung an den Gott-Kaisers Tiberius empfiehlt, was sagt Er damit? Dass Tiberius von Gott ist?
Eine Spannung, die ich nicht auflösen kann.
Paulus sagt es so ähnlich – zugleich sterben tausende Christen als Märthyrer, weil sie den Kaiser nicht anbeten.
Leib Christi
Der Mensch ist ein Leib. Die Irrlehre der Trennung von Leib und Seele ändert das nicht – sie ist nicht christlich.
Aber ich verstehe, warum es ein Bedürfnis danach gibt. Denn ich kann es auch nicht zusammenbringen.
Ich glaube es einfach.
Wenn der Christ Teil des Leibes Christi ist und Teil der Welt, muss und wird die Welt dadurch Anteil an Christus bekommen.
Zwar suche ich auf dem Berge die Einsamkeit und Reinheit meines Königs und Vaters. Dann aber steige ich herab in die Welt.
Und ich werde mir die Füße schmutzig machen – egal, wie heilig ich bin. So sagt es Jesus bei der Fußwaschung des Jünger (in der Antwort auf die Bitte des Petrus).
Jesus hat nach der Auferstehung die Wundmale am Leib. Thomas bezeugt es uns.
Wir werden in gewisser Weise die Welt nie ganz hinter uns lassen – selbst im Himmel nicht.
„In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist“
Sagen die Griechen.
Ich sage es nicht.
Denn nichts „steckt“ in dem anderen – es ist eins.
Und ein gesunder Geist macht den kranken Körper gesund.
Und selbst wenn nicht, gibt es das „dennoch“ des Geistes. Frankl hat es gerade auch in den Lagern des dritten Reiches erlebt und bezeugt es.
Der Geist verschmutzt sich nicht am Leib, sondern er heiligt den Leib – wenn wir ihn lassen.
Jesus war in der Welt und die Welt hat ihn nicht überwunden – sondern sie ist durch Sein Wirken geheiligt. Die Welt.
So bezeugt es die katholische Kirche in der Eucharistie und besonders zu Fronleichnam! Sie bringt den Leib Christi in die Strassen der Welt. Die schmutzigen Straßen.
Christus hält sich nicht raus.
Gewaltig.