Mo 17.06.2024
Mt 5:38-42 Leiste dem Nächsten keinen Widerstand.
Es ist die Bergpredigt.
Welcher Christ hat nicht seine Abwehrstrategie gegen die Texte, die Worte Jesu?
Insbesondere dies: „Es ist ein Ideal, das nicht zu erreichen ist.“
So richtet man sich seine Welt ein, ergänzt durch das Wissen um das Christliche. Vielleicht nennt man es dann „eine persönliche Beziehung haben“.
Man macht sich Gott zu „seinem Gott“. Dem Lebenscoach, der Lebensversicherung, ja einem Freund.
Ich sage: Man kann Gott nicht „kennen“ – denn Er redet allezeit überraschend neu und unbekannt. Und Seine Worte sagen „entsetzlich Neues“.
Von denen, die Jesus hörten, wird genau das gesagt: Sie entsetzten sich.
Denn Er sprach nicht von Gott wie die Schriftgelehrten. Wie einer, der aus dem Vorratskeller des Gotteswissens etwas herausholt und auf den Tisch stellt.
Will ich durch die Tür gehen?
Durch die Tür in die Kammer Gottes? In die Kammer, in der Gott Gott ist?
In der Er mir etwas sagen darf, dass ich nicht hören will, dass mich erschrickt?
Als Gott?
Gott tritt mir als furchtbarer Gott entgegen.
Als einer, der auf mich gewartet hat – aber nicht ewig wartet.
Als einer, dem ich manches gab – der es aber beiseite legt, und alles, will. Einfach alles.
So wie Er mir alles gab.
Furchtbar – so furchtbar, das mein Mut sich verstecken möchte.
Das Furchtbare
Was ist es, worum es hier, in dieser Stelle der Bergpredigt geht?
Leiste keinen Widerstand.
Werde ich dann nicht untergehen? Werde ich den anderen nicht geradezu auffordern, mich auszunutzen, ja auszubeuten?
Geh die zweite Meile mit.
Der andere bestimmt mein Leben? Ich will keine Meile auf seinem Weg gehen – nun soll ich je mehr sein Leben mit ihm gehen als er selbst fragt?
Wenn jemand mit dir Rechten will
Dann gib ihm auch den Rock. Die Hose – die brauche ich doch.
Wo bleibe ich? Wo komme ich vor?
Ist das alles nicht gänzlich unrealistisch?
Die Tür
Ich sage: Dies ist gerade die Tür, die enge Pforte, der schmale Weg.
Das Ende unserer Vorstellung von Liebe.
Unserer Form von Liebe, die immer auch sich selbst im Blick hat. Die ein Gefühl von Liebe will – ein Gefühl sich selbst wohlzufühlen in dem, was ich dann Liebe nenne.
Eine Liebe, die aus einem Überschuss heraus geben will. Die sich aber immer noch selbst im Mittelpunkt hat.
Du aber
Du gehst nicht eine Meile mit uns, oder zwei. Du gehst 1+1+1+… Meilen mit mir.
Du, Herr Jesus, wusstest nicht, wohin Du Dein Haupt legen solltest. Die Füchse haben Gruben – Du hattest nichts.
Du wartest jeden Morgen an meinem Bett, ob ich vielleicht heute auf Dich hören wollten und Dir die Antwort geben, die du mir gegeben hast.
Wo nun komme ich denn vor?
In dem Anderen
Das Ziel ist nicht die Nichtung des Selbst – sondern es ist die Herrlichkeit Jesu im Anderen. Das will ich – wie Jesus es will.
Wenn ich Jesu Herrlichkeit im Bruder will, wird Er (Jesu) in mir sichtbar.
Sich zu geben, kann wiederum ein Akt des Selbst sein.
Geschieht er im Blick auf mich, verfehle ich das Ziel.
Er geschehe im Glauben auf, dass in Jesus gewandelt sein ganz für den anderen.
Ich vergesse mich in mir und suche dich, Bruder.
Was wirklich die zweite Meile ist, kann ich vorher nicht berechnen. Wann ich eine Hose geben soll, oder vielleicht den Anderen zu seiner Eigenverantwortung herausfordern – das weiß ich nicht und kann es im Voraus nicht berechnen.
Ich brauche aber die vollständige Freiheit von mir selbst, um zu sein, wie Jesus es mir doch schon gegeben hat.
Mir scheint, dass erfolgt in Akten. Einzelne Zustimmungen zu der Stimme Gottes, bis es mir eine Gewohnheit wird, „ganz Ohr“ zu sein.
Ach, dass ich es doch heute wage: Ganz Ohr zu sein.