Mi 03.07.2024 Fest des Hl. Thomas
Joh 20:24-29 Thomas will sehen um zu glauben
Wie schon an anderer Stelle geschrieben teile ich das allgemeine Lob des Zweifels nicht.
Jesus kritisiert Thomas. Thomas ist ein Beispiel eines Mangels für Jesus.
Später mehr dazu.
Darf die Bibel so offen sein?
Würde Johannes heute schreiben, müsste er damit rechnen, dass die Aufdeckung von Mängeln innerhalb der Jünger ihm schwer angelastet werden würde.
Das geht so weit, dass ein Mangel, wird er doch genannt, eben kein Mangel ist, sondern eine positive Eigenschaft.
Viele Prediger folgen dem Zeitgeist, indem sie einfach unterstellen, Zweifel müsste etwas Gutes sein – sonst würde hier eine Kritik stehen. Und auch mein eigener Zweifel wäre keine Tugend, sondern ein Mangel.
Was früher geleugnet oder versteckt wurde, wird heute einfach „gut“ genannt.
Makarios
Jesus sagt „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Es ist eindeutig.
Selig ist aus dem griechischen Makarios.
Das wieder ist die regelmäßige Übersetzung des hebräischen Wortes אשרי
(Ashrei) welches zwar „zu beglückwünschen“ bedeutet, aber auch Voranschreiten, Fortschritt.
Es geht nicht um Proklamierung („passt schon“), sondern um eine Entwicklung, im wirtschaftlichen und ethischen Bereich.
Ich übersetze also etwas betont: Glücklich, wer sich etwas sagen lässt.
Glücklich, dessen Selbstwert nicht von der Bestätigung von allem Vorfindlichem abhängt.
Voranschreiten braucht ehrliche Kritik.
Und diese muss von außen kommen, denn ich selbst bin mir gegenüber fast blind.
Das, was ich tun kann, ist, mich grundsätzlich und immer wieder neu dafür dankbar zu erklären, wenn ich kritisiert werde. Wenn mir jemand sagt: „Schön, dass du dies endlich einsiehst – viel wichtiger ist aber dies und jenes, für das du offenbar noch blind bist, Andreas“.
Mein Selbst entsteht nicht aus der Bestätigung meines So-Seins. Sondern mein Selbst ist schon da und wird geschwächt, durch meine Additionen von Mängeln.
Wenn ich dem Vater nicht erlaube, die faulen Trauben an mir abzuschneiden – dann gehöre ich am Ende nicht dazu!
Demut ist nicht Kleinheit, sondern Größe von woanders her.
Meine Heiligkeit entsteht durch die Bereitschaft, nicht um mich zu sorgen und zu kämpfen. Ich meine damit zumeist, um die eigene Ehre besorgt zu sein (das drückt sich oft in dem Gedanken der Ungerechtigkeit aus).
Sondern der Zusage des Vaters zu trauen, dass Er mich wahrlich nach meiner Stellungnahme zu Ihm fragt.
Ich liebe dich, weil in dir, Andreas, die Möglichkeit steckt, dich frei für mich zu entscheiden.
Unter Zurücklassung von allem anderen.
Vor allem der Ehrsucht vor Menschen (früher auch Menschenfurcht genannt).
Beispiel
Vor kurzem hat jemand in einer Runde von Menschen von Fehlern und Mängeln aus meiner Kindheit gesprochen. Sie aufgedeckt.
Ich war erstaunt, dass ich mir zwar noch vorstellen konnte, dass dies unangenehm ist – aber es hat mich nicht (mehr) verletzt.
Nun ist es auch einfacher, dies anzunehmen, wenn es um mich als Kind geht. Aber ich möchte dies auch für die Gegenwart lernen.
Noch ist der Impuls, mich zu rechtfertigen, recht stark – wenn auch schwächer werdend. Der Impuls solche Situationen zu meiden oder zu verlassen ist da – ich aber lerne: Das Licht dient mir. Es reinigt mich von dem an mir, was ich für meinen Vater nicht brauche – ja, was eine Distanz zu ihm beinhalten könnte.
Am Ende steht alles in der Bibel
So war es für Thomas.
Aber auch für Petrus, für die streitenden Donnersöhne, für all die ängstlichen Jünger in ihrer Flucht vor dem Kreuz.
Wer von uns im Himmel dabei sein will, der wird im ewigen Buch Gottes (der „Bibel Gottes“) stehen. Alle dürfen hineinschauen.
Ich werde gefragt, ob ich das will. Jetzt, wo es noch sehr verborgen ist.
Will ich unter die Dusche Gottes, die mich reinigt von Menschenfurcht?
Oder verberge ich meinen Dreck lieber.
Will ich anhänglich an meiner Konstruktion von mir selbst kleben?
Oder vertrauen, dass die Astschere Gottes nur Dinge wegschneidet, die meinem eigentlichen Namen vor Gott im Wege sind!
Ich schaue auf Dich, Vater.