Die Furcht verändert mich

Sa 13.07.2024

Mt 10:24-33 Der Knecht steht nicht über dem Meister

Die Fortsetzung von gestern.

Nichts, was verborgen ist, wird nicht offenbar. Und in allem ist der Vater nahe.

Habe ich etwas Gefährliches zu bekennen?

Das Thema von gestern. Wie kam es dazu, das ich, das wir Christen so harmlos geworden sind? Ist es vielleicht auch Menschenfurcht?

Mein Denken schützt mich vor mir selbst. Es lässt nicht zu, etwas zu denken, was mir gefährlich werden könnte. Ein unbewusster Prozess.

Insbesondere meine Verantwortung ist etwas, das ich gern „nicht weiß“. Denn es zu wissen, bringt mich in eine gewisse Unfreiheit. Mein Wissen ist Gewissen und ein lautes Gewissen schafft zunächst eine Not. Ich verliere meine Ausreden und meine Bequemlichkeit. Ich verliere die Beliebigkeit meines Handelns und meine Ehre der Schuldlosigkeit eines Kindes – das ja nichts dafür kann.

Wenn ich verantwortlich bin, dann, und nur dann, kann ich auch schuldig werden.

Wann bezeuge ich etwas?

Zumeist, wenn ich selbst betroffen bin. Wenn meine Interessen verletzt werden oder meine Ehre „ungerechtfertigt“ eingeschränkt wird.

Erkennbar zumeist am mehr oder weniger lauten Zorn.

Wenn das nicht der Fall ist, warum sollte ich ein Risiko eingehen, etwas zu benennen, was den anderen dazu bringen könnte, mich weniger zu mögen. Sich über mich zu ärgern?

Das wichtigste scheint es, mit meinem Leben klarzukommen – da ist kaum noch Kraft für etwas „Richtiges“ um seiner selbst willen.

Wer sagt mir, dass ich mit etwas falsch liege, außer, wenn das direkt einen Nachteil für ihn hat? Wer vollzieht Liebe, die schmerzt?

Das, was heute als Toleranz und überlassen der Meinung praktiziert wird, ist in sehr vielen Fällen Feigheit und am Ende Lieblosigkeit.

Sich von seiner Frau zu trennen, ein Kind abzutreiben, Homosexualität auszuleben ist falsch – wer wagt es, solch schmerzhafte Dinge zu sagen (ich merke es sehr an mir).

Und wenn ich mich irre?

Oder man mir Erbarmungslosigkeit vorwirft? Oder auf eigene Fehler hinweist?

Ja, da kommt das zweite Problem. Ich will Dinge nicht benennen, weil ich selbst nicht überführt werden will.

Und es kann falsch sein, Mängel immer wieder zu benennen. Besonders in einem Ton, der eigenes besser-sein betont und damit den anderen demütigt.

Habe ich kein Heilmittel – vielleicht sollte ich schweigen.

Kann ich bezeugen, dass es einen besseren Weg gibt? Oder lebe ich ihn selbst nicht.

Oder stimme ich in den Chor ein, der alles nur deutet und erklärt – ohne einen Anspruch an mich selbst zu haben.

Die Furcht macht taub

Ich kann mich irren und ich irre mich oft. Das gibt mir aber nicht die Freiheit, nichts zu wagen.

Ich werde vielleicht als böser Mensch bezeichnet – das wurde Jesus auch. Als Volksverführer und Gotteslästerer. Und im Unterschied zu Jesus muss ich damit rechen, dass da etwas dran ist.

Aber dass da etwas dran ist, lerne ich im Vollzug. Indem ich wage zu tun und zu sagen, was ich verstanden habe, gebe ich der Möglichkeit Raum, korrigiert zu werden.

Die Angst lernt nichts – nur der Mut.

Die Wahrheit kommt ans Licht – so sagt es Jesus.

Dann werde ich entweder als ihr Zeuge erkannt werden.

Oder als jemand, der darüber etwas wusste und geschwiegen hat – und damit Zeuge der Finsternis ist.

Dem Ort, den er selbst für „neutral“ hielt, wird ihm zum Ort des Todes.

Praxis

Ich sage: Ein notwendiger Ort dies einzuüben ist das Reden.

Verantworte ich mein Reden (und nicht-Reden)?

Schnelles, leichtfertiges Reden ist wie Unkraut. Es verhindert das Wachstum der Wirklichkeit. Ich will versuchen alles reden in das Licht des Gewissens zu stellen.

Soll ich es sagen? Wem dient es? Ist es wahr?

Noch schärfer: Stehe ich dazu, auch wenn es mich etwas – oder viel – kostet?

Oder ist es eitles Geschwätz, „Quacksalberei“?

(Historisch ist ein Quacksalber jemand, der seine Salbe (Meinung) mit vielen Worten anpreist (herum-quarkt)).

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