Jesus und die Thora

Fr 19.07.2024

Mt 12:1-8 Ährenraufen am Sabbat

Die Jünger haben Hunger und raufen Ähren.

Jesus verweist auf David, der im Tempel heilige Brote nimmt.

Und dann: „Ich sage‭‭ aber‭ euch‭, dass‭ hier‭ der ist, der‭‭ auch größer‭ ist denn der Tempel‭“. (Lu 1912)

Paulus und die Kirche

Der Text ist so zentral, dass ich sehr auf die Kirche hören möchte.

Was sagt Paulus und was bedeutet dies in diesem Zusammenhang? Hebt Jesus das Gesetz auf? Hebt Paulus das Gesetz auf?

Und im Zusammenhang mit der Theologie, die meinte, die Kirche ersetze das Judentum, ist auch der Blick auf das übliche Verständnis nicht selbstverständlich.

Neues, das altes aufhebt, birgt seine eigene Aufhebung in sich selbst – so habe ich gestern geschrieben.

Jesus hebt die Thora nicht auf.

Betrachtungen

Gott gibt die Thora. Zur Zeit Jesu war die Erwartung, Gott direkt zu begegnen kaum oder garnicht vorhanden. So steht die Thora aktuell zwischen Menschen und Gott.

Jesus ist der Schlussstein der Thora. Die Thora ist nun ganz gültig. Jesus aber ist der Weg, der auf Basis der Thora wieder Gott nahe sein lässt.

Aber Achtung: nur in dem Maße, oder mit dem, was von uns in Jesus ist, erfüllen wir die Thora.

Jesus ist mehr als der Tempel – aber nicht statt des Tempels.

Ich hoffe, der gültigen Dogmatik zu entsprechen.

Auf mich bezogen

Wenn ich Jesu Worte, oder die Worte des Paulus, dazu benutze, das Gesetz und die Ordnung Gottes gering zu achten – dann sind sie doch gültig!

Denn dann bin ich nicht in Jesus.

Nur in Jesus werde ich erhoben zu einem größeren Tempel – nicht zu einem anderen.

Wenn ich Jesus nicht höre, dann gilt das Gesetz in aller Schärfe.

Nur so ist es Zuchtmeister auf Jesus hin (Gal 3:24).

Was an mir nicht heilig ist, steht ganz unter dem Gesetz und dem Urteil des Gesetzes.

Und Heiligkeit ist ein Eigentumsbegriff. Gehöre ich ins Gefolge Jesu, gilt „der größere Tempel“. So wie die Männer, die bei David waren, als Männer Davids die Brote nehmen konnten – nicht als sie selbst.

Die Jünger Jesu sind keine Gesetzesbrecher – denn sie gehören nicht sich selbst. Sie nehmen nichts „für sich“. Ihr Nehmen ist gehorchen und lieben.

Denn, wenn sie nicht mit Jesus wären, hätten sie selbst für ihr Essen gesorgt. Und Jesus erlaubt nicht, sich selbst in der weise zu dienen, dass man das Gesetz ignoriert.

Barmherzigkeit

Barmherzigkeit ist nicht Beliebigkeit oder gar Gesetzlosigkeit.

Nur wenn sie die größere Nähe zu Jesu Herz bedeutet, übersteigt sie die Ordnung.

Nur wenn sie von mir als je Gehorsamen und nicht als Ausdruck von Selbstliebe geschieht.

Auch die Barmherzigkeit steht nicht über Gott. Sie ist in Gott – oder sie ist äußerst gefährdet, doch nur Eitelkeit zu sein.

Es gibt kein „Gesetz der Barmherzigkeit“, denn das müsste vollkommen sein – sonst fällt es unter das Wort des Paulus. Wenn ich an Christus vorbei das gute Gesetz tun will, muss ich es vollkommen tun.

Das wollte schon Adam.

„Wenn ich nur weiß, was Gut und Böse ist, werde ich sein wie Gott und das Gute von mir aus tun. Mit oder ohne Gott.“

Das aber ist der „kleinere Tempel“, der unserer Gottesbildlichkeit nicht entspricht.

Vergebung und Werke

Was ich außerhalb Jesu tue kann mir vergeben werden.

Dann wird es mir nicht mehr zugerechnet.

Im Himmel bin ich dann ein leeres Blatt – ein Niemand!

Denn erst und soweit ich in Christus Werke habe, habe ich im Himmel einen Namen.

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