Was heißt verstehen?

Fr 26.07.2024

Mt 13:18-23 Jesu Auslegung des Gleichnisses von vierfachen Acker

Ich habe vorgestern eine Anwendung (keine Auslegung) dazu notiert. Heute geht es nur um den ersten Satz von Jesu Auslegung.

“‭‭Wenn jemand‭ das Wort‭ von dem Reich‭ hört‭‭ und‭ nicht‭ versteht‭‭, so kommt‭‭ der Arge‭ und‭ reißt hinweg‭‭, was‭ da gesät‭‭ ist in‭ sein‭ Herz‭; und das‭ ist‭‭ der, bei welchem an‭ dem Wege‭ gesät‭‭ ist.‭”

(Matthäus 13:19, Lut)

Mögliches Vorurteil

Vielleicht meint jemand, Verstehen hätte mit Intelligenz zu tun und was man nicht versteht, versteht man eben nicht.

So ist es nicht.

Verstehen ist etwas Aktives, zu dem ich mich entscheiden kann. Ich hatte das am Mittwoch schon an dem Aspekt des Verweilens genannt.

Niemand ist unschuldig, wenn er es nicht versteht – er ist unwillig.

Gern verstecke ich mich hinter irgendetwas – das Licht Jesu führt mich in die Verantwortung und damit auch in die Schuld.

Die Schuld führt mich zu Jesus, aber nur, wenn ich sie als aktives Verweigern des Verstehens anerkenne.

Ich biete jedem an, das so lange mit mir zu bewegen, bis er es verstanden hat.

Verstehen als Wort

Das griechische Wort συνίημι (ausgesprochen „syníēmi“) ist ein zusammengesetztes Verb aus σύν (syn), was „zusammen“ bedeutet, und ἵημι (hiēmi), was „senden“ oder „setzen“ bedeutet.

Die grundlegende Bedeutung von συνίημι ist „verstehen“, „begreifen“ oder „wahrnehmen“. Es impliziert das Zusammenfügen von Gedanken oder Informationen zu einem umfassenden Verständnis.

Es meint ein aktives, fleißiges Zusammensetzen verschiedner Dinge (nicht nur Erkenntnisse).

Das deutsche Wort trifft es allein nicht gut. Es muss gemeinsam mit anderen Begriffen gedacht werden.

Im Hebräischen gibt es das Wort בִּינָה (biná), das sich von der Wurzel ב-י-ן (bet-yod-nun) ableitet, was „unterscheiden“ oder „trennen“ bedeutet. בִּינָה impliziert nicht nur das bloße Wissen oder Verstehen, sondern auch das tiefere Erfassen und das Unterscheiden zwischen verschiedenen Dingen.

Ich habe die KI nach einem Beispiel aus der Bibel gefragt:

„Ja, wenn du nach Verstand (בִּינָה) rufst und deine Stimme nach Einsicht (תְּבוּנָה) erhebst, wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschst wie nach Schätzen, dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen und die Erkenntnis Gottes finden.“ (Sprüche 3, 2-5; Lut 1912)

Aktives fleißiges Zusammensetzen

Womit?

  • Mit Vorhandenem in mir.
  • Mit anderen Quellen (Bibel, Kirche, Heilige, Väter, Lehrer etc.).
  • Mit den Aufgaben von heute, den Einstellungen zu den Dingen, möglicher Schuld.
  • Mit Handlungen Konsequenzen, der Tat, dem Gehorsam, GGG.
  • Mit dem Bruder, der Beziehung, dem Verbundenen.
  • Mit dem schon erkannten als Wiederholung in dem Sinne des
    • Vergenauern
    • freilegen (was liegt darunter?)
    • erneuern, verbessern.

Ich halte das Wort Jesu all diesen Kontexten hin und warte. Nicht nur passiv, auch aktiv – aber immer bereit zu schweigen um zu hören.

Betrachten und Verweilen

Betrachten ist nur mit Zeit möglich. Innehalten und anschauen. Nicht umsonst ein grundlegendes Kapitel in den „Übungen“ (Exerzitien) von Ignatius von Loyola.

Verweilen (lat. Kontemplation) ist Ausdruck der Liebe. Verweile ich lange bei meinem Freund Jesus werde ich Ihn intuitiv wahrnehmen und empfangen. Zeit und Aufmerksamkeit ist das Kostbarste war wir haben – wem gebe ich sie?

Zeig mir dein Verweilen und ich sage dir, wen du liebst.

Cal Newport beschreibt in seinem Buch den gravierenden Unterschied von arbeiten und konzentriert arbeiten. Ich höre das Buch erneut. Denn Verweilen ist auch Wiederholen.

Bei der Wahrheit Jesu zu verweilen ist so schwer wie konzentriertes, selbstbestimmtes Arbeiten. Etwas, was es heute kaum noch gibt.

In der heutigen Zeit ist das allermeiste leicht und wird immer leichter. Aber Jesus zu „verstehen“ ist jene alte schwere Arbeit der Väter, die Stunden um Stunde hinter dem Pflug hergingen.

Keine Instagram-Message kann es abkürzen.

Vielen wird es nicht gelingen, sich dazu zu entscheiden.

Wer sich aber nicht dazu entscheidet, dem wird geraubt, was er hatte.

Ich spüre diesen Kampf an mir – und an denen, die mir auf dem Herzen liegen. Von denen ich weiß, sie sind berufen.

Es gibt keine billige Gnade (Bonhoeffer). Auch wenn alle so handeln, als würde der Glaube genügen, ein Glaube, den sie dafür halten.

Das Wort Glaube definiert sich nicht nach meinem Geschmack.

Glaube ist, was sich an meinen Leben zeigt.

Wer kann bleiben, wenn er nicht wenigstens eine Stunde mit Jesus wachen will?

Dies ist vom ersten Satz von Jesu Erläuterung.

Hinterlasse einen Kommentar