Sa 27.07.2024
Mt 13:24-30 Vom Unkraut und Weizen
Eingrenzung
Mir scheint, es ist ein Gleichnis – und keine Parabel. Nicht alle Details sind übertragbar, sondern es geht nur um ein paar Kernpunkte.
Zu fragen, ob z. B. die Paulinische Gemeindezucht hiermit vereinbar ist, wäre der Versuch einer Überinterpretation.
Was sind die Kernpunkte, die mir heute wichtig sind?
Kernpunkte
Das hat ein Feind gemacht.
Dieser Satz ist für die Geschichte nicht nötig. Dass Jesus das dennoch sagt, zeigt, dass es wichtig ist. Darüber denke ich heute nach, denn das habe ich oft hinter den anderen Punkten zurückgestellt.
Die anderen Punkte sind das Warten, das Überlassen der Trennung an die Engel und das Feuer des Gerichtes.
Das hat ein Feind gemacht.
Sind denn die, die Taumelkraut sind, willenlose Objekt des Feindes?
Ich spüre, wie meine psychologische Prägung mein Denken dominieren will.
Ich störe mich manchmal daran, dass Menschen es sich einfach machen und gegen Dämonen und Teufel beten und ihren eigenen Willen und ihr eigenes Wollen wie Unkraut wachsen lassen.
Aber der Feind macht etwas. So sagt es Jesus.
Wie steht das zu dem freien Willen, der von Gott selbst in uns beschützt und bewahrt wird? Wir sind doch nicht Figuren auf einem Schachbrett.
Kostbarkeit
Aber wir sind viel wichtiger als wir denken. Anhand unseres Willens geschieht mehr, als wir meinen. Viel mehr.
Ich denke z. B.: Dies und das ist doch nicht so schlimm und ich meine es doch nicht so – oder nicht ganz so.
Es ist aber weit mehr als es scheint.
Es ist eine Wahl zwischen Mächten und Gewalten.
Bei der Verteidigung von Byzanz 1453 hat jemand eine kleine Seitentür versehentlich nicht geschlossen – und so ist das große Byzanz vernichtet worden. (Die Geschichte von der „Kerkoporta“).
Dem falschen die Hand geben
Ich nehme diese Redewendung, weil ich sage, dass es um die Beziehung geht, auf die ich mich einlasse. Weniger um die Tat selbst.
Die Schlange hat sich in die Beziehung des Menschen zu Gott eingeschlichen.
Indem sie Gott etwas unterstellt hat. Und sie hat etwas kleingeredet, nämlich die Folgen der Tat („ihr werdet nicht sterben“). Zudem hat die Schlange mit Autonomie gelockt. Das war eine Lüge, denn der Griff nach der Autonomie war ein Gehorsam gegenüber der Schlange – also nur ein Wechsel der Herrscherbeziehung.
Die kleinen Dinge
Die Schlange hat keine Macht über unseren Willen. Sie kann uns aber eine andere Beziehung anbieten, die wir aufgrund unseres freien Willens eingehen können.
Am besten mit Kleinigkeiten.
Denn es geht weniger um das Was, als darum, wen ich damit zu meinem „Vater“ mache, wie Jesus sagt.
Die Pharisäer haben weniger Tatsünden begangen – sie hatten den falschen Vater (so sagt es Jesus).
Dadurch konnten sie Gott in Jesus nicht erkennen. Sie hielten sich in ihrem Wissen für autonom.
Ein wichtiges Beispiel
Der Vater der Lüge sagt:
Du hast einen Nutzen, wenn du ein wenig übertreibst oder untertreibst, je nachdem, was dir dient.
Das hat eine gewaltige Wirkung. Ich gewöhne mich daran, auf die leise Stimme zu hören, die mir meinen Nutzen in den Vordergrund stellt. Oder die Freiheit des anderen durch vernebeln ein wenig einschränkt.
Die Qualität der Beziehung zum anderen wird geschwächt. Und: habe ich eine schwache Verbindung zum Bruder, habe ich sie auch zu Gott.
Ich kann, ganz allgemein, schauen, ob mein Handeln meine Beziehung schwächt, oder die Freiheit des anderen durch mein Arzt zu Reden einschränkt. Gewalt schränkt Freiheit weniger ein als Heuchelei und Täuschung.
Mißtrauen und Unterstellungen schaden mehr als schlimme Umstände wie Armut und gar Krieg.
Andererseits kann mein Handeln Beziehung etabliert, heilt, vertieft. Beziehung – nicht Erfolg.
Liebe hat zur wahrhaftiger Beziehung mehr Gemeinsamkeit als zu irgendwelchen schwärmerischen Gefühle.
Mit einem Bekenntnis eines Missbrauches meiner Worte, meiner Beziehung vor Gott (Aussprache, Beichte) und einem Korrigieren dieser Beziehungsqualität nehme ich die ausgestreckte Hand Gottes – und Er kann mit mir Berge versetzen.