Auf Jesus hören

Di 06.08.2024 Fest der Verklärung Jesu

Mt 17:1-9 Jesus, drei Jünger, Mose, Elia und der Vater

Besonders

Im Reich Gottes gibt es keine Gleichheit. Sondern Unterscheidung (Lateinisch: discriminare). Hier steht kata idios. Jesus nahm also die drei Jünger „gesondert für sich“. idios (von dem das Wort Idiot abstammt) ist etwas zu einer Privatsache machen. Jesus nimmt diese drei zu einem privaten Treffen mit.

Sie werden mit Namen genannt, Petrus, Jakobus und sein Bruder Johannes.

Andreas war nicht dabei.

Das beiseite führen ist nicht ein wenig, sondern viel, denn es heißt, Er führte sie beiseite auf einen hohen Berg. Weit weg von allen anderen, hoch hinaus über alle anderen.

Rahmen

Es gibt einen Rahmen, denn im Text steht, dass Jesus dies sechs Tage „danach“ getan hat.

„Danach“ bezieht sich wohl auf die erste Ankündigung der Leidens Jesus. Und kurz nach diesem wird es die zweite Ankündigung der Leiden Jesu geben.

Innerhalb dieser Ankündigung sagt Jesus auch: „Was hilft es dem Menschen die Welt zu gewinnen und würde schaden an seiner Seele nehmen?“.

Jesus ringt um alle Menschen. Seine Aussage gilt jedem gleich. Aber in dem Ringen um die Menschen gibt es führende und begleitende Aufgaben.

Es ist die alte, schwierige Frage, ob die große Radikalität des Anspruches Jesu und die offensichtlichen Sonderfälle zusammenpassen.

Gibt es zwei Wege in den Himmel?

Mir scheint diese Frage schwer, weil wir so sehr im Kontext des Individualismus leben. Was habe ich davon.

Der Weg des Vorzuges ist aber ein Weg besonderer Liebe zum anderen – und damit auch besonderen Leides.

Gott bevorzugt den, der für mehr Menschen einsteht.

Der Schleier

Jesus ist niemals ein anderer. Nicht in der Verklärung und nicht in Gethsemane. Und auch nicht im Alltag am Lagerfeuer.

Meine Zutraulichkeit zu Dir soll mich nicht in eine Lässigkeit führen. Siehe auch der Beitrag „Welchen Jesus kenne ich?“.

Mose, Elia und Jesus

Gott spricht zu mir durch das Gesetz (Mose): Es steht geschrieben.

Und Er spricht zu mir durch den lebendigen Propheten: So spricht der Herr.

Aber in Jesus redet Jesus selbst. Gott delegiert pauschal. Jesus redet als der, auf den ich direkt hören soll. Er ist kein Gesetz und keiner, der im Namen Gottes redet.

Ich deute es auch auf den Alltag des Gehorsams.

Gute Christen versuchen die Bibel sehr ernst zu nehmen, ja wörtlich als Wort Gottes.

Wenn es das einzige ist – folgen sie nicht in gewisser Weise Mose?

Dazu kommt der Christ, der sich seinem Beichtvater unterordnet. Wie mir scheint, eine mindestens ebenso wertvolle Art des Hörens.

Beides bleibt – aber unverzichtbar ist das lebendige Hören auf den lebendigen Herrn Jesus.

Bei den zentralen Entscheidungen meines Lebens als Christ gab es immer diese drei: die Bibel zunächst. Dann der Rat und die Weisheit von geistigen Freunden (damals war ich noch nicht katholisch).

Aber entscheidend war das letzte Wort Jesu. Ein Wort, das Er zu mir sprach als Gott. Das andere einschließend – aber übersteigend.

Auf dem Berg sagt Gott nicht mehr „Höre auf Mose, höre auf Elia“. Er sagt auch nicht das Gegenteil (also, dass wir es nicht tun sollen).

Das Neue ist, dass der ewige, allmächtige Gott nicht mehr sagt, höre auf mich in dem Gesetz und in den Propheten, sondern höre auf Jesus.

Ich verlasse den scheinbar sicheren Hafen der gedruckten Bibel und der verfassten Kirche. Sie bleiben mir Leuchtturm und Wegweiser. Am Ende aber fragt Jesus mich persönlich nach meinem Gehorsam Ihm gegenüber.

Nicht gegen das Wort oder gegen die Kirche – aber manchmal darüber hinaus.

Seelsorgerlich sage ich: Wer nicht tief im Wort verwurzelt ist und nicht gewohnheitsmäßig einem Beichtvater gehorcht – für den gilt das nicht! Denn ganz oben stehen die drei auserwählten Jünger – nicht ich.

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