Mit Zustimmung leben

Fr 16.08.2024

Mt 19:3-12 Von der Endgültigkeit der Ehe

Die Heimat des Denkens verlassen

Nachdem Jesus von der Endgültigkeit der Ehe gesprochen hat, sagen die Jünger: „Wenn es so um den Mann bestellt ist, ist es nicht gut zu heiraten.“

Sie sind in ihrer Lebenswelt gefangen. Auch ich habe einen nicht hinterfragten Rahmen, einen Urgrund meines Denkens. Nur an dessen Rand bin ich bereit, etwas Neues zu denken – Jesus aber ist Herr über alles.

Ist etwas „nicht gut“ für mich, nur weil ich es nicht denken kann? Jesus sagt gerade, dass es gut ist, denn es ist Gottes Urordnung.

Arrangierte Ehe

Zu Jesu Zeit waren die Ehen in der Regel arrangiert. Familienoberhäupter planten die Ehe, es ging zumeist um strategische Aspekte.

Aber auch schon zur Zeit der Väter, der Patriarchen war es so – selbstverständlich.

Jesus musste das nicht sagen – es gab praktisch keinen anderen Gedanken.

Und ich erkenne mit Staunen: Das war von Gott her so.

Die Ehe von Adam und Eva war von Gott arrangiert!

Adam hat sich keine Frau gesucht, Eva keinen Mann.

Sie haben nicht geheiratet, weil sie sich lieben – sie lieben sich, weil es das Wesen Gottes ist und der Mensch ein Bild Gottes.

Konsequenzen

Verlasse ich erst mal den Raum der romantischen Liebe, öffnen sich neue Räume.

Besonders bei der Frage der Freiheit.

Wenn z. B. ein Mann eine Frau wählt, ist das dann ein freier Akt?

In der Eheberatung sagen die Partner oft zu mir, sie hätten aus Liebe geheiratet.

Es stellt sich dann heraus, dass es viele Gründe gibt. Vielleicht war irgendwo auch etwas Liebe dabei – vielleicht.

Ich nenne andere Gründe zur Illustration:

Gelegenheit: Wie oft heiraten Menschen in der Kollegenschaft, aus Umständen heraus, wegen Nähe von woanders her.

Herkunftsfamilie: Sehr viel kommt von Bildern, die von der Herkunftsfamilie geprägt sind. Entweder machen Menschen die Eltern nach, oder sie versuchen das Gegenteil zu finden.

Typos: Die Partner mögen die Eigenschaften des anderen. Schönheit, Stärke, Begabungen. Das hat noch wenig mit der Person zu tun.

Was auch immer es sei: Ist es denn „frei“?

Wer bin „ich“, der da meint zu wählen? Mein Gefühl? Bin ich meine Gefühl? Mein Liebesrausch? MUSS ich diesen oder jenen heiraten?

Mir scheint, bei genauer Betrachtung ist eine frei gewählte Ehe garnicht so frei.

Was dann?

Wenn ich es loslasse, zu behaupten, meine Freiheit läge in der Wahl, hier in der Wahl der Ehefrau – wo bleibt denn dann die Freiheit?

Ich schaue auf die Urgeschichte:

War es ein Akt der Freiheit, vom Baum der Erkenntnis zu nehmen?

Nein!

Eva gehorcht der Schlange.

Es ist ein Akt der Zustimmung gewesen.

Das Angebot selbst war eine Lüge. Die Macht des Menschen zur Freiheit besteht nicht darin, frei zu sein, sondern der einen oder der anderen Vorfindlichkeit zuzustimmen.

Genauer: des Angebotes Gottes zur Beziehung oder des Angebotes Luzifers zu einer Beziehung zu ihm.

Luzifer nennt diese Beziehung dann Freiheit – das aber ist eine Lüge.

Ich bin viel! zu klein, für solcher Art Freiheit.

Das Wesen Luzifers

Das Wesen Luzifers ist zunächst Rebellion.

Das heißt der Protest gegen Bindung. Seine Bindung an Gott.

Und so ist das Wesen der Versuchung die Aufforderung zu dieser Art von „Freiheit“, wie Luzifer sie versteht.

In der Rebellion, in der Lösung von Bindung, liegt zwingend das Samenkorn der neuen Trennung.

Es mündet in einer Kette von Trennungen – und das Ende ist völlige Einsamkeit.

Freiheit, wie wir sie verstehen, führt zu endgültigen Einsamkeit! Das ist identisch mit ewigem Tod.

Leben in Zustimmung

Die Zustimmung allein geschieht wirklich in Freiheit. Sie basiert nicht auf einem hormonellen Rausch, der die Freiheit in der Partnerwahl ertränkt.

In der Nüchternheit der Gemeinschaft, in den kleinen Widerständen des Alltages hat die Frage nach der Zustimmung erst Bedeutung. Und damit entfaltet sie die Würde der Freiheit.

Freiheit ist „dennoch“, wie Viktor Frankl sagt. Nicht in Absonderung, sondern in Annahme.

Gott war nicht im Garten Eden, als die Schlange sprach. Adam war gefragt, sich Gottes zu erinnern und trotz der Versuchung zu sagen: „Sieht schön aus, riecht nach Freiheit – aber ich bin schon frei und bleibe dennoch bei Gott“.

Treue ist wahrer Ausdruck der Freiheit. Jesus nennt es „Glaube“.

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