Muster

Sa 17.08.2024

Mt 19:13-15 Jesus nennt Kinder als Muster.

Ich verweise immer auf Heinrich Spaemann, Orientierung am Kinde.

Heute sehe ich etwas Weiteres in diesem Text.

Paradigma der Kinderwelt.

Kinder zu Jesu Zeiten waren recht anders dran, als Kinder in unserer Zeit, in meiner Welt.

Um mich am Kinde zu orientieren, schaue ich zunächst auf das Kind, das Jesus meint:

Es lebte im Patriarchat.

Eine Lebensweise, die masslos bekämpft wird und fast als Synonym für das Schlechte gilt.

Es lebte in der Realität der Armut.

Spielsachen waren die Dinge, die sich vorfanden. Es wurde weder bespielt noch bespaßt.

Es wurde wenig beachtet.

Besonders der Vater hatte keine Zeit für das Kind und auch die Mutter hatte zumeist anderes zu tun.

Es war ein Symbol des Segens.

Kinder waren wichtiger Inhalt in der Welt der Familie, der Sippe.

Kennzeichen dieser Welt

Wesentlich ist der Bezug zur Wirklichkeit. Das Kind lebt ganz in der Vorfindlichkeit.

Gestern habe ich mich auf einen Vortrag vorbereitet. Es geht um Tugend, um „das Gute“. Josef Pieper schreibt in einem zentralen Werk über die Kardinaltugenden:

Das Gute setzt die Wahrheit voraus, und die Wahrheit setzt das Sein voraus.

Eigentlich ganz einfach. Der unmittelbare Bezug zu dem, was ist. Wie es ein Kind zur Zeit Jesu normal erlebt und gelebt hat.

Komme ich nicht pünktlich zum Essen, gibt es nichts.

Keine Welt aus Watte und Virtualität.

Pieper sagt, das moralisch Gute ist nicht so sehr eine Lehre als vielmehr der rechte Bezug zur Wirklichkeit.

Dazu muss ich diese zumindest einigermaßen kennen und erlebt haben.

Verlust der Muster

Wenn ich Gott respektvoll begegnen möchte, versuche ich mir eine Audienz beim König vorzustellen.

Welchem König?

Ich kenne keinen König und habe kein Gefühl für einen echten König.

Wenn ich heute sehe, wie kleine Kinder „partnerschaftlich“ mit ihrem Vater umgehen, sehe ich nicht, dass sie ein Bild des Vaters im Himmel kennenlernen können.

Begriffe und Vergleiche verlieren ihre Kraft.

Was ist ein Kind, was ist ein Vater, was ist Ehe?

Was ist Arbeit, Verantwortung und der Schweiß des Angesichtes?

Was ist König und Heimat?

Ja – was ist Mann und Frau?

Je mehr der Bezug zur Realität aufgelöst ist, desto weniger kann es Wahrheit, Tugend und das Gute geben,

Pieper: „Die Verwirklichung des Guten setzt das Wissen um die Wirklichkeit voraus.“

Was kann ich tun

Ich orientiere mich im Zweifel und Schritt für Schritt an der realen Welt.

Ich nehme die Hand, den Bleistift, das Papier.

Ich gehe zu Fuß, ich tue mit meinen Händen, was ich tun kann.

Ich nehme Mühe auf mich und weiche dem Widerstand nicht aus.

Ich ordne mich unter und ehre den anderen, besonders den Leiter.

(Das meint auch den Staat.)

Ich übe Respekt vor jedermann.

Ich achte auf Schönheit, Ordnung und Disziplin.

Ich suche die Wirklichkeit, nicht die Idee.

Konzentriert scheint mir der Begriff „Leib“ wie ein Leuchtfeuer.

Verbindung mit gestern

Gestern ging es um Zustimmung.

Zustimmung zur Vorfindlichkeit.

Ich suche das Gute, in dem, was ist und stelle mich dazu.

Nichts, was ist, ist nicht von Gott. Auch der Baum der Erkenntnis ist von Gott. Ich suche aber die rechte Zustimmung. Die Zustimmung zu warten, was Du, Vater, mir gibst und verzichte darauf, es mir zu nehmen.

Dazu lerne ich, was wie wirkt, indem ich genau schaue, was die Frucht ist.

Die Frucht der Anmaßung ist der Tod.

Meine Wahrnehmungsfähigkeit aber hängt an dem Bezug zur Wirklichkeit.

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