Do 22.08.2024
Mt 22:1-14 Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl.
Warum berichtet Matthäus es
Vermutlich wurde das Evangelium nach der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) geschrieben.
Es scheint, es richtet sich an die Ältestes Israels. Und die Kirche hat daraus auch die Gedanken abgeleitet, dass Israel verworfen ist.
Steht es deshalb da?
Was soll das? Schadenfreude? Selbstrechtfertigung?
Erlebt vielleicht gerade die Kirche in Deutschland, dass sie zumeist um sich selbst kreist (um ihren Acker und um ihre Geschäfte)?
Nimmt sie die Einladung der Boten an?
Und ist es nicht die zweite Heimsuchung Deutschlands?
Menschen in Afrika, Asien und dem Iran finden zu Jesus – in ganz anderer Weise als bei uns.
Wir sind Gottes
Ich spreche von der Kirche, von uns Christen, denn davon handelt die Geschichte. Wir wissen von Gott, von der Einladung, vom Hochzeitsmahl. Leben aber zumeist unser Leben weiter.
Aber die Einladung zum Abschied von den Eigeninteressen ist keine wahlfreie Einladung. Man kann sie nicht ablehnen.
Es ist unser Sein, unsere Berufung (wie das Wort sagt: Der Ge-rufene ist be-rufen).
Missbrauch darf gebrauch nicht verhindern
Straf- und Gerichtspredigten habe vielen Menschen Schaden zugefügt. Drohungen und Angstmacherei waren lange Mittel der Wahl. In wenigen Kreisen ist es vielleicht noch so – in wenigen.
Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Zorn Gottes, der aus Seiner Liebe und Verbindlichkeit kommt, und dem Missbrauch durch Menschen, die damit ihre eigene Macht aufblasen wollen.
Und ist nicht durch diesen Missbrauch der Gebrauch in Verruf gekommen – wie in so vielen Dingen? Z. B. im Thema Leiterschaft und Gehorsam.
Gottesfurcht
In unserer Männerrunde sprachen wir gestern darüber. Und die Männer wollen es wissen, ernsthaft wissen.
Wie durch einen Spalt in der Tür ahnen sie, dass es etwas Besonderes damit auf sich hat.
Dennoch ist die Flut des Zeitgeistes auch bei uns gegenwärtig – aber wir ringen damit.
Ist es Respekt, ist es Ehrfurcht? Oder doch Angst?
Wir haben kaum eine Referenz. Wir kennen weder König noch Heiligkeit. Wie sollen wir Gottesfurcht erkennen?
Über alle Maßen meinen wir, wir hätten ein Recht auf uns selbst – hier aber gilt das Recht des Königs.
Eine kulturelle Flut hat uns Partizipation und Demokratie gelehrt – hier ist Königsherrschaft.
Kirche tritt als kranker Mann auf – was will sie uns sagen?
Niemand wagt zu sagen: Dies, was ich dir sage, ist für dich lebenswichtig.
Jeder hat nur „seine Meinung“.
Selbstmord aus Angst vor dem Tod
Dieser bekannte Satz drückt es aus.
Aus Angst vor der Angst leugnen wir die eigentliche Funktion der Angst. Sie beschützt einen Wert. Wenn ich keine Angst vor dem Feuer habe, ist mir nicht gedient.
Du, Vater, offenbarst uns das alles verzehrende Feuer Deiner Herrlichkeit – wenn wir es nur zulassen.
Die brennende Frage Luthers war: Wie kann ich gerettet werden?
Unsere Frage ist: Wie kann es mir besser gehen?
Ich möchte lieber Angst haben und Dich ehren als eine vermeintliche Liebe, die doch in ihrer Wirkungsarmut ihre Fragwürdigkeit offenbart.
Wenn ich Angst zulasse, kann ich in ihr den Wert entdecken, den sie schützen will. Dass ich keine Briefmarke in Gottes Album bin, die auch noch dazukommen darf. Sondern, dass meine Stellung zu Gott Gott selbst etwas ausmacht.
Das es die Wahl zwischen Seinem Hochzeitsfest und der äußersten Finsternis ist.
Nicht eine Wahl zwischen meinen Äckern und eine Party da hinten beim König.
Mein Acker wird seinen Schlund aufreißen und mich verschlingen wie Korach und seine Leute.
„Ich bin gekommen, Feuer vom Himmel zu werfen, und wie sehr wünschte ich, es wäre schon entzündet!“ (Lk 12,49)
Das Hochzeitsgewand
Viele sagen, es wäre die Vergebung Jesu – Sein Blut.
Hm.
Es spielt schon im Himmel, der Mann ist doch schon da.
Vielleicht:
Er nimmt am Festmahl teil – es ist aber ein Hochzeitsmahl.
Es geht um den Bräutigam – nicht um die Feier.
Wer in den Himmel will, um dort etwas zu genießen, bleibt in seinen Selbstliebe-kleiden.