Kontemplation und Begegnung

Sa 24.08.2024 Fest des Hl. Bartholomäus

Joh 1:45-51 Nathanael unter dem Feigenbaum

Das verbindende Puzzleteil

Meine Frau puzzelt gerade ein 3000 Teile Puzzle. Gestern habe ich ihr mit drei Teilen geholfen – es war der blaue Himmel.

Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn es ihr gelingt, Puzzleinseln zusammenzufügen. Also den Zusammenhang zwischen Gebieten, Verbindungen lange vorbereiteter Teile zu entdecken.

So auch in der stillen Zeit, der betrachtenden Zeit von Gott „unter dem Feigenbaum“.

Der Feigenbaum

Der Feigenbaum ist ein Symbol für Israel (Hosea 9:10). Zudem ist der Platz im Schatten des Feigenbaums ein Ort der Ruhe, der Betrachtung.

Nathanael

Der Name bedeutet „von Gott gegeben“. Er ist ein rechter Israelit.

So wie Jesus in Simon bar Jona Petrus, den Fels erkannt hat, so erkennt Johannes in Bartholomäus Nathanael, den von Gott gegebenen. Die synoptischen Evangelien nennen seinen Namen, den er in der Welt hat.

Nathanael kennt Jesus

Von seinem Platz am Feigenbaum.

Darum erkennt er Ihn auch so schnell wieder. Als den, der Er ist.

Wenn ich aus der Betrachtung komme, erkenne ich Jesus im Alltag.

Ich kenne ja Sein Wesen. Ich kenne Seine Sprache, ich rieche Ihn hier, am stillen Ort und erkenne Ihn am Duft im Alltag.

So habe ich es gestern erlebt, nach der Betrachtung der Gottesliebe.

Hast du das von Gott?

Oder sind das deine eigenen Gedanken. So wurde ich vor Kurzem gefragt. Und ich kann es nicht beantworten.

Sondern es ist eine Frage der Heimat. Des Stallgeruches. Des Abfärbens.

Der, der von Gott gegeben ist, ist auch Gottes.

Nathanael sagt: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!

Er sagt nicht: „Nach meiner Meinung“. Oder formuliert es als Frage: „Bist Du etwa der König von Israel?“

Nein – es treffen sich zwei Personen aus derselben Heimat, aus demselben Stall.

Ich kenne Dich von da her.

Nathanael wagt es

Er nennt Jesus „Sohn Gottes“.

Er weiß es nicht durch einen Glückskeks, oder ein Horoskop.

Selbst die Schriftforschung hat nicht gereicht – der Rabbi kommt aus Nazareth.

Er weiß es mit der Unwissenheit eines Liebenden. Ein Liebender liebt – ohne genau zu wissen.

Liebe ist die Entscheidung für den Anderen, der mir mehr ist als ich selbst.

Darum kann sie es wagen, ohne rechtes Geländer zu gehen.

Der Halt ist nicht das Wissen, sondern die Entschlossenheit nach Hause zu gehen – in die Heimat, aus der wir alle kommen.

Der Weg dahin ist lebensgefährlich. Er braucht eine gute Nase. Und die Nase wird geschult in der Betrachtung des Wortes (hier: der Thora).

Nathanael wagt es im Kairos, in diesem Moment. Er hat keine Probezeit, keine drei Tage, es mal mit Jesus zu probieren.

Ob ich Gott recht verstanden habe, erfahre ich in dem Moment des sofortigen Vollzuges. Ich sage, was ich höre und erlebe Korrektur oder Bestätigung.

Jesus bestätigt Nathanael in überwältigender Weise.

„Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen“.

Mut

Mut braucht Weisheit, so beschreibt es Josef Pieper in seinen Betrachtungen über die vier Kardinaltugenden. Weisheit braucht stille Betrachtung, Kontemplation, leises Lauschen.

Und der Mut muss auch um die eigene Tapferkeit wissen. Habe ich Angst zu fallen, habe ich Angst zu irren, kann ich nicht mutig sein.

Diese Angst hat mit einer Unklarheit über die eigenen Werte zu tun. Genauer: über die eigene Würde. Die Würde ist unveräußerlich – nur ich selbst kann sie verwerfen, indem ich nicht lebe, wofür ich bin – für wen ich bin.

Um das zu wissen, muss ich stille werden zum lauschen – denn die Welt sagt es mir nicht – auch wenn sie laut schreit.

Und dann begegne ich Ihm – z. B. in der Küche.

Ein Kommentar zu „Kontemplation und Begegnung

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