Do 29.08.2024
Mk 6:17-29 Herodes und der Täufer
Bei Markus findet sich die detaillierteste Darstellung dieses Geschehens. Der Kampf um Herodes.
Große Worte
Herodes redet groß. „Bitte von mir, was du willst … bis an die Hälfte meines Königreiches“.
Wollte er sein halbes Reich weitergeben – er, der doch später so hoch hinaus wollte, dass er daran zu Fall kam?
Er redet, bevor er denkt und verspricht etwas, das er doch nicht wirklich will.
So kann es passieren, dass jemand es ernster nimmt, als mit lieb ist.
Herodes geht zu weit
Herodes Antipas ist Sohn von Herodes dem Großen. Aber er herrscht nur über einen Teil (deswegen der Name Tetrarch, was ein Viertel bedeutet).
Er raubt seinem Bruder, der selbst keine Macht hatte, weil dessen Mutter in Ungnade gefallen war, die Frau. Gegen alle Ordnung und Religion. Vor allem ein Verstoß gegen sein Gewissen.
Sein Gewissen rebelliert – besonders durch Johannes, dem er gerne zuhört, den er fürchtet. Johannes weckt sein Gewissen. Herodes weiß.
Aber nun „dreht er die Musik laut“. Er betäubt sein Gewissen mit Lärm, mit Party und vor allem mit großen Sprüchen.
Achtung: Grosse Worte zeigen an, dass ich etwas tot-schreien will.
Nun tötet er Johannes, erneut gegen sein Gewissen. Wer den Weg eingeschlagen hat, wird Opfer seines Weges.
Ich meine noch die Kontrolle zu haben – habe sie aber längt verloren. Und auf diesem Weg ist das Gewissen das erste Opfer.
Worte sind erste Taten
Worte, die die eigene Bedeutung mehren sollen – aber auch relativierende, vertuschende, undeutliche Worte.
Worte sind Zeugen des Geistes, der in mir ist. Es sind entweder Worte von Prophetenmördern – oder Worte von Propheten (siehe gestern).
Herodes wird zum Prophetenmörder.
Verantwortung für den Bruder
Hätte Johannes, der Prophet, geschwiegen, wäre er schuld an Herodes Untergang. Hätte er in der Wüste geschwiegen, wäre er nicht zum Gewissen des Königs geworden. Und hätte er im Gefängnis geschwiegen, wäre er ebenso schuldig – auch an seinem eigenen Gewissen.
Ein Prophet, der schweigt, von dem fordert Gott das Blut dessen, der seinetwegen nicht vom Untergang bewahrt wurde.
Hesekiel 33:8 „Wenn ich zu dem Schuldigen sage: Schuldiger, du musst sterben!, und du warnst ihn nicht und redest ihm nicht, damit er von seinem sündigen Weg umkehre und sein Leben rette, dann wird dieser Schuldige zwar wegen seiner Sünde sterben, aber sein Blut fordere ich von deiner Hand.“
Kein „Berufsprophet“, aber doch Prophet
Ich bin verantwortlich dafür, was ich meinem Bruder sage. Zu Recht wird er auf mich zeigen, wenn ich aus Selbstschutz schwieg, obwohl mein Gewissen etwas anderes gesagt hat.
Niemand rettet sich selbst! Habe ich keinen Zeugen für die Annahme Jesu in meinem Herzen, werde ich als unecht verworfen werden.
Der Zeuge ist der Bruder, der meine Wahrhaftigkeit bezeugen wird – oder ist da nichts zu bezeugen? Eine Liebe zu ihm, die mich vielleicht ins soziale Gefängnis bringt – oder gar mehr.
Ich rette mich nicht selbst
Aber ich kann die Rettung ignorieren. Wer nicht ins Rettungsflugzeug einsteigt, dem nützt sein Kommen nichts. Nicht die Passagierliste (Taufe) rettet mich, sondern meine physische Anwesenheit.
Ignorieren bedeutet, mein Gewissen zu ignorieren.
Und mich weiter selbst um mich zu sorgen – z. B. dass ich Nachteile habe, wenn ich meinem Gewissen folge.
Sorge ich mich um mich, sage ich doch: Ich glaube nicht, das Deine Hand mich wirklich hält.