Ich lebe wie im Himmel

Sa 31.08.2024

Mt 25:14-30 Von den Talenten

Im Kontext lesen

Es ist wichtig, den Zusammenhang zu lesen. Beschreibungen derselben Sache mit unterschiedlichen Bildern. Vom Knecht, der meint, sein Herr komme noch lange nicht, von den zehn Jungfrauen, diese Geschichte und dann im direktenÜbergang vom Völkergericht.

Was ist das Zentrum, um das diese Texte gruppiert sind?

Nehmt ihm den einen Zentner weg

Und gebt ihm den, der schon zehn hat.

Alles andere wäre schlecht. Denn die Zentner symbolisieren die Macht, die jemand danach im Himmel hat. Keinesfalls darf dieser Mann begnadigt werden, er wäre ein Schaden für die zukünftige Welt.

Es geht nicht darum, ob uns Gerechtigkeit widerfährt. Sondern darum, ob es gerecht wäre, jemandem Verantwortung über andere zu geben, der sich selbst in den Mittelpunkt stellt.

Denn das tut der faule Knecht.

Er ist faul – das heißt er kümmert sich um seine Bequemlichkeit. Er ist ängstlich, das heißt, er denkt an sich, wie es ihm ergeht.

Das sind Indizien dafür, dass er im Himmel nichts zu suchen hat.

Was wäre richtig?

Der Raum des Wirkens ist: Schon jetzt auf den Himmel bezogen leben. Die zwei, die mit dem Zentner handeln, tun das im Blick auf den Herren, der verreist ist. Für sie ist Er gegenwärtig und sie dienen Ihm, jetzt, so als wenn Er da wäre. Sie sind „der Leib Christi“, der wirkt. Durch sie vermehrt Er sein Reich. Er erntet, wo Er nicht gesät hat, nämlich durch die Werke seines Leibes.

Der Dritte aber schneidet sich vom Dienst ab. Er ist im tun und lassen außerhalb des Reiches-Gottes.

Leben wie im Himmel

Ich bin geeignet für den Himmel, wenn ich heute lebe wie im Himmel.

Viele denken, im Himmel wird es ihnen richtig gut gehen, weil die Engel sie auf Hände tragen. Weil sie da getröstet und versorgt werden, sie entspannt leben können – in etwas wie im tollen Urlaub.

Nichts da.

Ich will dich über viel setzen

Der Himmel ist der Ort des Arbeitens. Schon das Paradies war ein Ort des Bebauens und Bewahrens.

Nicht im Schweiße meines Angesichts – das kam durch die Sünde. Aber aktiv und verantwortlich – für anderes (die Welt), für andere (Reich Gottes, siehe Weltgericht).

Jesus kommt aus dem Himmel zu denen, die nackt, krank und im Gefängnis sind. Er arbeitet. Vorher schon im Himmel (Schöpfung der Welt) und auch nach der Auferstehung.

Wo will ich sein?

Strafe ist Konsequenz meines Wollens. Ich bin in der Finsternis, wenn ich das Licht scheue. Wenn ich meinen Zentner in die Dunkelheit der Erde vergrabe, wird diese Dunkelheit auch die Meine sein. Denn mein Herz ist in Angst um mich – das aber ist Unglaube, Misstrauen und Selbstsucht – Finsternis.

Adam versteckte sich nach der Sünde, noch im Paradies. So war es aber kein Paradies mehr, denn dort herrscht Licht, Vertrauen und Offenheit. Er schloss sich selbst aus diesem Ort aus – sonst hätte er als Herr über das Paradies ebendiesen Ort zu einem Ort des Verbergends und der Dunkelheit gemacht.

So im Himmel. Wenn ich mit meinem ängstlichen Herzen dort sein würde, ich würde diesen Ort verdunkeln und ein Schrecken auf jenem lichten Hochzeitsmahl sein.

Wie will ich leben?

Meine Art zu leben bestimmt den Ort, wo ich sein werde. Genauer: meine Art zu leben macht den Ort zu dem Ort, den ich will.

Wenn ich mich in der Kirche weit nach hinten setzte, dann sitze ich in der Nähe der Finsternis. Wenn ich mich so weit wie möglich vom Nachbarn wegsetze, dann bleibe ich in meiner Dunkelheit. Wenn ich feige bleibe und niemanden anspreche, wird der Nächste, der sich nach einem Wort gesehnt hat, mein Verkläger im Himmel sein.

Ich bin entweder ein Stück Himmel in der Welt – oder ich werde in einer Welt leben müssen, die meiner Himmelsferne entspricht.

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