So 01.09.2024
Mk 7:1-8,14-15,21-23 Vom Händewaschen und von den Gedanken des Herzens
So einfach ist es nicht
Man kann vermuten, es ginge allgemein darum, zurück zum Ursprung der Gebote zu kommen. Dass die ergänzenden Gebote der Pharisäer weggelassen werden.
Auf heute übertragen: Einfach alle Ordnungen weglassen und mit Augustinus sagen: „Liebe nur, und dann tu, was du willst“.
Aber so ist es nicht. Wenn ich nicht verstehe, wie es zu diesen Zusatzordnungen gekommen ist, dann erkenne ich auch nicht, dass dies in mir genauso ist! Wie Unkraut, das sich überall dazwischen schiebt, drängt sich mein Denken und Sinnen zwischen dem lebendigen Gott und meinem Leben – und hat dies schon lange, lange getan.
Pflegeversicherung
In den ausgelassenen Versen nennt Jesus die Methode der Menschen, Gottes Gebote zu halten ohne Kontakt zu Gott zu haben. Es geht um die Versorgung von Vater und Mutter, um das vierte Gebot.
Die Pharisäer hatten einen Weg gefunden, wie sie ihr Leben weiter leben konnten, wenn die Eltern z. B. Pflegefall wurden, und dennoch ihr Gewissen mit Gedankenkonstrukten so zugedeckt haben, dass es ihnen gut ging.
Im Zuge des Umbaus der Gesellschaft zur Kleinfamilie hat das christliche Abendland den „Korban“ Pflegeversicherung erfunden.
Selbst ein partieller Zusammenbruch der Pflegeeinrichtungen weckt niemanden auf.
(Ein „Korban“ war eine fromme Methode seinen Besitz so umzudeklarieren, dass die Verpflichtung für die Eltern nicht mehr möglich war).
Wie gefährlich ist das?
Wenn ich nichts tue, werde ich genauso sein!
Wie denn?
So, dass aus meinem Leben all die Dinge kommen, die Jesus beschreibt. Und Jesus nennt nicht nur „List“, wie es mir zunächst plausibel schien. Schon dieses Wort heißt in Original „Betrug“. Sondern es stehen da Dinge wie Ehebruch, Mord, Gotteslästerung und anderes.
„So schlecht bin ich nun auch nicht.“
Viele Menschen halten sich selbst für recht gut – zumindest nicht für so schlecht.
Das aber ist schon ein Ergebnis dieser Methode des Denkens, die ständig danach Ausschau hält, wie meine Überlegungen mich in dem meinen beschützen können, mir dienen können.
Böse Gedanken
Jesus benennt als Anfang des Übels böse Gedanken.
Aus den Gedanken kommt Ehebruch.
Was? Ist nicht gerade der „Seitensprung“ der hier gemeint ist, eine Schwäche des Fleisches?
Jesus aber redet von den bösen Gedanken!
Was ist „böse“?
κακός kakós übel. Nicht unbedingt bösartig, sondern eher untauglich, ja feige.
Ich denke: feige beschreibt es am besten – ich kommt gleich darauf.
„Gedanken“: διαλογισμός dia-logismós Erwägung
Der innere Dialog.
Der innere Dialog ist dann falsch, wenn er nur mit sich selbst redet. Wenn ein Feigling mit dem anderen redet.
Was dann?
Als ich vor 38 Jahren in der dunkelsten Zeit meiner Sünde lebte, war ich gerade Christ geworden. Ich habe damals sehr viel richtig gemacht – bis auf das eine. Das eine war aber genau das, was Gott wollte.
Ich aber suchte mit Eifer in der Bibel Gründe, meinen Weg zu gehen. Und fand auch genug Bestätigung. Ich fand sie von Freunden und Pastoren, von anderen Christen.
Bis ich aufgab.
Aufgab, nur mit mir und für mich zu denken.
Erst als ich mit ganzer Offenheit, verzweifeltet Offenheit, fragte, was wirklich Du, willst, Du, lieber Vater, begann ein anderer Weg. Ein Weg durch das Tor der Selbstsucht hindurch, hinaus in die Welt des Himmels.
Ein tödlicher Dialog
All unsere Gedanken wollen zunächst und zumeist uns selbst dienen. Sie bauen ein Gespinst an Gründen für das, von dem sie (die Gedanken) meinen, es diene mir.
Es ist eine Burg, ein hoher Turm. Niemand schreitet einfach so heraus.
Den draußen lauert der Tod. Der Tod der Selbstsucht – das, von dem ich bisher dachte, es wäre mein eigentliches Leben.
Erst wenn ich Gott für so gut halte, dass Er mich mehr liebt als ich, und dass er mir nahe ist – dann kann ich in einen Dialog mit Ihm eintreten.
Ich nenne Ihm meine Vorbehalte, meine Ängste, meinen Kleinglauben – und Er nennt mir den Weg da heraus.