Di 03.09.2024
Lk 4:31-37 Jesus in Kapernaum. Vollmacht und Dämonenaustreibung.
Es ist gut, den Text von gestern und heute zusammen zu betrachten.
Ich ergänze also zunächst noch von gestern:
… gen Nazareth, da Er erzogen war.
Also in Jesu persönliche, nahe, vertraute Heimat. Dorthin, wo Er ernährt wurde (eine andere Bedeutung des Wortes trepho, das mit erzogen übersetzt ist). Mit all dem versorgt, was Sein Leben bisher ausgemacht hat. Seine Mutter, Seine Familie, Freunde, Nachbarn. Sein Arbeitsplatz, seine sozialen Beziehungen.
Seine Welt! Sein Paradigma?
Nicht nur Heimat
Auch Versorgung und Sicherheit.
Ich vermute, es meint für mich auch: Mein Weltbild. Der, der ich für mich bin und für andere bin. Meine Lebensrolle.
Ein wenig verwandt mit: Mein Ägypten.
Übrigens: Jesus geht nach Seiner Gewohnheit in die Synagoge. Das Wort „Gewohnheit“, das dort steht, ist: ethos!
Jesus läuft nicht weg
Sondern Er will zunächst dort wirken, wo Er herkommt.
Sie aber – sie wollen Ihn töten. Vom Berg stürzen – dem sich selbst für „oben“ halten.
Nun geht Jesus nach Kapernaum. Dort wird Er sehr bald in das Haus des Petrus eingeladen – eine Art neue Heimat?
Anknüpfung
Zuvor aber: eine ähnliche Situation in der Synagoge. Jesus macht nichts anders als zuvor. Immer ist Er ganz der, der Er ist.
Dieses Mal aber wird ein Dämon ausgetrieben. Ein Dämon, der zuvor herausschreit, wer Jesus ist. Die unsichtbare Welt erschauert.
Was war hier anders?
Petrus war da
Petrus wird in der Synagoge gewesen sein. Vermutlich mit seinem Bruder Andreas. Vielleicht die anderen Fischer auch (Jakobus und Johannes). Zebedäus, der Vater.
Denn sie laden Jesus gleich danach in ihr Haus. Das Haus der Großfamilie.
Ich erzittere, wie sehr Du beachtest, wer das sitzt.
Wie offen mein Herz ist.
Ein Wort zum Bitten
Mich bewegt, dass ich (und andere) oft um Dinge beten, die ich selbst in der Hand habe. Zum Beispiel: dass ich langsamer esse.
Klingt schön fromm, nach dem Motto, alles macht Jesus.
Es ist ein wenig so, als wenn ein Mann mit zwei Händen sagt, bitte gib mir zwei Hände, damit ich arbeiten kann.
Wir haben Dinge empfangen und es ist merkwürdig, darum erneut zu bitten. Ich habe z. B. den Willen empfangen.
Ich kann langsam essen.
Ich kann aufstehen und beten. Ich kann die Bibel lesen und aufhören, Netflix zu gucken.
Darum zu bitten ist ein festzurren dessen, was man in der Fachsprache „erlernte Hilflosigkeit“ nennt.
Petrus und Andreas waren Fischer. Sie haben gearbeitet und hatten beides: Kraft und Geduld für die ganze Nacht zum fischen.
Wie viel in die Netzte geht, ist etwas anderes! Erfolg ist nicht in meiner Hand.
Aber die Tat selbst.
Kapernaum
Jesus gibt in die Hände, die schon handeln, aber zugleich wissen, das alles, was in die Hände kommt, von Gott kommt.
In die Gewohnheit überrascht zu werden.
In die Gewohnheit, in die Synagoge zu gehen – auch im heidnischen Galiläa.
Ich sehe Jesus, ich höre Ihn – und ich bitte Ihn zu mir nach Hause.
Ich erkenne Seine Transparenz zu Gott hin – weil ich schon etwas von Gott kenne.
Siehe, hier bin ich – komm in mein Haus.