Bin ich wirklich ein Sünder?

Do 19.09.2024

Lk 7:36-50 Jesus vergibt der Sünderin, die Ihm die Füße küsst.

Der Pharisäer, der Jesus einlädt

Zunächst lädt er Jesus in sein Haus ein. Er möchte Ihn ein wenig kennenlernen. Wer ist dieser? Er serviert Ihm ein Essen und guten Wein.

Jesus aber nennt ihn jemanden, der wenig liebt, denn jene Frau offenbart eine ganz andere Liebe.

Weil ihm wenig vergeben ist, liebt er wenig. Denn was soll Jesus ihm groß vergeben?

Eher beurteilt er Jesus, als sich von ihm sein Herz zeigen zu lassen.

Warum kann nur Gott Sünden vergeben?

In Israel gibt es das Vergehen gegen andere Menschen, und die Sünde gegen Gott.

Schadet ein Mensch jemandem, ist es notwendig, den Schaden wiedergutzumachen und den Geschädigten um Vergebung zu bitten.

Ist das geschehen, kann um Vergebung bei Gott gebeten werden (erst dann!).

Vielleicht mit einer Opfergabe im Tempel.

Eine Sünde gegen Gott, z. B. Götzenanbetung oder die Übertretung des Schabbat, ist direkt mit den Priestern Gottes und damit Gott zu bereinigen.

In jedem Fall ist die letzte Vergebung bei Gott.

Was hat Liebe mit Sünde und Vergebung zu tun?

Sünde kann nicht einfach so weggewischt werden. Sie wird immer von jemandem bezahlt. Selbst Gott ist in Bezug auf Sünde Mensch geworden, um auf menschliche Weise unsere Schuld bezahlen zu können. Konkret und am eigenen Leib.

Jede Sünde von mir ist eine Ohrfeige in das Antlitz des Menschensohnes.

Warum vergibt Jesus mir??

Weil Er mich anderes sieht, als ich es mir vorstellen kann. Er sieht die Möglichkeit meiner Bekehrung, meiner freien Hinwendung zur Liebe dessen, der mich geschaffen hat.

Wie eine Mutter in ihrem Kind oft mehr sieht als das Kind selbst. Denn die Liebe hat andere Augen.

Ende der Rebellion

Die Sünderin beendet ihre Rebellion.

Das tut sie, indem sie Jesus erkennt. Wie ein Kind die Liebe der Mutter erkennen kann und aufhört, Drogen zu konsumieren.

Zuerst ist da: Ich sehe Du bist gut.

Meine Rebellion ist unberechtigt.

In dem Augenblick, in dem meine Rebellion endet, erkenne ich Zug um Zug klarer, wie unberechtigt, ja ungerecht meine Rebellion ist.

Der verlorene Sohn erinnert sich an die Gutheit seines Vaters. Er ahnt die Ungerechtigkeit seiner Rebellion.

Indem er das tut und umkehrt, erlebt er nun den Vater noch einmal ganz anders. Als den, der auf ihn allezeit gewartet hat. Um ihn zu umarmen – und ihm den Ring der Königs-sohnschaft anzustecken.

Rebellion hat Blindheit zur Folge

In der autonomen Beurteilung Jesu beim Essen im Hause des Pharisäers sind diesem die Augen gebunden – über seine eigene Rebellion.

Wer meint, er rebelliere nicht, der ist blind!

Die erste Frucht der Rebellion ist, dass ich nicht mehr sehen (hören) kann. Ja, kann.

„Wer Ohren hat zu hören“ – wer hat die schon?

Denn die Taubheit gibt mir die Illusion der Schuldlosigkeit.

Existenzielle Angst muss das Erkennen der Schuld verdrängen, betäuben, erschlagen.

So, so erst entsteht der Unglaube!

Der Unglaube, der das Opfer meiner Schuld tief unter die Erde verscharrt und sagt: kein Opfer, keine Schuld.

Ein kleines Fenster

Der Mut, die Annahme der Erkenntnis, dass die Liebe meines Opfers (Gott) zu mir größer ist als meine Schuld, blitzt immer nur für einen Moment auf.

Die Frau greift ihr Alabastfläschchen. Vielleicht der Lohn all ihrer Sünde. Sie geht in die Höhle des Löwen (das Haus des Pharisäers). Ungefragt und ungeladen zerbricht sie alles zu Jesu Füßen. Ihr Glaube sieht in diesem Moment: Gott ist doch gut, meine Rebellion trifft den, der mich liebt. Sie sieht Jesus, wie Er wirklich ist.

Jesus sieht ihr Erkennen (Glauben) und tritt durch diese Tür in den gemeinsamen Raum der Liebe.

Erkenntnis der Sünde ist eine Morgengabe Gottes an mich.

Ich sehe plötzlich meine Rebellion, weil ich den erkenne, gegen den ich rebelliere.

Zeit, einzutreten.

Nachtrag:

Beim suchen nach dem Wort Alabasterflasche fand ich einen herrlichen Text, den ich sehr empfehle:

Die Alabastaflasche

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