Das Fest der Buße

Sa 21.09.2024 Heiliger Matthäus

Mt 9:9-13 Berufung des Matthäus und sein Fest

Oîda – wissen

Jesus „sah“ Matthäus am Zollhaus sitzen.

Das heißt, Jesus erkennt: „Matthäus und das Zollhaus“. Das ist: das ganze Leben des Matthäus.

Oîda ist die Form des Sehens, die den anderen ganz erkennt.

Im Griechischen gibt es noch blépo = sehen und theáomai = anschauen.

Das griechische AT, die Septuaginta, benutzt Oîda an besonderen Stellen. Z. B. in 1.Mo 4:1: Adam „erkennt“ Eva (das ist mehr als Sexualität).

Dann in 2.Mo 3:3: „Ich habe das Leid meines Volkes erkannt.“ Gott selbst erkennt das Leid in der Tiefe Seines Herzens.

Und wunderbar in Ps 139:2: „Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen.“

Wen erkennt Jesus in mir?

Als Jesus in dieser Weise auf Matthäus schaut, erkennt er zum einen den Sünder. Matthäus am Zoll. Man könnte sagen, Matthäus versunken in seiner Welt des Geldes, der Macht.

Aber Jesus sieht mehr. Er sieht einen bußfertigen Mann. Er sieht Herrlichkeit.

Was siehst Du, wenn Du mich anschaut?

Verberge ich meine Sünde?

Tue ich das, werde ich auch nicht bußfertig sein.

Das Erste, was Matthäus nach seinem Erkannt-sein tut: Er feiert ein Fest der Buße. Denn Buße ist Herrlichkeit.

Zu dieser Herrlichkeit komme ich nur, wenn ich den Blick auf meine Sünde zulasse. Von dem, der tiefer schaut als auf den Aussatz meiner Schuld.

(Wer meint, ich rede zu viel von Sünde, komme sich selbst ein wenig näher).

Nicht Selbstmitleid

Ich sehe jemanden weinen.

Niemand bedauert ihn – und er fängt an zu zürnen, bitter zu werden.

Was ist das?

Das ist Selbstmitleid. Das Gegenteil von Buße – es ist abgrundtiefe Selbstliebe. Hier geschieht nichts Gutes, keine Heilung.

Tränen sind nicht neutral.

Weine ich um den, den ich bisher kalt und selbstsüchtig behandelt habe?

Oder traue ich meiner Selbstbeurteilung mehr als dem Blick Jesu?

Auch die Tränen um meine Schuld sollen Tränen ob der Opfer sein – nicht ob meines Aussatzes.

Ich erkenne es vielleicht daran, dass ich ein Fest der Buße feiere. Matthäus schildert es selbstkritisch. Er zitiert Jesus, der sagt: Ich bin der Arzt der Sünder. Und sagt damit, dass er, Matthäus, der kranke Mann ist.

Lukas schildert die Geschichte eines anderen Zöllners, Zachäus. Und dort feiert Zachäus ebenfalls das Fest der Buße – indem er allen erstattet, was zu erstatten ist, ja mehrfach erstattet.

Weder Armut noch Krankheit.

Die größte Not ist die Rebellion. Nicht Armut und Krankheit.

Darum ist auch das größte Freudenfest nicht ein Lottogewinn oder eine Heilung. Sondern das Ende der Rebellion. Siehe auch die Heimkehr des verlorenen Sohnes. Er bekommt nicht ein Stück Brot gegen den Hunger, den er bei den Schweinen hatte. Denn Hunger ist wenig gegen die Einsamkeit der Rebellion.

Sohnschaft

Heimkehr ist Heimkehr zur Sohnschaft. Zumeist nicht sofort entfaltet – aber als eigentliches Daheim-sein.

Darum schaue ich, wie Jesus ist – denn Er ist DER Sohn. An Ihm erkenne ich, was Sohnschaft ist.

Hier nun das Erkennen des Mannes am Zoll.

Wenig attraktiv für einen geistigen Mann. Der da. Jemand, der sich falsch entschieden hat. Der sein Heil in irdischer Wirksamkeit sucht. Ein reicher Mann, während ich vielleicht arm bin.

Ich will innehalten und schauen. Ganz zulassen, was das Herz mir vom tiefsten Herzen des Anderen zeigt.

Welcher Glanz des Herzens des anderen ist verhüllt in seinem falschen Weg? Ist etwa ein Apostel in diesem Mann? Gerade in diesem?

Ich öffne die Tür meines Herzens für den Anderen. Noch bevor ich weiß, was mich erwartet. Ich verbinde mich mit ihm – komme, was da wolle.

Ich nehme dein Joch auf mich, wie auch immer es ist.

So ist Jesus – so ist Sohnschaft, so kann ich sein und so will ich sein.

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