Familie Jesu – funktionieren die Bilder noch?

Di 24.09.2024

Lk 8:19-21 Jesus nennt die, die Gottes Willen tun, Mutter und Brüder

Unwirkliche Epoche

Worte wecken Assoziationen mit Wirklichkeiten, Erfahrungen, unerklärbaren Urzusammenhängen.

Wenn diese Bezüge schwinden oder sich auflösen, haben Worte mehr und mehr Schwierigkeiten, Botschaften über lange Zeiten hinweg erlebbar zu machen.

Konkret meine ich den Begriff Mutter und Bruder.

Ein Bruder

Paulus van Husen lebte in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Er war ein wichtiger Mann z. B. im Kreisauer Kreis, dem Kreis dem auch Stauffenberg angehörte (Attentäter auf Hitler).

Als der Bruder von van Husen starb, nahm er dessen Familie, Frau mit einigen Kindern, in sein Haus auf und sorgte für sie. Sorgte auch in teils schwerer Zeit für sie – er kam nicht dazu, eine eigene Familie zu gründen.

Ein wahrer Bruder ist der, für den man selbstverständlich sein Leben gibt. Wir geben in der Regel nicht einmal unser Leben für die eigene Ehefrau, sobald sie nicht mehr Teil meiner Selbstverwirklichung ist.

Das Leben geben heißt in der Ehe aber gerade nicht, sich selbst zu verwirklichen, sondern den anderen.

Wie schon geschrieben: Ein Bruder Jesu will nicht selbst glänzen, sondern den Bruder glänzend da stehen lassen (die Ehefrau).

Bin ich Bruder Jesu?

Ich bin Bruder, wenn die Freude Seiner Augen mir wichtiger als alles ist.

In Israel war der Glaube an die Auferstehung wenig wichtig. Die Familie lebt in der Dynastie weiter – ich lebe, wenn ich einen Sohn habe, in dem ich lebe.

Wer die Erzväter genau liest, wird erkennen: Es geht ihnen nicht um das ewige Leben, es geht ihnen ganz um die Familie, die Kinder, den, der mein Leben fortführt.

Niemand ist er selbst, jeder ist „Sohn von“ und „Vater von“.

Kann ich mich selbst so vergessen, dass Auferstehung mir wenig dringlich scheint, denn ich lebe in meinen Söhnen weiter?

Wie ich schon sagte, weckt Jesus nicht Tote auf, sondern: den Sohn der Witwe, die Tochter des Jaïrus, den Bruder von Martha und Maria.

Unser Denken ist abgrundtief selbstbezogen – so empfinde ich es. Wie soll ich Dich, Herr Jesus, verstehen? Lehre mich durch ein neues Herz.

Wer den Willen des Vaters tut

Nicht, wer richtig lebt und sich nichts zuschulden kommen lässt.

Jeder, der perfekt lebt, wird kein Bürger des Himmels sein.

Es geht in einem tieferen Sinn nicht um Ethik oder ein schuldloses Leben.

Es geht um Beziehung!

Um Beziehung zuerst zum Vater, indem ich Seinem Sohn ganz Bruder werde.

Darum ist rechte Demut auch kein Kleinsein. Welcher Vater will denn einen „kleinen Sohn“, ein Nichts?

Ein Vater will einen erwachsenen Sohn, voller Leben und Kraft. Einen Sohn, der ganz Sohn ist – wie er selbst.

Der das Herz des Vaters in die Zukunft trägt.

Das Herz des Vaters! Das meint keine Selbstverwirklichung.

Alles hängt daran, wer mein Vater ist.

Jesus redet hier nicht davon, dass Er schon alles getan hat

Im Vers 21 steht zuerst das Hören (siehe gestern).

Und dann steht nicht nur „tun“ da, sondern im Original steht selbst tun.

Das kann ein „niemand“ nicht. Sondern ich nehme die Gabe Gottes und vollziehe sie in meinem Leben. Die Gabe ist das Leben. Leben ist Selbstwirksamkeit.

Es geht nicht um ein getragen werden – sondern um ein selbst handeln.

Wer immer sagt „nicht ich habe es getan, sondern Gott“ läuft in Gefahr, die Gabe, die in seinen Händen ganz in seiner Verantwortung ist, zu vergraben.

Denke ich weniger daran, wer es tat, sondern mehr um was (oder wen) es geht, findet die Eitelkeit kaum halt an mir.

Das Gegenteil von etwas Falschem, wie Stolz oder Selbstbezug, kann und ist oft genauso falsch. Hier zum Beispiel Selbstverachtung. Achte dich weder hoch noch niedrig sondern achte auf deinen Bruder, wie er glänzend ist.

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