Mo 30.09.2024
Lk 9:46-50 Wer solch ein Kind in meinem Namen aufnimmt.
Siehe auch „Wer ist das Kind“ vom 13.08.2023 und „Darf Jesus mein König sein?“
Einüben in das neue Denken
Ich habe darüber nachgedacht, dass Macht das Instrument der natürlichen Welt ist. Jesus aber richtet ein Königreich auf, indem ich den Gehorsam gegenüber dem mich Liebenden suche.
Weil Du mich liebst, will ich gehorchen, will mehr das, was Du willst, als Du es von mir verlangst.
Das sagt sich leicht und lebt sich weniger leicht. Denn meine Natur steht dem entgegen, und ich suche in meinem Wesen erst Schritt für Schritt nach diesem anderen Leben und Denken.
Was hindert mich?
Die Sorge.
Vielleicht sollte ich es Misstrauen nennen, denn für mich als Jünger Jesu liegt diese Art „unschuldiger“ Sorge hinter mir.
War meine Sorge zuvor aus der Verantwortung für mich selbst noch begründbar, so weiß ich nun anderes.
Ich bin nicht länger mir verantwortlich, sondern Dir.
Und damit dann: dem Bruder.
So hindert mich die Sünde in der Wortbedeutung von „Sondern“.
Mein Maß an Liebe ist eine Art Kehrwert meines Maßes an Sorge.
Sorge sorgt in eigener Verantwortung.
Eine Antwort gebührt dem, der zu mir geredet hat.
Höre ich auf meine Sorge, antworte ich ihr – damit also mir selbst.
Höre ich auf meinen Geliebten, gilt meine Antwort (Verantwortung) Dir.
Prüfstein des Glaubens
Ist niemand da, der liebend für mich sorgt, wäre es Torheit, nicht um mich selbst zu sorgen. Ist aber der da, der alles Vertrauen verdient, ist es Kleinglaube, wenn nicht Unglaube für mich selbst zu sorgen.
Ich schaue auf konkrete Beispiele:
Kränkung
Kränkungen sind Zuschreibungen, die an meine Substanz gehen, an das, was mich am meisten ausmacht.
Eine Kränkung stellt mich selbst infrage – und ist deshalb ein idealer Prüfstein für das Zentrum meines Herzens.
Verstehe ich mich selbst z. B. als geistigen Menschen mit Verständnis des Reiches Gottes, kränkt mich besonders eine Infragestellung genau an dieser Stelle.
Verstehe ich mich als jemanden, der auf dem Weg der Selbstverleugnung ein Stück gegangen ist, empfinde ich eine Kränkung, wenn genau das infrage gestellt wird.
„Ein Stückchen vielleicht, aber es fehlt dir noch viel“.
Das darf ich mir tapfer selbst sagen – wenn es aber jemand sagt, der mir sehr nahe ist – puh.
Und gerade hier geschieht Reinigung und Heilung.
Entzug von Wirksamkeit
Ein Entzug von Wirksamkeit ist schmerzhaft. Woran erkenne ich, dass ich bin, wenn nicht an meiner Wirksamkeit?
Ein weiterer Schritt ist der Verzicht auf selbst gesuchte Wirksamkeit. Das Warten auf Gott. Nicht das Gute tun, sondern das Gebotene, vom Vater genannte, tun. Meist ist es genau das, was ich gerade nicht so gern tun möchte.
Verzicht
Verzicht auf selbst gesuchte, ja selbst gemachte Freude, Ablenkung, Erholung.
Wir leben zumeist im Tal irdischer Freuden und irdischer Geschäftigkeit.
Ich kenne auch eine Freude an Jesus – hin und wieder.
In der übrigen Zeit suche ich mir eben Freude oder mache sie mir, z. B. in dem ich Lobpreislieder singe – oder an einer wunderbaren Messe teilnehme.
Oder indem ich fein essen gehe, verreise oder sonst etwas Schönes tue.
Beispiel: Der gute Whisky
Vorgestern waren wir auf dem 70. sten Geburtstag eines guten Freundes in Thüringen. Sehr selten trinkt er auch gern einmal einen guten Whisky. So schenkte ihm sein Sohn einen ausgezeichneten Whisky.
Mein Freund bot einen anderen, bekannten, auch guten Whisky zum Vergleich an.
Viele nun bevorzugten den „guten“ gegen den Superguten.
Ich bin gewiss, dass das mit der Entwicklung unserer „Schmeckfähigkeit“ zu tun hat. Wir haben nicht sofort die Sensibilität für das feine, seltene, anspruchsvolle – auch ich nicht.
Ebenso ist es mit Dir, Herr Jesus.
Wer schnell den „guten Geschmack“ an Dir sucht, wird Dich nicht in der Tiefe kennenlernen. Wird nicht schmecken, was nur nach langer Zeit geistiger Verkostung zu schmecken ist.
Und er wird nicht in der Lage sein, dafür einen hohen Preis zu bezahlen.
Der bessere Whisky war etwa fünfmal teurer als der andere.
Du kostest auch immer mehr, je mehr ich Dich kennenlernen will.
Am Ende kostest Du mein Leben – in jedem Winkel seiner Existenz.