Di 08.10.2024
Lk 10:38-42 Maria und Martha
Sie sind Gemeinschaft
Jesus sagt nicht zu Martha, dass sie sich doch auch zu Seinen Füßen setzen solle.
Sondern Er spricht von Teilen, die gewählt werden, und die Teil eines ganzen sind. Arbeiten und Beten sind keine Widersprüche.
Martha hat Jesus ins Haus eingeladen. Und Martha wird in Joh 11 Jesus entgegeneilen, als es um Lazarus geht. Jesus spricht von Maria, als die Schwester der Martha und von Lazarus als den Bruder der Schwestern.
Ein Beter ist niemals ein Beter für sich, sondern zumindest immer für das Haus. Ich habe gestern gesagt, Jesus kommt nicht für mein Heil, Er erlöst mich nicht zu meinem Heil – sondern zum Heil meines Bruders, meiner Schwester, und dessen, der schon im Grab liegt.
Zu Jesu Füßen
Maria setzt sich zu den Füßen des Herr und hört Seinen Worten zu.
Beten ist also zumeist kein Reden, sondern Hören. Ich liste auf, was ich hier sonst noch von Maria lerne:
- Maria hört, was Jesus redet. Nicht was sie wissen will, sondern was Er sagen will. Jesus ist aktiv, ich lerne zuhören.
- Ich tue es zu Füßen Jesu. Dort ist der rechte Ort. Gott ist Gott, nicht ein Kollege oder Kumpel. Mein Herz weiß nicht, was es fragen soll, es muss erst vertraut werden mit dem Herrn. Es ist der Herr, der, dem ich dienen will, in Seinem, nicht in meinem.
- Maria rechtfertigt sich nicht. Oh, welch eine köstliche Haltung. Hätte ich nicht schnell den Impuls gehabt, mich zu rechtfertigen, wenn mir der Vorwurf der Faulheit gemacht wird?
- Sie bezahlt den Preis, kein sichtbares Werk, keine offensichtliche Dienstleistung zu erbringen. Ich vollbringe auch wenig Werke und baue kaum am sichtbaren Reich Gottes – aber ich habe das nicht immer schweigend hingenommen.
Nicht ohne Johannes 11
Nicht ohne die Geschichte der Auferweckung des Lazarus.
Nur mit den Details dort erkenne ich, dass Jesus Martha liebt wie Maria und ebenso Lazarus.
Jesus wird Teil der Familie. Der Familie!
Martha lädt ein, Maria lauscht.
Martha nennt Jesus den Christus und ohne den Glauben der Schwestern gäbe es keine Auferweckung des Lazarus.
Mir scheint, es wird unterschätzt, wie sehr unsere Tränen und unser Glaube Bedingung für das weitere Ergehen der Verstorbenen ist.
Viele (evangelische) glauben, mit dem Tod wird der Gestorbene in eine ganz eigene, immer positive Dynamik entlassen.
Wieso denn?
Und im Blick darauf ist der Weg der Schwestern unbedingt ein gemeinsamer Weg. Niemand hat an sich selbst genug.
Martha nicht – aber ebenso Maria nicht.
Praxis
Wenn es in einer Familie keinen Beter gibt, schadet das allen!
Zumindest einer muss diesen Teil ausfüllen, diesen Teil ergreifen.
Es ist der Arm, an dem Jesus der ganzen Familie gutes tun kann.
Ein Beter ist ein Hörer, der so lange hört, bis er den Messias in Seiner ganzen Gegenwärtigkeit erkennt.
Der alle ansteckt und Jesus nicht nur den Grund gibt zu kommen – sondern auch zu bleiben.
Er verzichtet darin auf den Ruhm eines sichtbaren Werkes.
Er achtet aber das Werk der „Schwester“, die Jesus aktiv einlädt, auch indem sie (die Schwester) Ihm ein gastfreundliches Haus bereitet.
Aufgeräumt und schön, mit liebevoll bereiteten Speisen.
Schaue, was fehlt, und erfülle deine Berufung. Nicht für dich, sondern für das Haus.
Dieses Haus ist ein Typos.
Aus diesem Haus offenbart sich das ganze Thema Auferstehung.
Dazu bei Gelegenheit mehr.
Anhang:
Zum Begriff des Typos:
Ein Typos (griechisch für “Vorbild” oder “Abbild”) ist eine präfigurierende Darstellung oder Symbolik im Alten Testament, die auf eine zukünftige, endgültigere Realität im Neuen Testament hinweist. Es handelt sich um eine Form von biblischer Hermeneutik, bei der Ereignisse oder Figuren des Alten Testaments als “Vorbild” (Typos) verstanden werden, die eine “Antitype” (Gegenbild) im Neuen Testament haben. (KI)