Sa 12.10.2024
Lk 11:27-28 Selig ist die, deren Leib Dich geboren hat… Ja, und mehr noch die hören und bewahren.
Zusammenhänge
In Evangelium Tag für Tag wird Edith Stein zitiert. Der dort genannte Psalm 104, 30 ist ähnlich dem in Psalm 145,15+16 genanntem.
Der wiederum ist die Grundlage des Musikstückes von Heinrich Schütz: „Aller Augen warten auf Dich“.
Heinrich Schütz ist ein genialer Komponist gewesen. Hier das Lied: Aller Augen.
Ich habe es im Chor oft gesungen und schon nach zwei, drei Worten fesselt und überwältigt es mich.
Die Speise Gottes
„Aller Augen warten auf Dich, und Du gibest Ihnen ihre Speise zu seiner Zeit.“
Was ist diese Speise?
Es ist Dein Wort, Dein heiliges, sättigendes, wandelndes, schöpferisches Wort.
Der Mensch braucht das irdische Brot. Er braucht es, leiblich gesättigt zu werden.
Aber diese Speise sättigt den Menschen nicht im Inneren, in seinem eigentlichen Menschsein.
Die Frau ruft Jesus zu: Selig die Frau, deren Leib Dich geboren hat, an dessen Brüsten Du gesogen hast.
Und Jesus sagt ja dazu. Das Wort, das da steht, ist:
μενοῦν men-oûn(-ge) vielmehr; aus μέν mén zwar + οὖν oûn daher (Strong-Bibel).
Ein „viel mehr“ reduziert das bisherige nicht. Es überbietet das schon richtige.
Leib und Geist
Ich deute es leiblich und geistlich. Der Leib ist unverzichtbar.
Auch leiblich-seelische Dinge sind gut.
Geborgenheit, Wärme, Nähe, Fürsorge, Freundlichkeit, Verlässlichkeit u.s.w.
Nun wird dies überboten (ohne es aufzuheben) vom Wort Gottes.
Warum ist das Wort mehr als alles andere?
Ich lasse mich von Edith Stein inspirieren:
In der stillen Zwiesprache gottgeweihter Seelen mit ihrem Herrn werden die weithin sichtbaren Ereignisse der Kirchengeschichte vorbereitet, die das Angesicht der Erde erneuern.
Das Wort gebiert im Menschen das je neue.
So wie in Maria das empfangene Wort der Menschheit Jesus Christus gebracht hat.
Praxis
Es steht dort, dass das Wort gehört und bewahrt werden soll. Bei bewahrt steht etwas wie „bewachen, behüten, bewahren“.
Was ist normalerweise in meinen Gedanken? Welche Worte?
In meinem horchen auf Gott, gerade vorhin, meldete mein Handy, das unser Auto nun voll geladen ist. Das ist wichtig, weil wir gleich in den Urlaub fahren wollen.
Ich schaute kurz hinein, welche Reichweite das bedeutet.
Dieser Moment war sehr bequem – im Verhältnis zu dem zuvor konzentrierten Lauschen auf Gott. Ich spürte die Versuchung, gleich noch nach dem Wetter zu schauen – aber die Botschaft, die dieser Andacht zugrunde liegt, bewahrte mich davor.
Ich kann offenbar mit Willenskraft und Entschlossenheit auf die Stimme Gottes lauschen – oder mit Leichtigkeit und ohne Mühe auf die Stimme irgendeiner Nachricht, die auf mich zukommt.
Gottes Wort zu erlauschen und diesen Ort zu bewachen, behüten und zu bewahren ist keineswegs ein Automatismus – aber es ist möglich!
Heinrich Schütz zu singen bewegt mein Herz – das ist leicht.
Mein Herz zu beruhigen und die „Landebahn für Gottes Herz“ zu bereiten ist nicht so leicht.
Welchen Reizen setze ich mich aus
Eine Schlacht wird in der Stille vor der Schlacht entschieden – nicht im Kampf selbst.
Der Übergang vom Geist zum Leib findet dort statt, wo nichts anderes ist, als dieses hören wollen und dieses bewahren wollen.
Es ist schwerer als die übrige Arbeit des Tages zu tun.
Schwer, aber möglich, ich bezeuge es.
Und das Erbe ist kostbarer als alles.
Ich sehe: In keiner Epoche der Menschheit und an kaum einem Ort mehr als hier sind wir Menschen, wir Christen, den Reizen von außen ausgesetzt – Reizen, die das so Wichtige in Beschlag nehmen, was wir haben: Die Aufmerksamkeit.
Es sind Nachrichten von außen. Überhaupt die Fremdsteuerung durch Impulse – nicht Aufgaben.
Eine Aufgabe ist zumeist nicht spontan – diese Reize aber schon.
Cal Newport schreibt es: Das Handy ist nicht verboten – aber entscheide du, wann du es nutzt und lass das nicht das Handy entscheiden.
Der Psalm sagt, dass in dem Geschehen, das Edith Stein beschreibt, das Antlitz der Erde erneuert wird.
Nicht in den Werken – in dem Hören verändere ich die Welt zu Dir hin, Vater.