Kann der Hl. Geist durch mich reden?

Sa 19.10.2024

Lk 12:8-12 Bekenntnis vor den Menschen und Zeugnis vor Gerichten

Keine Privatsache

Wenn mein Glaube und meine Beziehung zu Gott mein Leben umfassen, kann es ebenso viel und wenig „privat“ sein wie mein Leben insgesamt ist – also je nach Situation, alles zu seiner Zeit und in seiner Verantwortung.

Mein öffentliches Bekenntnis fließt aus meiner persönlichen Beziehung.

Ebenso aus meiner Kenntnis und meiner Erfahrung.

Aber es geht darüber hinaus: Ich entscheide mich dafür, der zu sein, der ich bin.

Das ist mehr – es ist ein Blankoscheck für die Zukunft, eine ungewisse Zukunft.

Wenn ich Vorbehalte für die Zukunft habe, dann wäge ich ab, welches Risiko ich eingehen will. Was könnte passieren und will ich das riskieren?

Gott will mich nicht in die Öffentlichkeit rufen, ins Zeugnis, in die Verantwortung, wenn Er fürchten muss, ich würde obige Rechnung aufmachen. Eine Rechnung, ob ich es mir leisten will, mich so zu bekennen.

Es geht nicht darum, alles herauszurufen, was Zeugnis ist. Es geht darum, bereit zu sein, mich dazu rufen zu lassen. Das ist nicht selbstverständlich.

Vor Menschen bekennen

Das ist damals oft gleichbedeutend mit dem, was wir mit Martyrium verbinden.

μάρτυς (mártys): „Zeuge“.

Die Zeit ist nicht fern, in der ein Zeugnis für Christus mit sozialen, wirtschaftlichen oder körperlichen Nachteilen verbunden ist. Vielleicht mit öffentlicher Verleumdung oder der Suche nach Fehlern an mir. Und vielleicht auch mit Konsequenzen für meine Familie – ungeachtet ihrer eigenen Haltung.

Kann der Hl. Geist durch mich reden?

Jesus verheißt, dass Er es tun wird, wenn ich vor Gerichten nicht weiß, was ich sagen soll.

Aber der Hl. Geist ist kein Dämon, der einfach in mir oder durch mich redet, wie Er will. Er ist ein Freund, jemand, mit dem ich so vertraut bin, wie mit meiner Frau.

Wie oft weiß ich, was richtig ist, indem ich sie, meine Frau, anschaue und sehe, was zu tun ist. Sie weckt durch ihren Blick das in mir, was lange Jahre und das Werk der Liebe bereitet haben. Es ist wie ein Erinnern an etwas, das ich nur nicht präsent hatte.

So spricht der Geist Gottes: Er erinnert mich.

Es ist möglich, dass Er in einem vertrauten Freund darüber hinausgeht und mit meiner Zustimmung unerwartet Neues sagt – aber das ist die Ausnahme.

Du, Herr, Heiliger Geist, bist Freund. Ein feiner, sensibler Freund. Ich will mit Eifer vermeiden, Dich zu betrüben. Ich will mit Dir vertraut sein in allen Momenten des Alltages.

Ich will mein Gewissen reinigen und rein halten, um Dir einen Ort zu geben, an dem Du gerne wohnst.

Ich will meinen Acker pflügen, auf dass Du guten Boden hast.

Es ist, wie das Spannen von Saiten auf einer Harfe. Eine gewisse Mindestzahl ist nötig – aber mehr noch die richtige Spannung jeder Saite, damit sie beim Zupfen den rechten Ton gibt.

Dann kommst Du und spielst Dein Lied auf ihr.

Du, mit Deinem absoluten Gehör, Deinen zarten Ohren und Deiner großen Liebe.

Israel

Wenn der Kleinste unter Deinen Knechten geschlagen wird, schweigst du nicht. Du suchst Menschen, durch die Du rufen kannst.

Wenn ich mir vorstelle, allein mit einem Schild für Israel auf dem Markt zu stehen, wünsche ich mir ein Repertoire an Argumenten für jeden Vorwurf.

Doch dann zeuge ich nur von mir.

Und zugleich wirst Du mich nicht wie eine Trompete spielen, die nicht weiß, was sie tut. Sondern Du bist Harfenspieler.

Ganz in Deiner Hand zu sein – ach, immer noch gibt es Furcht.

Nicht nur Furcht vor anderen – auch Furcht selbst in Eifer oder gar Bitterkeit falsches zu sagen. Menschen falsch anzusehen.

Ein Zeuge ist kein Feind von irgendjemandem.

Ich höre erneut:

Wer nicht für Israel schreit, hat auch kein Recht, gregorianisch zu singen (siehe Andacht vom 07.10.2024).

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