Nicht Jesus allein

Mo 28.10.2024, Hl. Simon und Hl. Judas (Apostel)

Lk 6:12-19 Berufung der zwölf Apostel und Heilung aller.

Und was ist mit Matthias?

Es gibt eine Auswahl durch Jesus. Zwölf Apostel.

Es waren aber viele Jünger da. Z. B. Josef Barnabas Justus und Matthias. Sie wurden nicht von Jesus erwählt.

Wie fühlen sie sich?

Sind sie enttäuscht und gehen nach Hause?

Luther redet von drei „sola“: Schrift, Glaube, Gnade. Und manchmal wird noch Sola Christus genannt.

Jesus aber redet von zwölf Aposteln und nimmt in Kauf, dass nicht alle Jünger Apostel sind. Hätte man „Jesus allein“ hätte man diese Enttäuschung nicht.

Aber schon Mose war nicht Mose allein.

In 4. Mo 11:16-17 nimmt Gott vom Geist, der auf Mose liegt, und legt ihn auf 68+2 Älteste des Volkes.

Und schon damals: Merkwürdige Sonderfälle mit Eldad und Medad. Hier mit Judas und Matthias.

Matthias und Justus werden von den elf Aposteln benannt. Als solche, die von Anfang an dabei waren, bis zum Ende.

Matthias blieb also bei Jesus, die ganzen Jahre, ohne Berufung, ohne von Jesus genannt zu werden.

Matthias ist nicht weniger Apostel als die anderen – aber der erste Apostel, den die Kirche hervorgebracht hat.

Ich nenne die Konsequenz:

Autorität

Apostel reden und entscheiden im Namen Jesu und in der Vollmacht Jesu.

Der Aufbruch des Individualismus mit der Ablehnung von Autoritäten hat zwar den Missbrauch falscher Autoritäten verringert – dafür Irrtum, Einsamkeit und Chaos hervorgebracht.

Es war oft Thema: Das Gegenteil des Falschen ist noch lange nicht das Richtige, und die einfache Abschaffung der Sache, an der etwas falsch ist, führt in Armut und am Ende ins Nichts (siehe Text gestern).

Bindung

Jesus bindet sich an den Vater – und auch an die Apostel. Er verwirft niemanden von ihnen und wäscht noch am letzten Abendmahl auch dem Verräter Judas die Füße.

Jesus löst keine Bindung.

Der große Bindungslöser ist der Vater der Rebellion. Er operiert immer mit dem Misstrauen in die Bindung.

An dem Tag, als ich gezeigt bekam, dass Gott sich an meine Frau gebunden hat und ich Ihn nicht ohne sie haben kann, kam die große Wende in unserer Ehe. Heute um 10:00 Uhr werde ich im Radio Horeb darüber Zeugnis geben.

Bonhoeffer sagt (in „Gemeinsames Leben“): „Wer nicht allein sein kann, hüte sich vor der Gemeinschaft. Wer nicht in der Gemeinschaft steht, hütet sich vor dem Alleinsein“.

Beides kann nicht ohne das andere sein. Gerade nicht alternativ, sondern zugleich – nur zugleich.

Jesus hat die Welt geschaffen – er könnte jederzeit eine Neue schaffen.

Das Wesen Gottes ist aber niemals Nichtung – sondern Bindung.

Wenn das andere in die Gefahr der Nichtung gerät, bindet Er sich so sehr daran, dass das Andere Ihn mit ins Nichts zu reißen droht (in den Tod) – aber gerade darin offenbart sich das Wesen Gottes: bedingungslose Bindung, Liebe bis in den Tod – ja über den Tod hinaus.

In dem täglichen Abschnitt der jüdische Lesung für heute ist die Rede von den Tränen um einen Gestorbenen. Diese Tränen haben vor Gott Bedeutung – ja in gewissem Sinne Macht.

Die Tränen derer, die verbunden sind, sind denen ähnlich, die Jesus um Lazarus weinte. Seine Freundschaft mit Maria, Marta und Lazarus rief den Toten aus dem Tod.

Wenn niemand da ist, der um mich weint, werde ich im Tod bleiben. Aber das ist egal – denn wenn ich niemand habe, den meine Tränen aus dem Tode reißen, gehöre ich sowieso nicht zum Reich dieses Vaters.

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