Do 31.10.2024
Lk 13:31-35 Feindschaft des Herodes, Klage über Jerusalem
„Zu dieser Stunde“
So fängt der Text an. Offenbar hängt dieser Text mit dem von gestern zusammen.
Gestern ging es um den dringenden Weg durch die enge Pforte.
Jesus ist eigentlich Botschafter von der Welt hinter der engen Pforte, des Todes der Selbstsucht und Selbstliebe.
Dennoch schildert Jesus Seinen Weg weg von der äußeren Wirksamkeit, hin zum Ort des Leidens und hindurch.
Du, als ganz uns Menschen liebender, gehst den Weg, den eigentlich nur wir gehen müssen. Wir, die wir die Menschen weniger lieben als uns selbst.
Und mit dem Hindurchgehen durch Leid und Tod ist deutlich: Es gibt kein mehr oder weniger. Sondern nur den Tod, den Tod der Selbstsorge, der Selbstverwirklichung.
Weg nach Jerusalem
Jerusalem ist die Stadt, die ihre Propheten steinigt und die den Erlöser nicht will.
Genau in diese Stadt geht Jesus nun.
Obwohl Er weiß, dass Jerusalem Ihn nicht annimmt geht Er dorthin.
Im Kleinen:
Es geht darum, der Selbstsucht genau an der Stelle zu sterben, wo sie am stärksten ist. Kein cleveres Vermeiden, keine Technik allein, schützt mich vor dem, was mir am meisten im Wege ist, weil es vielleicht meine Gabe ist, oder mein Erfolg.
Im Größeren:
Die Kirche geht nicht in eine glorreiche Zukunft.
Zwar ist es jetzt noch nötig „Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben“. Aber daraus wird keine starke Kirche mehr erwachsen.
Sondern auch die Kirche wird ihren Weg durch das Martyrium gehen und viele werden mit dem Finger zeigen und spotten über ihre Armseligkeit – ja ihr sterben.
Es gibt viele Kranke – gerade in der Jugend nimmt psychische Erkrankung in den letzten Jahren rasant zu.
Es gibt viele Dämonen, die man heute nicht Dämonen nennen darf. Ich denke dabei an Abtreibung und geschlechtliche Entgleisungen. Aber auch an die Unklarheit das Christus der Einzige Weg zum Heil ist – auch für jemanden der jetzt Moslem ist.
Der „König der Welt“ will mich und uns töten. Und es gab Zeiten, in denen Jesus ihm ausgewichen ist.
Dies Zeiten enden nun. Ob es ausnahmen gibt weiß ich nicht.
Wirksamkeit für die letzten zwei oder drei Tage (wie Jesus sagt) gibt es nur als Kirche die das Martyrium nicht scheut.
Und sie setzt sich zusammen aus Menschen, die sich selbst gestorben sind und darum die soziale Bedrängnis und den sozialen Tod nicht scheuen – vielleicht auch mehr.
Vollendung
Jesus spricht davon, das Er in Jerusalem vollendet wird.
Vollendung kennt kein „mehr“. Man ist vollendet oder nicht.
Wachstum ist vorher – jetzt wird nach den Früchten gefragt.
Vielleicht noch zwei, drei Tage (symbolisch), also eine sehr kurze Zeit.
Der Baum wird umgehauen, mit und ohne Früchte.
Hat er aber Frucht, wird es neues, vollkommenes Leben sein.
Bei Jesus war es ein Abschied von Lokalität und Unmittelbarkeit.
Du bist der Welt in den Jüngern gegenwärtig, die Kirche kennt Dich nicht mehr so, wie die Apostel.
Wie es mit der Wirksamkeit von uns aussieht ist eine zentrale Frage. Sie entscheidet sich in diesen kommenden „Tagen“.
Viele Christen wollen noch eine Weile fröhlich sein – vor der Stadt Jerusalem. Der ein oder andere wird vielleicht von jemandem getragen werden – insgesamt aber ist es in kürze Zeit, die Wüste aufzusuchen.