Verborgenheit

Do 14.11.2024

Lk 17:20-25 Vom Kommen des Reiches Gottes.

Reich Gottes und Menschensohn

Zum einen sagt Jesus, das Reich ist nicht sichtbar. Es ist inwendig in denen, die dazu gehören. Etwas später ist von einem Blitz die Rede, der sehr sichtbar ist – der Menschensohn selbst.

Aber was sind die dunklen Bilder von dem Sehen und nicht Sehen? Von einem Tag des Menschensohnes?

Erkennen und sehen

Im Vers 22 ist zuerst von dem Sehen die Rede, das im Original oîda heißt. „Wissen“, tiefsten Wissen von Gott und Seinem Willen.

Hier konkreter in Bezug auf den Tag des Menschensohnes.

Ich vermute, es meint: das Wirken des Menschensohnes.

Erkenne ich Jesus in der Welt?

Gegen Ende der Zeit wird Jesus immer schwerer erkennbar sein – und zugleich wird die Sehnsucht nach Seiner Wirklichkeit und Seiner Wirksamkeit bei den Jüngern groß werden.

So wie man in den Stunden und Tagen ab dem letzten Abendmahl, Jesu Wirken nicht sehen konnte. Auch die Jünger konnten es nicht.

Das zweite „Sehen“ in Vers 22 ist ‭ὀπτάνομαι‭ optánomai ‭sich sehen lassen.

Sowohl am Kreuz als auch am Ende der Zeiten wird die Wirksamkeit Jesu verborgen sein. Der Tag ist geschwunden – in die Nacht hinein.

Persönlich

Viele Heilige sprechen von der dunklen Nacht des Glaubens. Ein Erleben für Menschen, die in ihrer Nachfolge sehr weit gekommen sind.

Vielleicht wie die Witwe von Zarpat. Gott kannte sie genau – und vermutlich kannte sie Gott. Aber dennoch sah sie nur noch das letzte Mahl vor dem Sterben von beiden – sich selbst und ihrem Sohn.

Ihr Sohn – die Hoffnung der Witwe. Ihr eigenes Sterben wäre leicht – aber das des Sohnes -.

Solch schwere Prüfung der Hörbereitschaft ist vermutlich selten – aber Gott sucht nach Menschen dieser Art.

Der Mensch Gottes wird zu großem Begehren herausgefordert – nicht zur Resignation. Und in dem wird Gott sich eine Weile verbergen – bis der herrliche Tag des Sohnes kommt.

Ein Trostwort, das Sehnen nicht aufzugeben, es hat einen großen Lohn. Ein Lohn für das Reich Gottes.

Gott wird sagen: Da ist immer noch ein treuer Knecht. Er ersehnt mich, ohne auch nur ein kleines Licht von mir zu sehen.

Siehe – er ist Antwort auf mein Sehnen nach dem Menschen.

Kirche

Die Kirche pocht auf die Zusage an Petrus, das die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden.

Ich vermute sehr, dass die Kirche es zu romantisch deutet.

Auch Israel hatte (und hat) diese Verheißung – und wurde in alle Winde zerstreut.

Die dunkle Nacht wird auch die Kirche betreffen.

Das Licht wird erlöschen und ein Rest wird in die Wüste des Glaubens geführt. An eben jenem Ort werden sie bewahrt für die Zeit danach.

Aus Gottes Sicht ist das der Höhepunkt der Kirche – aus menschlicher Sicht der völlige Untergang.

Was dem Haupt widerfahren musste, wird dem Leibe nicht erspart bleiben.

Wenn der Herr wiederkommt, wird offenbar, welche Knie sich nicht gebeugt haben vor dem Herren der Welt. Und es werden überraschend viele sein, auch wenn der einzelne dachte, er wäre allein übrig (wie Elia).

Noch ist ein Rest Tageslicht. Es eilt, jetzt zu wirken, bevor die Nacht kommt, in der niemand mehr wirken kann.

Die Witwe hat gewirkt bis zum letzen Holzscheit, bis zum letzen Bissen und bis zum letzen Tropfen Öl.

Und es blieb ihr überraschend lange ein wenig Mehl und etwas Öl im Krug.

Darauf hoffe ich.

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