Di 26.11.2024
Lk 21:5-11 Das Ende des Tempels, die Vorzeichen
Der Text
Angesichts der Pracht des Tempels spricht Jesus davon, das kein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht zerbrochen werde.
Zuvor werden schreckliche Dinge geschehen. Viele werden in Jesu Namen kommen. Krieg und Aufruhr werden sein, ein Volk gegen das andere. Hungersnöte und Erdbeben.
Und große Zeichen am Himmel.
Der Text ist der erste Baustein der Reden Jesu über die Endzeit.
Die Gemeinde mittendrin
Jesus sagt es auch zu den Jüngern (siehe Parallelstelle bei Markus). Die Gemeinde, die Kirche, ist Bestandteil des Geschehens.
Der Tempel ist Bild der Kirche.
Insofern scheint mir die Abspaltung durch Luther der Anfang der Endzeit zu sein. Ein Rufen „hier ist es richtig, hier ist Christus.“
Mir scheint, die Gemeinde/Kirche ist nicht nur nicht „entrückt“, sondern sie ist geradezu Objekt des Geschehens.
So wie am Leibe Israels die Striemen und die Schmerzen Jesu offenbar geworden sind und weiter offenbar werden, so auch die Kirche.
Die Welt kann die Prüfungen von Krieg und Erdbeben kaum verstehen – aber die Kirche, wir Christen.
Sind wir wirklich auserwählt, so wird es am Zerbruch erkennbar sein.
Vor dem Zerbruch kommt die Verbindung
Erst vor dem Hintergrund des Hohenpriesterlichen Gebetes Jesu ist der Schmerz des Zerbrechens in seiner Tragweite spürbar.
Zuerst ist es nötig, die Einheit zu suchen. Aneinander zu bleiben – in der Liebe, in der Ordnung.
Ohne dem ist das Salz nicht Salz – und ist zu nichts zu gebrauchen.
Wer sein persönliches Heil, sein eigenes Ergehen und seine eigene Rettung vor das der Gemeinde, der Kirche stellt – der gehört nicht dazu. Vielleicht gar nicht.
Wer den anderen nicht mehr liebt als sich selbst – der ist noch Bestandteil der Welt.
Aufruhr, Kriege, Erdbeben, ein Volk gegen das andere …
Das ist alles Ausdruck desselben innerhalb der Kirche.
Die Kirche ist die Ursache von Heil – und Unheil.
Ist sie nicht in der Einheit ist sie Spaltaxt für die Welt.
Es wird geschehen, dass die Gemeinde/Kirche so erschüttert wird – nicht zur Vernichtung – sondern zur Heiligung. In diesem wird eine „kleine Herde“ bleiben. Brüder, die sich nicht verlassen, die zueinander stehen, wie sie zu Christus stehen.
Die nicht fliehen, wenn der Wolf kommt. Die am Hirten und in Gemeinschaft das Heil suchen.
Kein Bericht – ein Schrei
Manche lesen den Text wie einen Bericht. Wie sie die Tagesschau gucken. Aus einer Distanz, einer Unbetroffenheit.
Jesus aber nicht.
Er erleidet, was Er vorhersagt. Seine Tränen vor Jerusalem sind Seine Tränen über die Kirche. Der ganze Text ist ein Schrei Jesu, ein Schmerzensschrei, angedeutet in Sieh, welch ein Gott.
Erschütterung offenbart das Unerschütterliche.
Hebräer 12, 26–27 (Lutherbibel 2017):
„Seine Stimme erschütterte damals die Erde; jetzt aber hat er verheißen und gesagt: Noch einmal will ich nicht allein die Erde bewegen(1), sondern auch den Himmel.
Dieses »Noch einmal« aber zeigt an, dass das, was erschüttert wird, weil es gemacht ist, verwandelt werden soll, damit bleibt, was nicht erschüttert werden kann.“
(1) Genauer: σείω” (seiō), wörtlich „erschüttern“ oder „zum Beben bringen“.
Ich will so lange bei Jesus stehen, bis ich Seinen Schmerz empfange.