Sa 30.11.2024 Fest der Hl. Andreas, Apostel
Mt 4:18-22 Berufung der ersten vier Jünger
Taufname
In der christlichen Taufe erhält der Mensch ein Leben aus Gott – und damit einen neuen Namen.
Im alten Israel erhielt das Kind bei der Beschneidung seinen Namen. Nicht irgendeinen „schönen“ Namen.
Der Name hing mit der Familie zusammen, mit der Geburt, und nicht selten waren es prophetische Namen.
Die Benennung eines Kindes soll keine Reise in den aktuellen Geschmack sein, wie es heute ist. Wie weit sind wir davon entfernt.
Ich bin Andreas
Das ist mehr, als „ich heiße“.
Denn ich glaube daran, dass zumindest ein wenig prophetischer Bedeutung in dem Namen der Menschen steckt – auch in meinem.
Darum habe ich mir den Apostel genau angeschaut. Und bis auf die Größe passt so viel, dass ich überwältigt bin.
Heute ist mein Namenstag.
Ein Blick in die alte katholische Tradition (die ich nicht habe) zeigt: Der Namenstag ist der eigentliche Festtag, nicht der Geburtstag.
Und idealerweise fallen der Namenstag und der Tauftag zusammen, denn jeder Tauftag hat seinen Namen.
Wie leichtfertig wurde dem Prinzen „Meinung“ mit seinem unreifen Bruder „Geschmack“ geopfert, und so hat man dies verloren.
Charakter und Bestimmung
Vom frühesten, was ich erinnere, habe ich Charaktereigenschaften, die ich auch beim Apostel Andreas finde. Und es hat mein Leben geprägt und bestimmt.
Eigenschaften, die ich vorfinde.
Nun aber:
Ebenso finde ich Dinge, die ich lange abgelehnt habe. Besonders die eigentliche Bedeutung des Namens. Ich fürchtete mich davor.
Andreas hat am Ende seines Lebens das Kreuz erlebt. Das berühmte Andreas-Kreuz. Ein schräges, x-förmiges Kreuz, von dessen Aussehen die Andreas-Kreuze an Bahnübergängen ihren Namen haben. Aber viel wichtiger: Die orthodoxe Kirche hat dieses Symbol in ihren Kreuzen. Andreas heißt dort Protokletos, der Erstberufene. Er gilt als Apostel der Gebiete, die später Russland, Ukraine und Griechenland waren.
Die Überlieferung sagt, Andreas wollte ein anderes Kreuz als das seines Herren. Und er umarmte es, als es soweit war.
Und auch: Andreas kommt von Andros – Mann, oder: der Mannhafte.
Hier komme ich zum Teil der Bestimmung
Bestimmung
Ich wollte nie diesem Teil des Namens entsprechen – im Gegenteil.
Ich höre die Bestimmung und lerne mit Zittern ihr zu folgen.
Denn über die Gabe (Charakter) hinaus, die mir geschenkt ist, verlangt Gott von mir die Entfaltung der Gabe, die erst in meiner Annahme wirklich wird.
Verlangt!
Denn diese hat mit meinem Platz im Leib Christi zu tun.
Es fühlt sich gut an, wenn von „du persönlich“ und „du ganz direkt“ die Rede ist, wie es viele Prediger tun.
Aber die Ehre ist nicht der Sinn des „Namens“, sondern es ist der Ort der Bestimmung.
Ich nehme als Beispiel das Ohr.
Das Ohr
Das Ohr freut sich, dass es hören kann. Stolz fordert es von seinem Eigentümer, benutzt zu werden. Für schöne Musik, für mildes Rauschen des Waldes – aber auch für schmeichelnde Worte der Menschen.
Das ist seine Begabung.
Nun aber seine Bestimmung:
Höre, was der HErr dir sagt. שְׁמַע יִשְׂרָאֵל Sch’ma Israel, das zentrale Wort Israels überhaupt. Übrigens: Nicht „hören“, sondern „höre“.
Als Kind physisch die Worte der Thora (Paraschat). Vorgelesen.
Dann aber als Tor zum inneren Ohr. Dem Ohr, das das eigentliche Ohr des Menschen ist. Hören auf die Stimme Gottes, mit dem von Gott gereinigten Gewissen.
So wird es zum Anfang des Heils für den Menschen – oder, im selbstsüchtigen Missbrauch, zu seiner Fallgrube.
In der Ausübung seiner Gabe für sich selbst wird es das eine – in der schrittweisen Entfaltung zu dem Tieferen, zu dem es berufen ist, das andere – für den ganzen Menschen.
So auch ich. Nutze ich meine Begabung für mich, wird sie mir zum Fallstrick. So erlebe ich es besonders bei sehr begabten Menschen.
Auch ich habe meine Gabe oft missbraucht.
Es wird Zeit, mich ganz in den Ort einzuordnen, zu dem sie mir gegeben wurde.