Wie erkenne ich Jesus?

Mo 02.12.2024

Mt 8:5-11 Der Hauptmann von Kapernaum

Wie kam der Hauptmann zu seinem Glauben?

In jeder Eucharistiefeier wiederholen wir die Worte des Hauptmanns:

„Ich bin es nicht wert, dass Du unter mein Dach kommst; aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener <meine Seele> gesund“.

Dafür gibt es verschiedene Gründe – einer ist, dass Jesus dem Hauptmann einen besonders großen Glauben bestätigt.

Viele sagen, glauben zu können, sei ein Geschenk. Und benutzen das als Ausrede, wenn sie nicht glauben. Sie sagen dann, sie können nicht glauben.

Ich sage: Du trägst eine Verantwortung für deinen Glauben. Vorsichtig mit Schuldzuweisungen an Gott.

Denn zwar kommt der Glaube von Gott – aber die Annahme und die Einordnung kommt von mir. Ich bin dafür verantwortlich.

Wie aber vollziehe ich meine Verantwortung?

Wie vollziehe ich meine Gabe, die ich habe?

Der Hauptmann war ein Heide.

Und dazu war er höherer Befehlshaber der Besatzungsmacht. Er war auch noch ein Militär.

Er war also kein Schriftgelehrter, oder jemand, der Jesus als Messias erkannt hatte, weil er in der jahrhundertealten Tradition der Juden stand.

Offenbar ist die Frage: „Wo bekomme ich meinen Glauben her“, nicht die beste Frage.

Mir scheint, der Schlüssel liegt in der ausführlichen Antwort des Hauptmanns.

Denn sein Glaube war nicht Ursache – sondern Ergebnis dessen, was er beschreibt.

Was beschreibt er?

Er beschreibt das Funktionieren von Gehorsam und Befehl (in dieser Reihenfolge).

Es ist eine Wirklichkeit, in die er sich eingefunden hat, die er eingeübt hat.

Niemand wird Hauptmann, wenn er nicht gehorchen gelernt hat.

Aber mehr noch.

Nicht sich selbst

Der Hauptmann fragt nicht nach seinem Heil. Er ist ein Mann der Verantwortung. Niemand, der nicht Verantwortung übernimmt und sich um das Heil der seinen kümmert, soll in einer Leitung sein.

Der Hauptmann fragt nicht „nach einer persönlichen Beziehung zu Jesus“. Denn er lädt ihn nicht in sein Haus ein.

Das habe ich gestern benannt: Es geht nicht um Ich und Du – es geht um die Liebe, die Du und ich zu jenem anderen haben.

Der (Jesus), der den Gelähmten heilen kann, ist an dessen Heil interessiert – so wie der Hauptmann. Insofern „lieben“ sie gemeinsam einen Dritten.

Ich spreche keinesfalls gegen eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus – ich sage nur, das ist weder das Ziel noch der Weg – sondern die Frucht.

Der Hauptmann weiß: weil ich für meinen Knecht das Heil will, wird Er dies ebenso wollen. Ich kenne diese Haltung von mir – wir sind „Seelenverwandte“. Es ist die natürliche Welt eines Mannes der seine Verantwortung kennt und lebt.

Praxis

Der Hauptmann hat Leute unter sich, die Zugführer. Er hat diese, weil er sich als Verantwortlicher bewährt hat. Als einer, der selbst gehorsam ist, der seinen Major gehorcht.

Ich bin zunächst für mich verantwortlich.

Die natürliche Vorfindlichkeit ist die, dass ich der Lust und Unlust gehorche, der Sorge und der Eitelkeit etc.

Nun aber: Folge ich dem, was mein Gewissen und mein Geist sagen?

Das ist genau Inhalt der Logotherapie. Werde Herr im eigenen Haus.

Ich entscheide mich dafür, nicht länger Knecht meiner Biografie zu sein. Nicht länger jeder Lust und Unlust nachzugehen. Ja, nicht einmal Knecht meiner Begabung zu sein. Ich muss nicht tun, was ich nicht in meinem Geist entschieden habe.

Merkmal ist, dass ich aufhöre, irgendjemanden oder irgendetwas die Schuld zu geben. Sondern ich suche und stelle mich meiner Verantwortung.

Ich bin meinen Versprechen treu. Ich komme pünktlich und folge meinem Kalender. Ich gehorche den Aufgaben, die mir vorgelegt sind. Ich verantworte meinen Besitz und meine Familie.

In dem Maß, wie Gott sieht, dass ich das tue, „befördert“ Er mich zu mehr Verantwortung.

Das Ganze ist größer, als ich es hier andeute. Heute geht es mir um den Glauben. Denn Glaube ist Treue! Wenn ich meinem eigenen Gewissen nicht treu bin, kann ich Jesus nicht erkennen.

Dann jammere ich vielleicht über dies und das, was „man“ mir angetan hat oder „man“ mir nicht gegeben hat. Bis hin zum Glauben.

Gott bleibt souverän und bestätigt den Vollzug dessen, was Er mir gab – oder verzögert es. Insofern bleibt es Gnade.

Aber die Gnade ist nicht für meine Verantwortungslosigkeit verantwortlich.

Seelsorge

Ich kann immer wählen. Zunächst an einer kleinen Aufgabe. Bleibe ich in der Rebellion, oder gehorche ich dem Kleinen, das ich schon verstanden habe und tun kann. Gleich, ganz, gern.

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