Sa 07.12.2024
Mt 9:35-38; 10:1,6-8 Die große Ernte und die Aussendung der Zwölf Jünger
Der Text
Jesus geht umher und heilt alle Krankheiten und alle Gebrechen. Als Er das Volk sieht (erkennt), jammert es Ihn. Sie sind verschmachtet und zerstreut, wie Schafe, die keinen Hirten haben. Er fordert die Jünger auf, den Herrn der Ernte um Arbeiter zu bitten.
Es folgt die Aussendung der zwölf Jünger. Explizit nur zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Eine vollmächtige Aussendung.
Prophetische Auslegung
Wie gestern, scheint mir Matthäus deutlich die prophetische Linie darlegen zu wollen. Es ist kein Text, der zumeist ein Anfang ist – eher eine Unterbrechung.
Die Aussendung ist eher ein Abschied als ein Anfang. Voller Wehmut und Kummer.
Ich habe wieder mit der KI darüber gesprochen und staune über dessen theologische Kompetenz Dialog über die Aussendung der zwölf Jünger . Dort finden sich die Details und die Begründungen, die ich deshalb hier weglassen kann.
Ein kurzes Aufflammen in einer Umgebung der Trauer Jesu.
Am Ende meines Dialogs mit der KI komme ich auf meinen Widerspruch zu der oft gehörten Aussage, Gott habe einen Plan.
Gottes Plan ist voller Ohnmacht
Die KI nennt gute Gründe für meine These, die ich differenziert meine. Nicht „einen Plan“ und nicht „keinen Plan“.
Das Jesus um all die Städte Leid trägt, ist ein Zeichen für Gottes Ohnmacht. So auch ein Kapitel in meinem Buch, das ich hoffentlich bald herausbringen werde.
Die Ohnmacht Gottes ist ein Übersteigen Seiner Allmacht. Sie ordnet die Allmacht unter die Liebe.
Der Ort der Ohnmacht, des Schmerzes, des Leides – das ist der Ort der Begegnung mit Gott.
Des Leides an den Irrwegen und der Verlorenheit der Menschen. Zuerst und zumeist Israels. Ich wiederhole: Wer nicht um Israel weint, kennt Gott nicht.
Dann aber: Um unsere Städte und Dörfer, um unsere Kirchen und Gemeinden, um meine Bruderschaft und meine Klienten, um meine Familie und meine eigene Torheit und kleinliche Selbstsucht.
Den Abgrund dieses Leidens messe ich an dem aktuellen Leiden Jesu, die Er daran erlebt. Wir denken an unser vergängliches Leben – Er aber leidet maßlos an den Verletzungen meines Geistes.
Es gibt Menschen, die ich sehr liebe – und die kaum gebremst in den Abgrund laufen. Und ich erlebe meine Ohnmacht dabei. Eine Ohnmacht, die mit der Würde des anderen zu tun hat.
Das Scheitern Gottes ist der Ort unserer Liebe
Dort treffe ich Gott an.
In Seinem und meinem Scheitern.
Denn es ist der Ort der Liebe. Die Liebe, die Anteil nimmt, ohne die Würde zu verletzen. Die Liebe, die bis ins Letzte, bis an die Schwelle des Todes geht.
Wer Gott immer nur „genießen“ will, wird feststellen, dass Er schon längst den Raum verlassen hat und mich mit einem Kater zurücklässt.
Denn Er steht vor Sodom und weint.
Dort, allein dort, finde ich Ihn in Seiner Göttlichkeit.
Etwas in mir schmeckt und riecht diesen Duft Gottes. Es gibt eine Sehnsucht genau dahin – wenn auch durchwirkt von der allgegenwärtigen Sorge um den Verlust meiner Selbstwirksamkeit, meiner Souveränität.
Ein Kommentar zu „Die Aussendung der Zwölf – mit Schmerz“